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Naturschützer erinnern an Leinenpflicht in der Dingdener Heide

Dingdener Heide : Naturschützer erinnern an Leinenpflicht

Freilaufende Hunde in der Dingdener Heide stören das Brutgeschäft geschützter Arten. Thomas Traill von der Biologischen Station im Kreis Wesel ist besorgt und mahnt: Im Naturschutzgebiet bitte alle Vierbeiner anleinen!

Die Vorauswahl für das Wort des Jahres 2020 entwickelt sich prächtig, und das hat auch viel mit Naturschutz zu tun. Das findet jedenfalls Thomas Traill, Sprecher der Biologischen Station im Kreis Wesel. Denn das in der Corona-Krise geforderte „Social Distancing“ habe bewirkt, dass so mancher mit einer Art Lagerkoller zu kämpfen habe. Da hilft ein wohltuender Gang an die frische Luft, zum Beispiel ein Blick in die Dingdener Heide und ihre Naturschutzgebiete. Zum Beispiel mit Hund, und da ist Naturschutzexperte Traill betroffen. Er mahnt, Hunde nicht von der Leine zu lassen.

Mit dem beschilderten Hinweis „Naturschutzgebiet“ am Wegesrand zur Dingdener Heide gewährt der Staat Natur und Landschaft besonderen Schutz und verbietet deshalb Handlungen, die der Natur schaden können. „Das Schild wird in der Regel von einem zweiten begleitet, das die wesentlichen Verbote nennt“, erläutert Traill. Dazu gehören zelten, offenes Feuer, die Wege verlassen und eben den Vierbeiner frei laufen lassen. „Damit ist der Fall klar, zumindest rechtlich. Der Hund muss hier an die Leine, so stur er auch zerrt und so sehr uns sein enttäuschter Blick schmerzt.“

Manche erzürnt diese Einschränkung ihrer Freiheit und der ihres Hundes. Der sei schließlich auch Natur, aber eben eine domestizierte. Zügel- beziehungsweise leinenlos ist das beliebte Haustier durchaus auch Gefahr. Für die Dingdener Heide ist das schnell erklärt: Hier tummeln sich gefährdete Wiesenvögel wie der sehr selten gewordene Kiebitz und der Große Brachvogel, vom letzteren die beinahe einzigen im Kreis Wesel. „In der Vogelschule lernt man nicht, dass der herumtollende Vierbeiner kein Wolf ist, weshalb die Tiere oft mit Angst reagieren, auch wenn sich das unkundigen Augen und Ohren nicht erschließt. Die Brachvögel und Kiebitze haben alle Flügel voll damit zu tun, ihre Brut zu ernähren und gegen andere Gefahren zu verteidigen, bis sie fliegen kann“, sagt Traill. Deshalb rät er Corona-Gestressten, die Dingdener Heide zu genießen, aber die Hunde an die Leine zu nehmen.