Niederrhein: Närrisches im neuen Weseler Museum

Niederrhein: Närrisches im neuen Weseler Museum

Der Weg vom Preußen-Museum zum LVR-Niederrheinmuseum war lang und steinig. Am 18. März geht das Haus neu an den Start. Dann ist die Karnevalszeit zwar schon wieder vorbei, aber zu sehen gibt es Fastnachtsgrafiken trotzdem.

Wenn sich am 29. November zum 20. Mal die Eröffnung des Preußen-Museums Wesel jährt, ist das Haus selbst schon lange Geschichte. Aktuell läuft der Schlussspurt für die Arbeiten am neuen Kulturtempel, dem LVR-Niederrheinmuseum. Am Sonntag, 18. März, soll es an den Start gehen. Wie sein Vorgänger, für den das ruinengleiche Körnermagazin der historischen Zitadelle mühsam hatte hergerichtet werden müssen, hat auch das Niederrheinmuseum ein jahrelanges Werden hinter sich. Allein die Baugeschichte füllt Bände. Geschweige denn das Tauziehen um die Finanzierung samt Aufteilung der Stiftungsmittel oder die inhaltliche Neuausrichtung unter den Fittichen des neuen Trägers Landschaftsverband Rheinland. Der hat eine ganze Sammlung von Museen im Portfolio und gilt als Experte für deren Betrieb. Was nach der langen Schließungsphase dann mit der Ausstellung "Wesel und die Niederrheinlande. Schätze, die Geschichte(n) erzählen" zu sehen sein wird, lässt also hoffen.

Interessanterweise machte der Landschaftsverband gestern schon mal auf einige Exponate aufmerksam, für deren Betrachtung es genau jetzt eigentlich die rechte Zeit wäre: Fastnachtsgrafiken. "Neben vielen Weseler Zeugnissen, können Interessierte dann die Narrenpredigten des damals populären Volkspredigers Johannes Geilers (1445-1510) kennenlernen", teilte der LVR mit. "Johannes Geilers deckte Laster und Mängel seiner Zeit schonungslos auf und schreckte nicht davor zurück, Klerus und Ordensgeistliche wie auch die weltliche Obrigkeit auf sarkastische Weise an den Pranger zu stellen." In dem Weseler Exemplar der Geilerschen Narrenpredigten von 1511, so der LVR weiter, fänden sich viele der zahlreichen Holzschnitte - eine Art grafische Narrentypologie. Weseler Mönche müssten es gewesen sein, die in einigen Fällen Hand anlegten und wie im Comicstrip über den Köpfen Redepassagen in roter Schrift hinzufügten oder Bilddetails rot einfärbten. Auch der Text Geilers sei von den Dominikanern mit roter Tinte kräftig durchgearbeitet worden. Für die Historiker offenbar ein Beleg, "dass auch hier das Bewusstsein einer grundlegenden Reform von Kirche und christlicher Gesellschaft vorhanden war".

Berichtet wird vom Brauchtum. So habe in der Typologie der "Fastnachtsnarr" nicht fehlen dürfen. "Auch in Wesel herrschte an den närrischen Tagen ein buntes Treiben. Spätestens am Vorabend des letzten Sonntags vor Beginn der Fastenzeit pflegte der Weseler Rat, städtische und außerstädtische Prominenz zu einem Festschmaus auf das Rathaus oder in Gaststätten einzuladen. Bei diesen Gelagen waren Fastnachtsscherze ein fester Programmpunkt", erklärt der LVR. 1542 habe der Rat Stadtboten und anderen Gästen die Haare scheren und ein "rotes oirmußken", eine Kappe mit Mäuseohren, aufsetzen lassen.

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Das Treiben des Volks soll übrigens erst Fastnachtsdienstag oder Aschermittwoch seine Höhepunkte erreicht haben. Mit einem Ritterturnier auf dem Großen Markt, bei dem es galt, mit der Lanze eine Wanne zu treffen. Ein Schauspiel, so heißt es, das dann später mit der Hatz auf eine Gans fortgesetzt wurde. Erhalten geblieben sein soll dies närrische Brauchtum auch unter der protestantischen Stadtherrschaft bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Einige Anzeichen sprächen dafür, dass es unter reformierten Kräften im 17. Jahrhundert anders wurde.

Die nächste Vorstellung steht übrigens ins Haus. Am Dienstag wird der Presse ein Großpanorama präsentiert. Es zeigt den Großen Markt der Hansestadt im 16. Jahrhundert. Weseler Frauen und Männer der Gegenwart "sind hier die Akteure in den Szenen ihrer eigenen, europaweit vernetzten Stadtgeschichte, die auf diese Weise überraschend aktuell wird", heißt es in der Einladung.

(fws)