Wesel: Löschzug mit turbulenter Geschichte

Wesel : Löschzug mit turbulenter Geschichte

Beim 777. Stadtgeburtstag an diesem Wochenende feiert der Löschzug Stadtmitte sein 150-jähriges Bestehen.

Der Löschzug Stadtmitte der Feuerwehr Wesel hat allen Grund zum Feiern, denn er besteht seit 150 Jahren. Im Rahmen des 777. Stadtgeburtstags wird der Löschzug sein Jubiläum feiern und sich am Sonntag von 11 bis 18 Uhr den Besuchern auf dem Großen Markt präsentieren.

Der Stadtgeburtstag ist nämlich zugleich auch der Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr in Wesel: Sie wurde am 1. Juli 1868 von Friedrich Westermann gegründet. Den drei Kompanien traten damals 114 Männer bei. Den ersten Brandeinsatz hatten die Einsatzkräfte allerdings erst fast drei Jahre später am 11. Januar 1871 in der Krieg- und Tieglerschen Drahtfabrik. Das Feuer konnte damals nicht gelöscht werden, jedoch wurde verhindert, dass es auf die umliegenden Gebäude übergriff.

Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Wehr große Mühe, Nachwuchs zu finden. Erst als die Stadt viel Geld in die Anschaffung einer neuen Ausrüstung investierte, begeisterten sich wieder mehr junge Männer. 1928 musste die Feuerwehr einen Schicksalsschlag verkraften: Auf Schloss Diersfordt verloren drei Männer bei Löscharbeiten ihr Leben.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden zahlreiche Feuerwehrmänner zum Militärdienst eingezogen. Die verbliebenen Einsatzkräfte mussten Tag und Nacht zur Brandbekämpfung ausrücken. Daher wurden auch Jugendliche und Frauen von der Feuerwehr ausgebildet. Während des Krieges schlug eine Bombe in ein Feuerwehrgerätehaus ein. Eine Feuerwehr-Helferin starb, viele Wehrleute wurden verletzt. Schließlich verlor die Feuerwehr im Krieg ihre Geräte und löste sich auf.

Nach dem Krieg erklärten sich 28 Feuerwehrleute bereit, den Dienst wieder aufzunehmen. Das Lagerhaus am Kurfürstenring, das nur noch eine Ruine war, wurde wieder aufgebaut. Dort ist auch heute noch die Feuerwache untergebracht.

Heute ist die Freiwillige Feuerwehr in fünf Löschzüge unterteilt: Bislich, Büderich, Ginderich, Obrighoven-Lackhausen und Stadtmitte. Insgesamt 61 Wehrleute gehören dem Löschzug Stadtmitte an. Alle fünf Züge haben eine Jugendfeuerwehr für Jungen und Mädchen ab 13 Jahren.

Anders als andere Löschzüge hat die Jugendfeuerwehr Wesel laut Löschzugführer Paul Schneider keine Probleme, Nachwuchs zu finden. "Wir haben eher das Problem, dass die Jugendlichen heute ein immenses Freizeitangebot haben", sagt er. Dadurch würden sie die Aufgaben manchmal nicht so ernst nehmen. "Man muss nicht nur eine Uniform tragen, sondern auch Einsatz zeigen", betont er.

Zwischen 50 und 70 Einsätze bewältigt der Löschzug Stadtmitte im Jahr. Die Kräfte sind nicht nur für Löscharbeiten zuständig, sondern unter anderem auch für technische Hilfeleistungen und die Hilfe bei Überflutungen. "Die Grundausbildung ist umfangreicher geworden. Die Leute werden besser geschult als noch vor ein paar Jahren", sagt Schneider. Es komme aber auch vor, dass die Männer wegen einer Katze im Baum ausrücken müssen. "Es ist allerdings noch nie passiert, dass wir tatsächlich eine Katze gerettet haben", sagt Schneider. Die Tiere sind vorher immer geflüchtet.

(a.f.)