Minister Laumann beim CDU-Neujahrsempfang in Hamminkeln

Laumann bei der CDU Hamminkeln : Kurs auf einen respektvollen Wahlkampf

Beim Neujahrsempfang mit Minister Karl-Josef Laumann nutzten Hamminklens Christdemokraten die Chance zur Standortbestimmung.

„Sagen was man tut, tun was man sagt.“ Wem dieser Slogan bekannt vorkommt, hat recht. Er stammt vom Versöhnen-statt-spalten-Ministerpräsidenten und dann Bundespräsidenten Johannes Rau. Wenn Hamminkelns CDU-Vorsitzender Norbert Neß am Sontag beim Neujahrsempfang seiner Partei mit Gastredner und Minister Karl-Josef Laumann im Ratssaal Worte des legendären Wuppertalers Rau in den Mund nahm, dann mit Kalkül. In seiner politischen Standortbestimmung, traditionell bei dieser Gelegenheit vor breitem Publikum, gab Neß für das Kommunalwahljahr 2020 einen kämpferischen, bewusst antidestruktiven und fairen Kurs vor. Zuverlässigkeit und Vertrauen schaffen seien die Leitlinien, da passte Johannes Rau verbal gut. Die Parteien der Stadt hätten das Gemeinwohl im Auge, Kompromissfähigkeit sei angesagt, und das gute parteiübergreifende Signal wie bei einer gemeinsamen Europawahlveranstaltung 2019 sei tragfähig. In der Sache aber will die CDU die Position als stärkste Partei in Hamminkeln ausbauen.

Zwei weitere Signale: Über einen CDU-Bürgermeisterkandidaten verlor Neß kein Wort, die Vereinigung Pro Mittelstand mit ihrem abgelehnten Bürgerentscheid zur Ratsverkleinerung bekam eine keineswegs friedvolle Watsche. „Ihr Antrag war darauf angelegt, der CDU zu schaden. Wir haben lange nichts von Pro Mittelstand gehört, vielleicht ist sie insolvent“, sagte Neß, der sich auch gegen Dagegen-Parteien wie die AfD wandte und die CDU als Dafür-Partei positionierte. Es gelte Stimmen von „dagegen“ zurückzuholen. Auch Bürgermeister Bernd Romanski mahnte „sachliche Auseinandersetzungen“ an – und den „notwendigen Respekt“. Alles andere würde nur dazu führen, dass sich Wähler abwenden.

Dann schritt Karl-Josef Laumann nach vorne und schnappte sich das Mikro. 62 Jahre alt, aus dem Kreis Steinfurt und der Provinz zugetan, 30 Jahre im Bundes- bzw. Landtag, seit 30. Juni 2017 (wieder) Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen – und eine sichere Bank als Redner. Politisch stritt er für die duale Ausbildung im Handwerk und deren Aufwertung gegenüber einem Studium. Denn Handwerker und Fachkräfte seien nötig, wenn in den nächsten Jahren in NRW fast 500.000 Menschen in Rente gehen. Das gelte insbesondere, um die industrielle Basis und damit den Wohlstand im Lande zu erhalten.

Zuwanderung sei da nötig, im Handwerk und ebenso in Bedarfsberufen: Alten- und Krankenpfleger, Ärzte, Lehrer. Dabei hat Laumann auch Versorgung auf dem Land im Blick. Für die Leute in der Provinz will er auch, dass Verkehrswende und Mobilität nicht von Ballungszentren bestimmt werden. „Ich wehre mich gegen Absolutheitsanspruch“, sagte er mit Blick aufs verteufelte Auto und die Bedeutung der deutschen Schlüsselindustrie. Und in der Klimapolitik müsse man Know-how und Chancen nutzen. „Wir müssen so handeln, dass andere Länder zum Nachahmen angeregt werden.“