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Mehrhoog: 18-Jährige bemalt Urnen mit unterschiedlichen Motiven

Selin Güler (18) hat Talent : Die Urnenbemalerin von Mehrhoog

Kunstvoll bemalte Urnen sind ungewöhnlich und eine sehr persönliche Sache. Kein Wunder, dass Bestatterin Birgit Bastek aus Mehrhoog froh ist, dass ihre Nichte Selin ihr Talent bei ihr ausleben kann.

(thh) Selin Güler aus Mehrhoog ist 18 Jahre alt und hat eine außergewöhnliche künstlerische Begabung – und ein einzigartiges Hobby. Davon ist auch ihre Tante Birgit Bastek, geprüfte Bestatterin und Inhaberin von Bestattungen Rosenboom in Mehrhoog, begeistert. Sie hat auch damit zu tun, dass Selin Güler ihr Talent an ungewöhnlichen Objekten einsetzen kann, überhaupt erst auf die Idee gekommen ist. Denn Selin ist Urnenmalerin.

     Selin Güler aus Mehrhoog ist 18 Jahre alt und künstlerisch begabt.
Selin Güler aus Mehrhoog ist 18 Jahre alt und künstlerisch begabt. Foto: Selin Güler

Angefangen hat sie mit einer Luftballon-Urne auf besonderen Wunsch für ein verstorbenes Mädchen, das Luftballons liebte. Andere Angehörige wollten gerne Pusteblumen, Vergissmeinnicht oder Katzen für eine Katzenliebhaberin als Motive. „Persönliche Motive, die den Verstorbenen gerecht werden, trösten“, hat Bestatterin Birgit Bastek erfahren. Es gibt auch bemalte Memory-Urnen mit Teelicht, also für kleine Gefäße für zu Hause als dauerhafte Erinnerung. Bei Trauerfällen wird immer häufiger die Urnenbestattung gewählt. Weil die Angehörigen hin und wieder den Wunsch nach persönlichen Motiven äußern, die es so fertig nicht zu kaufen gibt, kam Birgit Bastek eines Tages auf die Idee, ihre talentierte Nichte zu fragen, ob die nicht eine Urne nach Wunsch bemalen könne.

 Das ist die erste von Selin Güler bemalte Urne.
Das ist die erste von Selin Güler bemalte Urne. Foto: Selin Güler

„Am Anfang hatte ich schon ein seltsames Gefühl“, erzählt Selin. Bisher habe sie nur auf Leinwänden Motive für die Familie oder schon mal eine Kinderzimmer-Wand bemalt. „Und man gibt ja im Lebenslauf bei dem Punkt Hobby nicht gerade an: Urnen bemalen. Aber wenn ich einmal in der Gestaltung des Motivs versunken bin, ist die Urne in dem Moment nur ein leerer Behälter“, erzählt die 18-Jährige. Sie sei dann einzig damit beschäftigt, das Motiv bestmöglich auf der Urne umzusetzen. Das hat nicht nur eine künstlerische Dimension, sondern auch eine sehr persönliche für die Trauernden. „Es freut mich sehr“, betont Selin, „dass ich so meine Kreativität ausleben und neue Erfahrungen sammeln kann. Ein wenig macht es mich auch stolz, dass ich bei einem emotionalen und sensiblen Thema einen kleinen Teil zur Trauerbewältigung beitragen darf.“ Zurzeit besucht Selin die zwölfte Klasse des Friedrich-Albert-Lange-Berufskollegs in Duisburg. Ihr großes Ziel: das Abitur erreichen und gleichzeitige ihre Ausbildung zur staatlich anerkannten gestaltungstechnischen Assistentin machen. Am Ende ihrer Realschul-Zeit hatten ihre Lehrer noch bezweifelt, ob der Wechsel in die gymnasiale Oberstufe die richtige Wahl für sie wäre. Selin beweist nun das Gegenteil. Ihre Begabung für Kunst und Gestaltung ist eine enorme Motivation, sie meldete sich an der Schule in Duisburg an. Für die Fächer Gestaltungstechnik, Grafik-Design und Kunst, die es so nur in diesem Bildungsgang gibt, nimmt sie jeden Tag den langen Anfahrtsweg von Mehrhoog bis Duisburg in Kauf.

 Angehörige äußern immer häufiger den Wunsch nach indiviudell bemalten Urnen.
Angehörige äußern immer häufiger den Wunsch nach indiviudell bemalten Urnen. Foto: Selin Güler
 Die Hinterbliebenen einer Katzenliebhaberin haben diese Arbeit in Auftrag gegeben.
Die Hinterbliebenen einer Katzenliebhaberin haben diese Arbeit in Auftrag gegeben. Foto: Selin Güler

Die 18-Jährige hat breitgefächerte Berufsinteressen. Sie kann sich das Lehramt gut vorstellen, weil sie gerne mit Kindern arbeitet – unter anderem als Betreuerin bei den Juke-Ferienspielen in Dingden, die dieses Jahr aber Corona zum Opfer fallen. Das Lehramt-Studium wurde ihr auch von ihrer Duisburger Klassenlehrerin ans Herz gelegt. Selin interessiert sich aber auch für Innenarchitektur sowie die Werbe- und Medienbranche mit all den zeichnerischen und gestalterischen Möglichkeiten. Dann ist da auch noch der Gedanke, eine Zeitlang im Ausland zu arbeiten, da sie zweisprachig in Deutsch und Türkisch aufgewachsen ist.

Im Gespräch wirkt die Begeisterung der jungen Frau ansteckend. Kreativität ist ein guter Ansporn, mit Freude und Engagement im Berufsleben ihren Weg zu suchen und zu finden. Und bis dahin bemalt die junge Frau  Urnen.