Wesel: "Musik findet nie allein statt"

Wesel: "Musik findet nie allein statt"

Kunst- und Musikschule wird 40 Jahre alt: Rück- und Ausblick. Die Leistungsspitze wächst aus der Breite. Besonderes hohen Stellenwert hat das gemeinsame Musizieren im Ensemble. Die Erfolgsgeschichte geht weiter.

Das gesamte Team der Musik- und Kunstschule freut sich auf ein fröhliches, buntes Fest am Sonntag. Anlass: die Schule wird 40 Jahre alt. Hier herrscht stets ein emsiges Treiben. Im Alltag stürmen schon frühmorgens die Kleinsten die Zitadelle zur musikalischen Früherziehung, nachmittags summt und brummt es auf zwei Etagen, Schluss ist erst abends um 21 Uhr. "Und am Wochenende legen wir erst richtig los", sagt Dagmar Beinke-Bornemann, Schulleiterin seit 2003. Viele Erfolge bei "Jugend musiziert" hat die MKS verbucht. "Wir haben eine sehr große Breite, aus der wir schöpfen können. Wer hierher kommt, tut das gerne. Heute lernt keiner mehr wegen des guten Tons ein Instrument."

30 Unterrichtsfächer

Einen hohen Stellenwert hat inzwischen gemeinsames Musizieren im Ensemble. "Musik findet nie allein statt; zusammen macht es mehr Spaß." Um die heutigen Blas- und Sinfonieorchester entsprechend bestücken zu können, muss der begleitende Instrumentalunterricht vielfältig sein. 30 Unterrichtsfächer plus Ergänzungsfächer sind im Angebot. Das finanzielle Korsett durch Träger der Stadt setzt in Zeiten schmaler Budgets setzt mit exakt 474 Jahreswochenstunden. Ein erweitertes Angebot, etwa bei der Stimmschulung, zöge eine Reduzierung bei anderen Fächern nach sich.

Im März 1969 war der Ratsbeschluss zur Gründung der Schule erfolgt. Das fand großes Interesse in der Bürgerschaft. Schon 1970 waren es 436 Schüler (heute 1000), die verstreut auf Schulen, Körnermagazin oder Bühnenhaus zunächst von nebenamtlichen Lehrkräften ausgebildet wurden. Damals befand sich die Schule in privater Trägerschaft, auch eigenes Vermögen wurde eingesetzt; Inge Müller-Heuser, Dr. Hans Tienes und Dr. Karl-Hermann Bode bildeten das Leitungsteam. Ein Modellfall für NRW, weil hier erstmals Kunst und Musik unter einem Hut waren.

"Im Herbst 1970 reisten wir deshalb nach Prag, um uns die staatlich geführten, so genannten Volkskunstschulen anzuschauen", erinnert sich Beiratsvorsitzender Volker Haubitz, damals noch Referendar am KDG. 1974 zog die Schule ins Haupttorgebäude der Zitadelle, erst 1991 auf die gegenüberliegende Seite der Schillstraße. Als sie 1977 in die Trägerschaft der Stadt übergehen sollte, gab es ganze Leserbriefschlachten und Gerangel im Rat. Durch alle Höhen und Tiefen führten die Schulleiter Eberhard Haude (ab 1970), Hans Dieter-Uhlenbruck (ab 1977) und Wulff-Dieter-Irmscher (ab 1988). Die Wartelisten sind heute wie damals gut gefüllt. Doch es gibt viele Innovationen.

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Unterricht für Erwachsene wurde möglich, der komplett selbst bezahlt werden muss; das Streicherensemble "Just for Fun" gründete sich. Die veränderte Schullandschaft mit Nachmittagsunterricht bedingt, dass Ensembles wie Orchester, Musical oder Ballett am späten Nachmittag stattfinden. Das JeKi-Projekt kam hinzu. Ohne den Förderkreis wäre vieles unmöglich.

Förderverein macht viel möglich

Er unterstützt finanziell Orchesterfahrten, den Begabtenfonds, die AVG-Bläserklasse, organisiert Vorspiele außer Haus, auch in Krankenhäusern, und betreut Kammermusik- und Orchesterkurse. Vorsitzende Dr. Brigitte Otte: "Wir müssen uns tummeln und schauen, dass der Rubel rollt." Seit elf Jahren begleitet sie ihren Sohn Maximilian auch durch die traditionellen Klassenvorspiele und findet: "Sie geben der Schule den besonderen Flair."

Dagmar Beinke-Bornemann ergänzt: "Dies ist kein Auswahlverfahren und wir wollen keinen Knebelzustand. Doch wer einmal solch einen Auftritt durchgestanden hat, lernt mit deutlich mehr Begeisterung und Selbstbewusstsein."

(RP)
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