Hamminkeln: Neue Bäume für ein Natur-Kleinod

Hamminkeln: Neue Bäume für ein Natur-Kleinod

Lücken in der Rodehorster Allee in Wertherbruch werden geschlossen. Es ist ein Gemeinschaftswerk.

Die Rodehorster Allee, die sich von der Provinzialstraße bis zum Gute Rodehorst erstreckt, ist historisch und mit seinen knorrigen Eichen wunderbar anzusehen. Doch sie hat Lücken, geschlagen auch durch Sturmtiefs wie zuletzt "Friederike". Dazu kommen altersbedingte Ausfälle der großen Bäume, die die Landschaft bei Wertherbruch bestimmen. Das Bild der Straße wird jetzt Stück für Stück vervollständigt. Gestern wurde die Wiederanpflanzung von zunächst 15 Esskastanien präsentiert, die ebenso wie Buchen zum Alleecharakter der stämmigen Eichen passen.

"Es handelt sich um ein Gemeinschaftswerk. So lässt sich das Vorhaben am besten umsetzen", wie Bernhard Payer, zuständiger Dezernent im Hamminkelner Rathaus, gestern betonte. Dazu gehört die Stadt selbst, die Pflege und Anpflanzung der Lückenfüller bewerkstelligt. Ebenso die Wertherbrucher Grundschule, deren Klasse 4 w mit Klassenlehrerin Barbara Fritzen - das ,w' der dörflichen Filiale der Grundschule Mehrhoog steht für Wertherbruch - die 1,5 Kilometer zu Fuß ging, um die ersten Gießkannen Wasser an die drei Meter hohen Neuanpflanzungen sanft zu schütten. Marie-Luise Fasse, die NRW-Chefin der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, und ihr Kreis-Vorsitzender Antonius Dicke waren ebenfalls gekommen.

Die Gemeinschaft kümmert sich um Wiederaufforstungen und hat die 15 neuen Bäume gespendet. Die Idee, an der altehrwürdigen Rodehorster Allee tätig zu werden, stammt vom Arbeitskreis Landschaftspflege der Wertherbrucher Zukunftswerkstatt und der war gestern mit Manfred Tebbe und Johannes Verbücheln vom Verein Alte Herrlichkeit Wertherbruch vertreten. Für beide ist die Rodehorster Allee ein Stück Dorfidentität und das Symbol besagter alter Herrlichkeit.

1447, so weiß Manfred Tebbe, wurde hier das erste feste Haus vom Cleveschen Amtmann Frank von Wittenhorst errichtet. 1386/1387 ist die erste Erwähnung der Rodehorst belegt. Zwischen 1650 und 1720 sei das Herrschaftshaus mit Wall und Gräfte (Graben) entstanden - und in dieser Zeit die stattliche Allee, die noch heute zum gut erhaltenen und privat genutzten Gut Rodehorst führt. Die heutigen Eigentümer, Prof. Dietrich Berdel und Andrea von Berg, haben Rodehorst umfangreich instandgesetzt und das Haus durch ihre hochrangigen Musikveranstaltungen weithin bekanntgemacht.

Für Marie-Luise Fasse ist die Esskastanien-Spende auch praktizierte Umweltbildung. "Das liegt uns am Herzen, und deshalb finde ich es toll, dass die Wertherbrucher Schüler als Paten mitmachen. Vielleicht kommen einige in 20 Jahren an der Allee vorbei und freuen sich vor den hochgewachsenen Bäumen, bei der Aktion mitgemacht zu haben." Die Esskastanie passe als Baum des Jahres 2018 gut. Fasse sagte, dass die Umweltbildung an den Schulen und damit das Wissen um Wald und Bäume mehr Raum einnehmen müssen.

Die Geschichte der Rodehorster Allee geht jedenfalls weiter, auch wenn niemand genau weiß, wie viele Anpflanzungen nötig sind. Auch die Alte Herrlichkeit hat nicht nachgezählt, aber sie ist fest entschlossen, die Wiederaufforstung voranzutreiben und damit auch die Verjüngung der Allee zu erreichen. "Es gibt Bürger, die wollen Bäume spenden und Patenschaften übernehmen. Wer interessiert ist, soll sich bei uns melden", sagt Manfred Tebbe. Wegen der Pflege arbeite man mit der Stadt zusammen.

(RP)