Wesel: Neue Philharmonie Westfalen überzeugte im Bühnenhaus

Wesel : Neue Philharmonie Westfalen überzeugte im Bühnenhaus

Wenn sich Teile eines Klassikpublikums schon am Ende des ersten Konzertteiles von ihren Sitzen erheben, dann muss schon etwas ganz Besonderes passiert sein. So verhielt es sich am Sonntagabend im Städtischen Bühnenhaus Wesel, als der gebürtige Wiener Daniel Ottensamer die Glückwunsche des Dirigenten Nicholas Milton entgegennahm und ein kleines Dankespräsent erhielt.

Denn in der halben Stunde zuvor hatte der 31-Jährige mit seinem klaren, sauberen und ungeheuer filigranen, leichtfüßig wirkenden Spiel das Klarinettenkonzert Nr. 1, f-Moll op. 75 von Carl Maria von Weber als Solist veredelt.

Vor dessen außergewöhnlicher Leistung hatte das 40-köpfige Ensemble der Neuen Philharmonie Westfalen die Qualitätsmesslatte schon mal enorm hoch gelegt. Bereits der Auftakt des Konzerts des Städtischen Musikvereins geriet mit der "Hebriden-Ouvertüre op. 26" von Felix Mendelssohn-Bartholdy zu einem besonderen akustischen Vergnügen.

Dem Orchester gelang es auf furiose Art und Weise, die melodische Poesie des Hauptthemas, das von Bratsche, Cello und Fagott vorgetragen wurde, mit der Dramatik der Streicher zum aufgewühlten, wuchtigen Wellensturm zu verbinden, der "musikalisch" gegen die schottischen Hebriden-Inseln peitscht.

Im Anschluss trat Daniel Ottensamer auf und sein feiner, lupenreiner und ästhetischer Klang prägten "Allegro", "Adagio ma non troppo" und insbesondere das "Rondo: Allegretto".

Mit einer geradezu spielerischen Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit flogen seine Hände in höchsten Tempo über das Instrument, verlieh er der Musik Dynamik, sinnliches Gefühl und Klang. Dazu ergänzte ihn das Orchester mit der ganzen Bandbreite seiner instrumentalen Besetzung, setzte mit den drei Hörnern und dem gemütvollen Choral schließlich den "Signaturklang" der deutschen Romantik.

Nach der Pause durfte das Orchester der Neuen Philharmonie Westfalen ohne den Solisten ran - was der Qualität der Darbietung aber keinerlei Abbruch tat. Franz Schuberts "große" C-Dur Sinfonie, die als eine der Schlüsselwerke der Frühromantik gilt, geriet zu einem wunderbaren Klangerlebnis aus einem Guss.

Das romantische Thema des Solohorns zum Auftakt wanderte im "Andante" in die Hörner und zu den Streichern, ergänzt durch die triolierten Achtelfiguren der Violinen, die damit die Bewegungsenergie der Musik bis zum verdichteten Orchester-Höhepunkt steigerten.

Kribbelnde Spannung, tolles Tempo und große Energie erlebte das Publikum mit dem "Allegro vivace". Es war ein starkes Ende eines herausragenden Konzerts, das es verdient gehabt hätte, im Bühnenhaus nicht nur vor halbleeren Rängen stattzufinden.

(aflo)
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