Wesel: Lutherhaus-Verwaltung: Abriss geplant

Wesel: Lutherhaus-Verwaltung: Abriss geplant

Weil eine Sanierung des Verwaltungsgebäudes aus den 70er Jahren zu teuer würde, wird die Evangelische Kirchengemeinde den Betonbau mittelfristig aufgeben. Mieter Kirchenkreis sucht neue Räume in der Innenstadt.

Das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Wesel hat auf seiner jüngsten Sitzung eine weitreichende Entscheidung getroffen: Aus Kostengründen und aus wirtschaftlichen Erwägungen hat das Gremium beschlossen, das Verwaltungsgebäude des Lutherhauses an der Korbmacherstraße nicht mehr zu sanieren und instand zu setzen. Das wird zwangsläufig zur Folge haben, dass der auffällige Betonbau aus den 1970er Jahren den in den nächsten vier oder fünf Jahren abgerissen werden muss. Von der Entscheidung natürlich nicht betroffen ist das alte Lutherhaus, das gerade für 180.000 Euro saniert wird (siehe Text rechts), und das angrenzende Familienzentrum Kita Beguinenstraße mit mehreren Wohnungen im Obergeschoss.

Seit Jahren schon wurde in der Evangelischen Kirchengemeinde und im Kirchenkreis Wesel immer wieder intensiv darüber beraten, wie der Verwaltungsbau des Lutherhauses mit den vorhandenen Mitteln saniert werden könnte. Doch nachdem drei Gutachter unabhängig voneinander zu der Überzeugung gelangt sind, dass für Investitionen unter anderem in den Brandschutz und die Dämmung rund fünf Millionen Euro nötig wären, der Gemeinde als Eigentümerin aber maximal zwei Millionen aus Rücklagen zur Verfügung stehen, fiel die Entscheidung für den mittelfristigen Abriss.

In dem einst preisgekrönten Bau, der in sogenannter Skelettbauweise errichtet wurde, gibt es zahlreiche Mängel. Einige Beispiele: Der Sonnenschutz vieler Fenster funktioniert nicht mehr, so dass im Sommer in manchen Räumen Temperaturen von bis zu 30 Grad herrschen. Im Winter dagegen wird es in einzelnen Büros nicht wärmer als 17 Grad. Kopierer müssten eigentlich in eigenen Räumen stehen, Wartebereiche befinden sich zum Teil direkt im Treppenhaus.

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Was nach dem Auszug mit dem Areal passiert, dazu wollten sich am Donnerstag Superintendent Thomas Brödenfeld, der Presbyeriums-Vorsitzende Christoph Kock (Pfarrer an der Friedenskirche in der Feldmark) und Kirchmeister Günter Freßmann nicht konkret äußern. "Wir wissen es einfach noch nicht. Es gibt zwar Überlegungen, aber nichts Konkretes", sagte das Trio und betonte, dass man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Es sei aber beabsichtigt, das Grundstück nicht zu veräußern. Nicht ausgeschlossen, dass dort ein Pflegeheim oder auch Seniorenwohnungen entstehen.

Die 45 Mitarbeiter des Kirchenkreises und der Diakonie brauchen sich nach Auskunft von Thomas Brödenfeld keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen: "Wir werden in der Innenstadt nach einem oder zwei Mietobjekten suchen." Damit wolle man gewährleisten, dass die Angebote der Diakonie (u.a. Ehe- und Familienberatung, Schwangerschaftskonfliktberatung, Schuldner- und Insolvenzberatung sowie Betreuungsverein) für alle gut erreichbar bleiben. Auf der Suche nach geeigneten Räumen will der Superintendet auch die Hilfe von Wesels Wirtschaftsförderer Johannes Opgen-Rhein in Anspruch nehmen.

(RP)
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