Himmel & Erde: Marias Lobgesang

Himmel & Erde: Marias Lobgesang

Superintendent Thomas Brödenfeld befasst sich heute in seiner Kolumne mit dem "revolutionärsten Adventslied, das je gesungen wurde" (Dietrich Bonhoeffer) und das Maria als starke Frau darstellt, sowie mit der umstrittenen Werbekampagne einer Internetgewinnspielseite, die Weihnachten geschmacklos mit einer Kreuzigungsszene verquickt.

Das Magnificat, der Lobgesang der Maria, ist auf ungezählten Bildern dargestellt und in zahlreichen Liedern vertont worden.

In der Darstellung des Lukasevangeliums besucht Maria wenige Tage nach der Verkündigung durch den Engel Gabriel ihre Cousine Elisabeth, die mit Johannes dem Täufer schwanger war. Auf Elisabeths prophetischen Willkommensgruß antwortet Maria mit einem Hymnus im Stil der Psalmen. Es schließt sich die Geburt Johannes des Täufers an. Der Hymnus lässt vielfache Anklänge an den Lobgesang der Hannah, der Mutter des Propheten Samuel, erkennen. Maria preist auf Grund ihres Glaubens Gott als den, der sich ihr und allen Geringen, Machtlosen und Hungernden zuwendet, um sie aufzurichten, dagegen die Mächtigen, Reichen und Hochmütigen von ihren Thronen stürzt. Zugleich ist der Lobgesang der Maria ein wichtiges Glaubenszeugnis auf dem Weg hin zur Geburtsgeschichte Jesu, wie sie uns aus dem Lukasevangelium vertraut ist.

Das Magnificat lässt eine starke und selbstbewusste Frau erkennen, die im Vertrauen auf Gott ihr Leben annimmt und die sich zugleich ganz in die Sache dessen stellt, der die Welt nicht den Gewalttätigen, Despoten und Unterdrückern überlässt, sondern der eingreift und rettet und Gerechtigkeit herstellt.

Dietrich Bonhoeffer hat über das Magnificat einmal geschrieben: "Dieses Lied der Maria ist das leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte fast sagen revolutionärste Adventslied, das je gesungen wurde. Es ist nicht die sanfte, zärtliche, verträumte Maria, wie wir sie auf Bildern sehen, sondern es ist die leidenschaftliche, hingerissene, stolze, begeisterte Maria, die hier spricht ... ein hartes, starkes, unerbittliches Lied von stürzenden Thronen und gedemütigten Herren dieser Welt, von Gottes Gewalt und von der Menschen Ohnmacht."

Welch ein Kontrastprogramm zur erbärmlichen Selbstinszenierung des umstrittenen C-Sternchens Sophia Thomalla, die sich kurz vor Weihnachten für die Werbekampagne einer Internetgewinnspielseite knapp bekleidet an einem Kreuz fotografieren ließ. Unter dem Slogan "Weihnachten wird jetzt noch schöner" wird dabei die Kreuzigung von Jesus nachgestellt. Dabei wird der doch an Karfreitag gedacht.

Der Kritik des deutschen Werberates und der Kirchen an ihren Aufnahmen entgegnet Sophia Thomalla mit der Aussage: "Ich glaube an mich und ich glaube an das Karma." Maria singt im Magnificat: "Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes."

Die geschmacklose Provokation der Sophia Thomalla wird es nicht einmal als Fußnote in die Geschichtsbücher schaffen, das Magnificat der Maria hat die Welt bis heute verändert. Ganz im Sinne dieses Lobgesangs wünsche ich uns allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest! Thomas Brödenfeld

(RP)