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Kreis Wesel: Naturschutz contra Windräder

Kreis Wesel : Naturschutz contra Windräder

Erstmals in NRW: NABU beantragt sofortigen Baustopp für WKA-Bau. Konflikt zwischen erneuerbarer Energie und Vogelschutz bricht auf. Grund: Windräder in Büderich wachsen zu nahe am Vogelgebiet – trotz offener Klage.

Erstmals in NRW: NABU beantragt sofortigen Baustopp für WKA-Bau. Konflikt zwischen erneuerbarer Energie und Vogelschutz bricht auf. Grund: Windräder in Büderich wachsen zu nahe am Vogelgebiet — trotz offener Klage.

Mit dem Ausbau Erneuerbarer Energie in Zeiten auslaufenden Atomstroms drohen neue Konflikte. Einen NRW-weit erstmaligen Vorgeschmack gibt es im linksrheinischen Weseler Ortsteil Büderich. Hier hat der Naturschutzbund (Nabu) Kreis Wesel gestern Baustopp für zwei kürzlich begonnene Windräder beantragt.

Grund: Die Riesenmühlen mit exakt 149,38 Meter Höhe liegen näher an einem Naturschutzgebiet als laut Abstandserlass erlaubt und zerschneiden die Flugzone für seltene Vögel zwischen den Schutzgebieten Bislicher Insel und Orsoy. Naturschutz contra Ausbau Erneuerbarer Energien — bei diesem Konflikt ist den Naturschützern nicht wohl. "Vogelschutzgebiete sind bedroht.

Jetzt müssen wir standhaft sein und dem Einhalt gebieten. Wir sind die größte Kreisgruppe — wenn wir nicht klagen, wer dann?", sagt Sabine Zimpel, Geschäftsführerin des Nabu-Kreisverbandes Wesel.

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Auch der Kreis Wesel ist betroffen. Er hat durch seine Genehmigungspolitik zur Eskalation beigetragen. Der Streit zwischen Windrad-Investor Schulze-Langenhorst und den Windrad-Gegnern in Büderich ist alt — besonders, seit er höhere Anlagen plant als zunächst beantragt. Die Vogelschützer haben ihn gewarnt. Sie fürchten Barrieren in den Flugrouten durch die Rotoren.

Dies Problem hat die Biologische Station Wesel ermittelt — sie ist übrigens im Auftrag des Kreises tätig. Hickhack folgte: Der Investor bekam Baurecht, der Nabu klagte vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf und erzwang die Aufschiebung des Projekts. Der Investor hielt mit dem Antrag auf sofortige Vollziehung der Baugenehmigung dagegen — und der Kreis stimmte zu.

Darf einer bauen, obwohl juristisch das letzte Wort aussteht? Der Kreis verteidigt seine Haltung pro Investor. "Das ist im Verwaltungsverfahrensgesetz möglich", sagt Dr. Lothar Krieger, im Kreishaus Koordinator für Emissionsschutz. Der Betreiber habe mit wirtschaftlichem Schaden durch verspäteten Baubeginn argumentiert, die Landschaftsbehörde trotz unerlaubter Nähe zum Schutzgebiet Okay gegeben. Dr. Krieger urteilt, dass ein Rad den Abstand zwar unterschreite, aber nichts gegen die "sofortige Vollziehung" gestanden habe.

Mehr Mühlen entlang des Rheins

Das befeuerte den Konflikt endgültig. Der Nabu fürchtet eine endgültige Barriere-Wirkung, weil in Büderich zwei weitere Windmühlen beantragt sind, — und einen Flächenbrand. Denn weitere Windräder in sensiblen Gebieten wie in Voerde-Mehrum und Löhnen und entlang der Rheinschiene bis Emmerich sind in der Mache.

Der Nabu ist in einem wenig beneidenswerten Konflikt. "Klimaschutz ist und bleibt ein sehr wichtiger Teil unserer Arbeit. Aber Vogelschutzgebiete sind sensible, artenreiche Naturräume, die besonders geschützt werden müssen. Daher dürfen in unmittelbarar Nähe keine riesigen Windkrafträder aufgestellt werden", so Nabu-Vorsitzender Matthias Bussen. Die Forderung nach naturverträglichem Ausbau der Windenergie bleibe.

(RP/rl)