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Letzte Ruhestätte für Tiere: Besuch im Tierkrematorium in Wesel

Besuch im Tierkrematorium : Eine letzte Ruhestätte für Vierbeiner in Wesel

In der Einrichtung in Lackhausen können sich Menschen würdevoll von ihren treuen Begleitern verabschieden. Rund 15.000 verstorbene Haustiere kommen pro Jahr hierher – vom Hund bis zum Hamster.

Hund, Katze oder Wellensittich sind für viele Menschen viel mehr als ein Hobby. Sie sind echte Familienmitglieder geworden. Das zeigt sich auch nach dem Tod der zwei- und vierbeinigen Begleiter: Immer mehr Halter möchten nicht, dass ihr Liebling in die kalte Erde gelegt wird, sagt Martin Tepaß vom Weseler Tierkrematorium. Nach dem Lebensende eines tierischen Hausgenossen entscheiden sich nicht wenige „Hinterbliebene“ für eine Einäscherung: Rund 15.000 verstorbene Haustiere kommen pro Jahr in der Lackhausener Einrichtung an – vom Hund bis zum Hamster.

Wer sich unter einem Tierkrematorium eine nüchterne Tierkörperbeseitigungsanlage vorstellt, liegt völlig daneben. Eine freundliche Dame empfängt die Besucher, leise Musik spielt im Hintergrund. In den Regalen stehen Urnen in vielen Farben und Formen: Mit Herzen oder glitzernden Steinchen verziert, ganz schlicht aus Steingut oder sogar als Bilderrahmen, in denen sich die Asche diskret im Holz versteckt daheim aufbewahren lässt. Wer hierher kommt, der möchte den Körper seines Tieres nicht einfach loswerden, sondern sucht eine liebevolle Möglichkeit, sich von seinem treuen Begleiter zu verabschieden. Zwei dezent eingerichtete Räume stehen dafür bereit. Dort können die Besitzer die letzten Minuten mit ihrem auf einer weichen Auflage gebetteten Tier verbringen, bevor es zur Verbrennung gebracht wird. Die meisten brauchen dafür einige Minuten.

Doch Martin Tepaß hat auch schon außergewöhnliche Zeremonien erlebt. Wie die Gruppe aus Braunschweig zum Beispiel, die vor einigen Jahren mit 17 Personen inklusive Orchester im Bus angereist ist, um einen Hund zu verabschieden. Gut drei Stunden blieb die Gruppe, erinnert sich der Leiter der Standortentwicklung. Das wäre heute gar nicht mehr möglich, denn die Auslastung des Tierkrematoriums hat stetig zugenommen, in den letzten fünf Jahren etwa um ein Drittel. Pro Schicht werden rund 20 bis 30 Tiere eingeäschert. Die Mitarbeiter sind täglich in zwei Schichten aktiv, an zwei bis drei Tagen sogar in drei Schichten rund um die Uhr. „Die Leute möchten, dass es dem Tier auch nach dem Tod gut geht und dass es einen würdigen Abschied bekommt“, erklärt der Weseler, der seit 16 Jahren im Tierkrematorium tätig ist, worauf es ankommt.

Was die Besitzer darunter verstehen, ist sehr unterschiedlich. Einige machen von dem Angebot Gebrauch, ihren Liebling bis zum Ofen zu begleiten und nach ein bis zwei Stunden – so lange braucht es zum Beispiel bei einem Hund – wieder dabei zu sein, wenn die Asche aus dem Feuer geholt wird. Andere lassen sich die Urne per Post schicken.

Die Spanne reicht von der Sammelkremierung mit mehreren Tieren für 90 Euro bis zum Premiumangebot für bis zu 350 Euro für einen großen Hund. „Was die Leute anschließend mit den Urnen machen, entscheiden sie selbst“, erzählt Martin Tepaß. Er weiß von Tierhaltern, die die Asche ihres Lieblings im Garten beerdigen, im See oder auf dem Meer verstreuen – oder sie sogar in einer dekorativen Outdoor-Urne aus Keramik im Garten aufbewahren. Sehr beliebt, schildert er, sind derzeit biologisch abbaubare Urnen, die sich beispielsweise im Wasser in wenigen Minuten auflösen.

Eine weitere Möglichkeit, die Überreste zu bestatten, befindet sich im Garten hinter dem Krematorium. In einem runden Streubeet können Herrchen und Frauchen die Asche ihres Tieres – die übrigens grobkörniger ist als die Bezeichnung es vermuten lässt – verstreuen lassen. Die vielen Grablichter, Engelsfiguren und Fotos ähneln denen auf einem menschlichen Friedhof – nur, dass hier Tiere abgebildet sind. Eine liebevoll dekorierte Gedenkstätte, die täglich von einigen trauernden Tierbesitzern besucht wird.

Meist sind es Hunde und Katzen, die den letzten Weg im Weseler Tierkrematorium antreten, rund zehn Prozent machen aber auch Kleintiere und Reptilien aus, berichtet Martin Tepaß. Und sogar ein sehr prominentes Tier hat Lackhausen in einer Urne verlassen: Krake Paul, das Orakel der Fußball-WM 2006, wurde hier nach ihrem Ableben eingeäschert – öffentlichkeitswirksam begleitet von einem TV-Team.

So viel Aufmerksamkeit ist in dem 2005 eröffneten Betrieb aber die Ausnahme. Die meisten Menschen wollen ihr Tier unbeobachtet einäschern. Und Martin Tepaß plant ein weiteres Angebot: Das Unternehmen Cremare, das derzeit drei Tierkrematorien in Deutschland betreibt, möchte zwei Anlagen für Pferde errichten, eines davon bevorzugt in der Nähe von Wesel. Das Genehmigungsverfahren ist jedoch kompliziert – für den Weseler Betrieb dauerte es rund 13 Jahre.

(rme)