Schermbeck: Mit dem fliegenden Teppich durch den Orient

Schermbeck: Mit dem fliegenden Teppich durch den Orient

Anja Heix strahlte. Die Schermbeckerin hatte selten so viel aufmerksame und zugleich begeisterte Kinder erlebt wie in der Turnhalle der Maximilian-Kolbe-Schule. Dort sorgte die Musikerin der Gruppe Pindakaas Saxophon Quartett am Dienstag gemeinsam mit ihren Kollegen Thorsten Floth, Guido Grospietsch und Matthias Schröder für die musikalische Begleitung des orientalischen Musikmärchens "Alla Turca oder Der Dirigent und seine Flaschenpost".

Musik ist das heimliche Hauptfach an der Maximilian-Kolbe-Schule. Dazu gehört auch einmal jährlich eine größere musikalische Darbietung. Diesmal erlebten 200 Kinder in der Schule ein Musikmärchen, das Matthias Schröder und Bart Hogenboom nach einer Geschichte von Thomas Philipzen gestalteten.

Während der mehr als einstündigen Aufführung wurde den Kindern ein Querschnitt durch die orientalisch geprägte Musik geboten. Den Einstieg gab das Quartett mit dem dritten Satz aus Wolfgang Amadeus Mozarts Klaviersonate Nr. 11 A-Dur (Alla Turca). Ein weiteres Dutzend Musikstücke erklang in der Turnhalle. Das reichte von Robert Schumanns "Von fremden Liedern" und Franz Schuberts "Militärmarsch" über Beethovens "Türkischen Marsch" und Arama Khachaturians "Säbeltanz" und das orientalische Traditional "Sherele" bis hin zu Jacques Iberts "Bajo la mesa" und dem "Arabian Waltz" des Komponisten Rabih Abou-Khalil.

Die Musikstücke wurden nicht erläutert, sondern der äußeren Handlung unterlegt, der Geschichte des Musikers Franz von Stock, der gerade dabei ist, penibel ein großes Konzert vorzubereiten. Die Rolle schien dem Schauspieler Frank Dukowski auf den Leib geschrieben. Während der schwarz befrackte Dirigent sich sehr bemüht, mit den Musikern den Auftritt vor einer Gruppe internationaler Diplomaten vorzubereiten, tritt unerwartet der quirlige Flaschengeist Flitzmed auf, in dessen Rolle Marcell Kaiser geschlüpft war.

Eigentlich ist Flitzmed kein richtiger Flaschengeist mehr, da er keine Wünsche mehr erfüllen kann. Denn der Räuberkönig Klaumoud hat ihm in seiner eigentlichen Heimat irgendwo im Orient den dazu nötigen Wunschring gestohlen. Getragen durch tausendundeine Musik, startet das ungleiche Paar gemeinsam auf Franz von Stocks Wohnzimmerteppich eine rasante Verfolgungsjagd durch den Orient, wobei den zuhörenden Kindern eher beiläufig die den einzelnen Musikstücken innewohnende Ausdruckskraft verdeutlicht wird.

Die Reise auf dem fliegenden Teppich führt den Dirigenten und den Flaschengeist in eine Wüstenlandschaft, wo sie in einen fürchterlichen Sandsturm geraten und verzweifelt nach Wasser in einer Oase Ausschau halten. Die Kinder fieberten mit den Akteuren und freuten sich riesig, als das ulkige Reise-Pärchen schließlich doch noch den Räuberkönig fand und diesem den Wunschring heimlich entführen konnte. Pech für den Dirigenten: Der Wunschring kann ihm nicht mehr helfen, die passende Musik für sein großes Konzert herbeizuwünschen, da schon drei seiner Wünsche erfüllt wurden. So hilft ihm nur der Rat des Flaschengeistes, einfach die Erlebnisse der gemeinsamen Flugreise zu verarbeiten, eine Idee, die der einst biedere Dirigent in die Tat umsetzt und so der Aufführung zu einem glanzvollen Finale verhilft.

(RP)