Michael Terwiesche (FDP) aus Moers: Europa muss Leben einfacher machen

FDP-Kandidat Michael Terwiesche aus Moers : „Europa muss das Leben einfacher machen“

Michael Terwiesche aus Moers geht auf Platz 13 der FDP-Bundesliste in den Europawahlkampf. Er will, dass der Niederrhein mehr aus seiner Nähe zu den Niederlanden macht.

„Ein Niederrheiner für Brüssel“ steht auf dem Faltblatt, mit dem Michael Terwiesche (55) für die FDP in den Europawahlkampf zieht. Damit ist im Grunde alles gesagt und auch ein Manko angesprochen. Der Moerser macht damit gleich klar, woher er kommt, weil das sonst nämlich nicht deutlich wird. Das liegt daran, dass man sein Kreuz bei der Wahl am Sonntag, 26. Mai, nur bei der Bundesliste einer Partei machen kann. Wahlkreise mit für jeden Bürger klar erkenn- und damit auch ansprechbaren Kandidaten für eine Region gibt es nicht. Noch nicht, wenn es nach dem promovierten Juristen Terwiesche geht. Er möchte, dass EU-Wahlkreise eingerichtet werden. Gleichwohl stellt er sich unverdrossen unter den gegebenen Verhältnissen dem Votum. Platz 13 auf der FDP-Bundesliste bedeutet vor dem Hintergrund, dass Deutschland in etwa eine Hundertschaft ins EU-Parlament entsenden kann, dass die Liberalen auch gut 13 Prozent einfahren müssten, damit Terwiesche dabei ist

„Ich habe noch keine Wohnung in Brüssel angemietet“, sagt Terwiesche lachend. Dabei weiß gerade er, was der Spruch „unverhofft kommt oft“ bedeuten kann. Fünfmal hat er schon für den Bundestag kandidiert. Einmal ist, wie er selbst sagt, ein Schnupperkurs dabei herausgekommen: Nachdem Andreas Pinkwart auf sein Mandat verzichtet hatte, rückte Terwiesche 2005 für ihn nach. Wenig später schied er nach der Bundestagswahl im gleichen Jahr auch schon wieder aus. Aktuell ist er stellvertretender Vorsitzender des FDP-Bezirks Niederrhein – von Kleve und Emmerich bis Mönchengladbach und Duisburg.

Was Terwiesche europapolitisch für den Niederrhein bewegen will, lässt sich auf die Nähe zu den Niederlanden konzentrieren. Aus der müsse man mehr machen, sagt er. Zum Beispiel mit freiwilligem Niederländisch-Unterricht an allen Schulen. Und mit einem deutlich zu verbessernden grenzüberschreitenden ÖPNV, seien aktuell doch „halbe Weltreisen“ damit verbunden, per Bus oder Bahn hinüberzukommen. Terwiesche wendet sich klar gegen eine Pkw-Maut. Man dürfe doch nicht diejenigen verschrecken, die bei uns ihr Geld ausgeben wollen. Für Nutzer aus dem Nachbarland geöffnet werden sollten öffentliche Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser. „Europa muss das Leben der Menschen einfacher machen“, sagt der Liberale und findet Europa-Universitäten auf den Grenzen der Mitgliedsstaaten „besonders charmant“.

„Reisen und Auslandsaufenthalte sind das schärfste Schwert gegen Vorurteile“, sagt Terwiesche, der selbst in London geheiratet hat, in Warschau Völkerrecht studierte, in Brüssel einen Teil seiner Ausbildung absolvierte und an der FH Rhein-Waal niederländische Studenten in europäischem Umweltrecht unterrichtet. Terwiesche fragt sich, ob die Brexit-Befürworter wohl wissen, welche Konsequenzen der Austritt für Menschen hat. Sein Patenkind, Sohn eines Deutschen und einer Engländerin, bekommt den in Deutschland arbeitenden Vater nur am Wochenende zu sehen. Die Familie sei nun völlig verunsichert und frage sich, wie es nach einem Brexit weitergehen soll.

Terwiesche gibt ein klares Bekenntnis für Frieden und Zusammenarbeit in der EU ab und stellt fest: „Gerade wir am Niederrhein profitieren von Europa.“ Und das solle von einer hohen Wahlbeteiligung unterstrichen werden.

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