Wesel: Lippe-Umbau geht auf die Zielgerade

Wesel: Lippe-Umbau geht auf die Zielgerade

Anfang nächsten Jahres soll die Lippe-Verlegung abgeschlossen sein. Die Hälfte der bremsenden Staustufe ist fertig.

Wäre alles nach Plan gelaufen, hätte das Großprojekt "LippeVerlegung" in diesen Tagen beendet werden können. Doch kam dem Lippeverband und der Weseler Kiesfirma Hülskens im Frühjahr unter anderem ein Hochwasser in die Quere. Und so sieht es aus, als könnte das Projekt erst Anfang kommenden Jahres abgeschlossen werden.

Hülskens-Baumaschinen sind derzeit damit beschäftigt, diesen Damm abzutragen, um das Bett der neuen Lippe zu verbreitern. Foto: Malz

Autofahrer, die von der B 58-Brücke Richtung Rheinpromenade schauen, können schon seit Wochen rege Bautätigkeiten unweit der Mündung der Lippe in den Rhein beobachten. Dort hat ein Baggerschiff ein Bassin ausgehoben, das Teil der sogenannten Sohlgleite ist, die 1,4 Millionen Euro kosten soll.

Diese Art Staustufe, die in das Bett der Lippe eingelegt wird und aus rund 12 000 bis zu 800 Kilogramm schweren Steinen besteht, ist der wesentliche Schlusspunkt für die Lippe-Verlegung samt Neuanlage einer naturnahen Auenlandschaft und bereits zur Hälfte fertig. Ohne die bremsende Wirkung der gut 64 Meter langen und 45 Meter breiten Sohlgleite würden das neu angelegte Flussbett und seine vom Hochwasser überflutete Aue innerhalb von zwei Jahren abgetragen, erklärt Michael Steinbach, Pressesprecher des Lippeverbandes mit Sitz in Essen.

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Der Damm, der derzeit noch zwischen besagter Bassin-Baustelle und der Lippe steht, wird nach Fertigstellung der Sohlgleite komplett abgetragen. Danach wird die Lippe in Richtung Rhein "aufgeweitet", wie Projektleiterin Dörte Borchardt bei einem Rundgang über die Baustelle erklärt. Abschließend werde die Sohle des alten Lippe-Bettes oberhalb von 2,75 Meter angehoben und verbreitert, so dass der Fluss auch hier flach wird. In diesem Zusammenhang weist die Projektleiterin darauf hin, dass man zu Beginn und zum Ende der Sohlgleite einen Ein- beziehungsweise Ausstieg für Kanuten errichten werde. "Die Wassersportler werden ihre Boote an der Umtrage dann gut 150 Meter entlang der Sohlgleite durch ein Gebiet tragen, das an 60 Tagen im Jahr ein Auegebiet sein wird", so Borchardt. Eine von Ruderern wegen ihrer empfindlichen Boote gewünschte Bootsgasse scheiterte in der Planung an den Kosten und an einem Bodendenkmal.

Zur Erinnerung: Im Rahmen des Mammutprojekts samt Auskiesung und naturnaher Neugestaltung mit Retentionsflächen fürs Hochwasser ist der Verlauf der Lippe komplett verändert worden. Das dient der Ökologie und der Ökonomie gleichermaßen: Einerseits ist die Lippeaue ein hochwertiges Biotop, was man schon sehr gut am zunehmenden Artenreichtum erkennen kann. Zu den Tieren, die dort — wenigstens vorübergehend — ideale Lebensbedingungen vorgefunden haben, gehören beispielsweise Offenlandbrüter wie Kiebitz, Flussregenpfeifer und Flussseeschwalbe. Zudem wird der nötige Platz geschaffen für die künftige Trasse der B 58-Südumgehung, die sich unmittelbar an die neue Rheinbrücke anschließen wird. Wann die Trasse gebaut wird, dazu kann Borchardt nichts sagen: "Damit haben wir nichts zu tun. Das ist Sache von Straßen NRW."

Ungeklärt ist auch die Frage, wann der angedachte Rad- und Wanderweg um den Mündungsbereich gebaut wird und in welcher Form Ausflügler dort über das Projekt informiert werden sollen.

(RP)
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