Wesel: Museum zeigt Geschichten des Deichdorfs

Wesel : Museum zeigt Geschichten des Deichdorfs

Zum Internationalen Museumstag öffnete auch das Bislicher Deichdorfmuseum seine Pforten. Es gab Führungen mit spannenden geschichtlichen Erläuterungen, Fahnen und Wimpel konnten selbst gestaltet werden.

Die neue Leiterin des Bislicher Deichdorfmuseums, Barbara Rinn-Kupka, hätte sich bei dem ersten von ihr organisierten Internationalen Museumstag "beständigeres Wetter und einen anderen Termin als Muttertag" gewünscht, wie sie sagte. Dann wäre die Resonanz sicher besser gewesen. Denn die 15 Helfer hatten sich mächtig ins Zeug gelegt, um den Besuchern aus Nah und Fern einiges Spannende in dem Deichdorf zu bieten. Unter anderem bot Barbara Rinn-Kupka selber mehrere Führungen an, Kreativkünstlerin Carla Gottwein aus Rees leitete den Workshop "Fahnen und Wimpel selbst gestalten".

Doch auch ohne solche Zusatzangebote zog es Gäste ins Museum. So wie Anna Kübler. Die 74-Jährige aus Wesel hatte sich recht spontan zu dem Besuch an der Dorfstraße in Bislich entschieden. "Eigentlich wollte ich mit meiner Freundin eine Radtour machen, aber die hat wegen des Wetters abgesagt. Da fiel mir der Museumstag ein", sagte sie. Und was schätzt sie besonders an dem kleinen, aber feinen Museum? "Hier gibt es viele Dinge, die ich noch von früher kenne. Da kommen dann bei mir Kindheitserinnerungen auf - das freut mich jedes Mal aufs Neue", erklärte Anna Kübler.

Neben dem Hauptgebäude standen das Rheindeichmuseum, das Ziegelmuseum, das Backhaus, die ornithologische Ausstellung und auch die Schmiede Kock kostenlos für das Publikum zur Verfügung.

Im Haupthaus gab es mehrere Themenbereiche, wie Hugo Lemken (83) erläuterte, während er Besucher durchs Museum führte. Er weiß viel und könnte alles Mögliche erklären. "Sie kennen doch garantiert den Spruch ,Leg mal einen Zacken zu!' - doch wissen Sie auch wo das her stammt?", fragte er. Dann zeigte er einen Kochtopf über einer Feuerstelle, der höhenverstellbar ist - dank zahlreicher "Zacken". Wenn die Hausfrau vor rund 150 Jahren das Essen schneller gar haben sollte, wurde der sprichwörtliche Zacken zugelegt, der Topf tiefer gehängt - und die Suppe war eher gar.

Dann holte Lemken eine stabile, etwa schuhkartongroße Holzkiste mit Löchern im Deckel, einer Klappe und Tragebügel. Der Besucher rätselte, wofür dies gut sein soll. "Das war die erste Fußbodenheizung", verriet der 83-Jährige und klärte auf: "Vor über 100 Jahren haben die Frauen sich auf dem Weg zur Kirche beim Bäcker einen heißen Stein aus dem Backofen geliehen, diesen in die Holzkiste gelegt und dann - dank der Wärme aus den Löchern - während der Frühmesse ihre Füße damit gewärmt."

Es gibt noch mehr Spannendes zu erfahren - etwa von der Bislicher Milchpipeline oder vom Bislicher Kranken-Unterstützungsverein. "Das war der Vorgänger der Krankenversicherung, sowas gibt's sonst nirgendwo auf der Welt", sagte Hugo Lemken.

(jok)
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