Wesel: Neue Brücke für den Niederrhein

Wesel : Neue Brücke für den Niederrhein

In Wesel endet heute ein 54 Jahre altes Provisorium: Die Niederrheinbrücke soll den Verkehr auf der wichtigen West-Ost-Verbindung zwischen der A3 und der A57 besser fließen lassen. Die Querung, an der viereinhalb Jahre gebaut wurde, hat 73 Millionen Euro gekostet.

Unfall auf der Weseler Rheinbrücke — diese Nachricht kam in der Vergangenheit einer Horrormeldung gleich. Bei nur zwei Fahrspuren ohne Standstreifen war die Bundesstraße 58 dann in aller Regel dicht. Der Verkehr staute sich auf der wichtigen West-Ost-Verbindung zwischen den Autobahnen 3 und 57 oft viele Kilometer weit. Ab heute soll das anders werden. Nach viereinhalb Jahren Bauzeit wird die neue Querung eröffnet, die den Namen Niederrheinbrücke Wesel trägt. Für Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wird es der erste offizielle Straßenbautermin in Nordrhein-Westfalen sein. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) und Winfried Pudenz, Hauptgeschäftsführer des Landesbetriebs Straßen NRW, assistieren ihm beim Durchschneiden des Bandes.

Es wird ein Fest für den ganzen Niederrhein: Der offizielle Akt findet ab 10 Uhr statt. Tatsächlich über die neue Brücke rollen kann der Verkehr aber erst ab 14 Uhr. Darauf werden zehntausende Pendler warten, die in den vergangenen Wochen allerlei Umwege in Kauf nehmen mussten. Weil an den Anbindungen gearbeitet werden musste, war die Xantener Straße (L 460) gesperrt. Zu früh freuen dürfen sich die Autofahrer aber nicht. Nach dem Anschluss der L 460 wird die B 58 für ähnliche Arbeiten jetzt bei Büderich gesperrt.

Überhaupt stehen wesentliche Teile der neuen Rheinquerung bei Wesel noch aus. Im Mittelpunkt steht zwar die Niederrheinbrücke mit einem Investitionsvolumen von gut 73 Millionen Euro. Für flüssigen Verkehr sind aber noch zwei Umgehungen nötig, die in etwa die gleiche Summe verschlingen. Auf der linken Rheinseite haben bereits die Arbeiten an der B 58n begonnen, die den Stadtteil Wesel-Büderich weiträumig umkurven wird.

  • Ortsumgehung : Rheinbrücke bei Wesel wird eröffnet
  • Niederrhein : Montag, 14 Uhr: Brücke frei
  • Xanten : Neue Umleitung und Festakt zur Eröffnung der neuen Brücke

Auf der rechten Seite soll die Weseler Innenstadt entlastet werden. Die ebenso teure wie in der Vergangenheit umstrittene Südumgehung zwingt sogar einen Fluss zum Umzug: Die bei Wesel in den Rhein mündende Lippe bekommt gerade ein neues Bett gemacht. Wo jetzt nahe dem Wesel-Datteln-Kanal und der B 8 Kies und Sand gewonnen werden, entsteht eine naturnahe Auenlandschaft für die Lippe. Ihr altes Bett wird später die Umgehungstrasse tragen, die dann quer durch den Stadtteil Fusternberg zur alten B 58 mit Anschluss an die A3 (Hollandlinie) und zur B70 führt. Knackpunkt ist der Lärmschutz. Um jeden Meter Tunnel ist gerungen worden.

Das alte Bauwerk mit seinem markanten Stahlfachwerk war schon 1953 nur als Provisorium in Betrieb genommen worden. Weil nach Wesels Zerstörung im Zweiten Weltkrieg noch die Pfeiler der Rheinbabenbrücke von 1917 im Strom standen, wurde ein schmaler Ersatz darüber gelegt. Das neue Bauwerk ist die drittgrößte Schrägseilbrücke Deutschlands.

Die enorme Konstruktion aus Stahl und Beton kann sich sehen lassen. Als neues Wahrzeichen der Stadt Wesel ragt der so genannte Pylon (Pfeiler) mit gut 130 Meter Höhe aus der Landschaft. Von diesem "umgedrehten Ypsilon" verzweigen sich rote Rohr-Bündel voller Stahlseile zur Fahrbahn. Sie halten die insgesamt 775 Meter lange Brücke. Mit einer Spannweite von 335 Meter wird der Rhein pfeilerlos überbrückt. Dies war Bedingung für den Schiffsverkehr. Immer mehr immer größere schwimmende Einheiten hatten in dem Bogen vor Wesel ihre Mühe, die zwei Pfeiler der alten Brücke unfallfrei zu passieren.

Reger Verkehr herrscht auf dem Wasser wegen des Weseler Hafens, der Einfahrt zum Kanal und zu weiteren benachbarten Anlagen (Rhein-Lippe-Hafen und Hafen Emmelsum). Die gesamte Infrastruktur für Schiffe wird gerade fürs Landeshafenkonzept untersucht. Der Lippe-Mündungsraum soll bei einer Kooperation der Häfen von Duisburg bis Emmerich eine zentrale Rolle spielen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die neue Brücke für den Abfluss des Gütertransports auf der Straße zusätzlich an Bedeutung — am Ende mit jeweils zwei Fahrspuren pro Richtung. Damit der Stau-Ärger der Vergangenheit angehört.

(RP)
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