Niederrhein: Nabu vermutet illegale Jagdpraktiken als Auslöser der Vogelgrippe

Niederrhein : Nabu vermutet illegale Jagdpraktiken als Auslöser der Vogelgrippe

Der Naturschutzbund (Nabu) hat gestern nach Hinweisen von Mitgliedern Anzeige gegen unbekannt beim Kreis Kleve und dem Kreis Wesel wegen illegaler Jagdpraktiken gestellt und das NRW-Umweltministerium informiert. Wie der Nabu mitteilte, wurde im Kreis Kleve innerhalb der Sperrzone um den von der Vogelgrippe betroffenen Putenmastbetrieb bei Rees eine illegal betriebene Futterstelle für Füchse - ein sogenannter Luderplatz - entdeckt, der mit großen Mengen frischer Schlachtabfälle bestückt war. In der Vergangenheit sei dort auch die Ablage geschossenen Wassergeflügels beobachtet worden. Ein weiterer aktueller Fall wurde den Naturschützern aus dem Kreis Wesel mitgeteilt. Hier wurden an einem Luderplatz im Bereich der Bislicher Insel Reste eines Haushuhnes und von Stockenten entdeckt.

"Wir haben die starke Vermutung, dass diese illegalen Jagdpraktiken der Auslöser für die aktuellen Vogelgrippefälle am Niederrhein sein könnten", sagt Josef Tumbrinck, Landesvorsitzender des Nabu. Genau in diesem Bereich seien in den vergangenen sechs Wochen drei tote Greifvögel aufgefunden worden, die mit dem Vogelgrippevirus H5N8 infiziert waren. "Schon die merkwürdige Häufung von toten infizierten Greifvögeln im Nordkreis Wesel hat uns stutzig gemacht, zusammen mit den jetzt entdeckten Luderplätzen passt das Puzzle aber zusammen", so Josef Tumbrinck. Der Nabu NRW vermutet, dass infiziertes Hausgeflügel auf solchen Plätzen entsorgt worden ist und von den Greifvögeln als Aasfresser aufgenommen wurde.

"Ich fordere die zuständigen Kreisveterinär- und Polizeibehörden auf, diesen Fällen umgehend nachzugehen und Schritte einzuleiten", lautet der Appell von Tumbrinck an die Behörden. Seiner Auffassung nach seien sicherlich noch sehr viel mehr solcher Plätze überall im Land zu finden. An das Umweltministerium richtete er die Forderung, die Anlage und den Betrieb von Luderplätzen sofort zu verbieten.

Der Nabu NRW sieht es als sehr unwahrscheinlich an, dass Wildvögel die Ursache für die aktuellen Funde sind. Bei einem Überwinterungsbestand von rund 180.000 Wildgänsen und intensiver Beobachtung durch Ornithologen hätte man etwas sehen und feststellen müssen - zum Beispiel durch Todfunde oder der Beobachtung kranker Vögel.

Außerdem, so der Nabu weiter, seien beim letzten Vogelgrippeausbruch vor drei Jahren zahlreiche Kotproben von Wildgänsen auf den Feldern eingesammelt worden. Alle seien negativ gewesen.

(RP)
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