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Lockdown: Friseure im Kreis Wesel fürchten illegale Konkurrenz

Nach Verlängerung des Lockdowns : Friseure wegen illegaler Konkurrenz besorgt

Der Obermeister der Friseur-Innung Kreis Wesel, Klaus-Peter Neske, befürchtet durch die Verlängerung des Lockdowns eine Zunahme von Schwarzarbeit. Er fordert Kunden zur Geduld auf und verlangt eine baldige Öffnung der Salons.

Wenn Klaus-Peter Neske in diesen Tagen durch die Straßen geht, ist er nicht selten verwundert. Statt der vielfach verschrienen Corona-Matten sieht er häufig auch frisch gemachte Strähnchen, präzise geschnittene Ponys und top gestylte Kurzhaarfrisuren auf den Köpfen der Menschen. Dabei sind auch die Friseursalons aufgrund der Corona-Schutzverordnung seit dem 16. Dezember geschlossen. Die Zwangspause wurde nun sogar bis zum 14. Februar verlängert. Der Obermeister der Friseur-Innung im Kreis Wesel vermutet, dass illegale Konkurrenz hinter den frischen Haarschnitten steckt und befürchtet durch die erneute Verlängerung des Lockdowns eine weitere Zunahme der Schwarzarbeit. Deshalb ruft Neske nun zusammen mit den Friseurmeistern im Kreis Wesel in einer Kampagne zu mehr Solidarität auf.

Nicht erst seit der hitzig geführten Debatte um Profifußballer, die stets gut gestylt auf den Spielfeldern auflaufen, oder TV-Moderatoren, die allabendlich die Zuschauer gestriegelt begrüßen, vermutet Neske, dass manche Kollegen bei Hausbesuchen zu Schere und Färbe-Set greifen. „Ich bin im ständigen Kontakt mit den Friseuren im Kreis, alle bestätigen mir, dass sie immer wieder frisch frisierten Leuten begegnen.“ Konkrete Verdächtige kann Neske nicht benennen. Er verdeutlicht aber, dass Hausbesuche ebenso illegal wie geschäftsschädigend seien. Der Lockdown betrifft nämlich nicht den Ort, an dem die Haare geschnitten werden, er betrifft die Dienstleistung selbst. Grund dafür ist die Nähe zum Kunden, die ein Infektionsrisiko birgt.

Was den Obermeister ärgert: „Die ganze Branche leidet unter den Geschäftsschließungen“, sagt Neske. „Es kann nicht sein, dass da einige die Krise ausnutzen, um schnelles Geld zu verdienen.“ Von einer Insolvenzwelle unter den Salons will Neske nicht sprechen. Doch die Luft werde dünner, gerade in Anbetracht der erneuten Lockdown-Verlängerung, und weil viele Kollegen auf ihre Corona-Hilfen oder das Überbrückungsgeld warten müssten. „Schwarzarbeit kann da aber nie der richtige Weg sein“, betont Neske. Er selbst habe ebenfalls zig Anfragen bekommen – angefangen bei Stammkunden bis zu losen Bekannten aus dem Sportverein –, ob es nicht doch möglich sei, privat die Haare zu schneiden. Allen erteilte Neske eine Absage. Nun appelliert er an die Solidarität – unter den Friseuren sowie den Kunden gegenüber dem Handwerk.

Neske sieht die illegale Konkurrenz aber auch aus einem zweiten Grund kritisch: „Wir haben als Friseure alle Forderungen an Hygiene und Abstand erfüllt, allen Kunden obligatorisch die Haare gewaschen, Schutzausrüstung getragen, uns nach jedem Kontakt die Hände desinfiziert, Listen für die Kontaktnachverfolgung geführt und und und.“ In den bundesweit 80.000 Betrieben habe es nur sechs gemeldete Fälle von Covid-19 gegeben, so Neske. „Trotzdem mussten wir unsere Salons schließen.“ Der Obermeister bezweifelt, dass bei den verbotenen Hausbesuchen ebenso stark auf Schutzmaßnahmen geachtet werde. „Das erfordert viel Disziplin, und die meisten werden gar nicht über die entsprechende Ausrüstung verfügen.“ Das damit einhergehende erhöhte Infektionsrisiko könne nicht im Sinne der Politik sein.

Der Friseur-Obermeister glaubt, mit einer Corona-konformen Öffnung der Betriebe die Situation entschärfen zu können. Deshalb hat er im Zuge der Solidaritäts-Kampagne auch alle Bürgermeister aus dem Kreis sowie die Landtagsabgeordneten angeschrieben. „Der Friseurbesuch kann ja streng geregelt werden, mit noch größeren Abständen und einer maximalen Verweildauer der Kunden“, so Neske. „Hauptsache, es rollt wieder was an.“

Nach seiner Einschätzung müsste man auf Strähnchen und Dauerwellen wegen der langen Prozedur wohl verzichten, Rasuren wären wegen der Nähe nicht möglich. „Aber wenn wir zumindest wieder waschen, schneiden, föhnen dürften, wäre es für alle hilfreich“, so Neske. „Der Bedarf ist ja offenbar groß.“

In der Hoffnung auf eine Lockerung des Lockdowns hatte Neske bereits Termine angenommen, um sie besser koordinieren zu können. Nun muss er umplanen. Die Resonanz war riesig. „Friseure sind eben systemrelevant.“