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Neue DVD zeigt das Grauen des Krieges bei Wesel in Farbe

Premiere : Neue DVD zeigt Grauen des Krieges bei Wesel

Mit 1500 Exemplaren ist die Filmdokumentation zu Luftlandung und Rheinübergang am 23./24. März 1945 jetzt im Handel.

Von einem Highlight hatten Protagonisten der Stadt unlängst gesprochen, als sie die Vorstellung der neuen DVD zum Kriegsgeschehen ankündigten. Und das war nicht übertrieben. Die Dokumentation packt den Betrachter unmittelbar. Er ist dabei, wenn britische Offizier an Karten und Geländemodellen die Luftlandung und den Rheinübergang für den 23./24. März 1945 im Raum Wesel/Hamminkeln minutiös planen. Er ist dabei, wenn junge Soldaten in Frankreich Lastensegler besteigen und begleitet sie auf ihrem anfangs friedlichen, am Ende lebensgefährlichen Flug nach Osten ins Zielgebiet zwischen Hamminkeln, Brünen und Wesel. Er ist dabei, wenn Briten, Amerikaner und Kanadier auf deutsche Verteidiger treffen, Verwundete und Tote zu beklagen sind, die alliierten Oberkommandierenden sich mit Premier Churchill auf dem Balkon der Wacht am Rhein in Büderich im Glanz des militärischen Erfolgs sonnen.

Betrachter mit Weseler Wurzeln sehen manche Szenen mit gemischten Gefühlen. Aus einem Bomber heraus mitzuerleben, wie die Mitte Februar bereits zerstörte Stadt am 23. März ab 17 Uhr noch einmal umgepflügt wird, sorgt für Beklemmungen. Der nächste Ausschnitt dokumentiert den ab 22 Uhr folgenden Dauerbeschuss durch Artillerie. Mit den Kampfszenen des 24. März macht dies das Grauen komplett. Und doch ist die DVD weit mehr als das. Sie ist eine Premiere. Die Bilder, darunter viele in Farbe, werden in dieser Zusammenstellung zum ersten Mal veröffentlicht. Der aus Wesel stammende Historiker und seit nunmehr 21 Jahren für das ZDF tätige Journalist Alexander Berkel hat sie zusammengetragen. Sie stammen aus amerikanischen, britischen und kanadischen Archiven, zeigen mithin das Geschehen allein deshalb schon aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Auch aus der vorletzten deutschen Wochenschau ist was zu sehen. Aus zig Kilometern Film, die Berkel durchforstet hat, ist am Ende einer übrig geblieben. Das reicht für neun Filmkapitel, die zusammen 81 Minuten auf der DVD ergeben. Die meisten sind geschnitten mit Ton und Originalkommentar sowie deutschen Untertiteln. Einige Filme, so Berkel bei der Präsentation im Stadtarchiv, waren Rohmaterial. Er hat sie geordnet und mit deutschen Kommentaren versehen. Besondere Fundstücke sind für Berkel die Farbaufnahmen für das sogenannte Special Film Project. Für dieses waren Kameraleute der US Army Air Force an allen Fronten unterwegs, somit natürlich auch beim wichtigen Rheinübergang bei Wesel.

13.000 Euro (davon 3800 für Filmrechte) hat die Produktion des nun filmischen „Bandes“ 41 der „Studien Quellen zur Geschichte von Wesel“ gekostet. 1500 Exemplare (inklusive Booklet) sind ab sofort in der Stadtinformation, in der Mayerschen bei Korn und in jeder anderen Buchhandlung zu 17 Euro zu haben.