Lesung von Anne Gesthuysen in Hammnkeln fast reine Frauensache

„Mädelsabend“ : Lesung mit Anne Gesthuysen – fast reine Frauensache

350 Gäste wollten hören, was die Autorin vom Niederrhein über die Frauen ihrer Heimat zu berichten weiß – eine muntere Veranstaltung.

Sie kennt das: Zu ihrem „Mädelsabend“ kommen fast nur Frauen, und so hat Anne Gesthuysen einen amüsanten Einstieg in ihre Lesung kreiert. Im dicht gefüllten Forum der Hamminkelner Gesamtschule sucht sie nach den „Helden“, die sich in der Schar der rund 350 Zuhörerinnen verkrochen hatten, um dann eine Runde durch den Saal zu drehen und den zehn Aufrechten dann persönlich die Hand zu schütteln.

Die routinierte Medienfrau - Journalistin, WDR-Moderatorin und als Ehefrau von Frank Plasberg („Hart aber fair“) mit einem gewissen Promi-Status versehen – hatte die Lacherinnen gleich auf ihrer Seite. In gelöster Stimmung konnte es weitergehen, wobei Anne Gesthuysen nicht nur ihren Heimvorteil als Niederrheinerin aus Alpen-Veen ausspielte, sondern auch den Ruf als Quasselstrippe mit Humor erfüllte.

Der Förderverein der Stadtbibliothek war anfangs weniger gelöst, mussten die Aktiven doch mächtig Stühle nachschleppen. Dafür hatten sie das Glücksgefühl von Riesenresonanz und enormer Werbung für Hamminkelns kleine Bücherei. Die hat übrigens eine neue Leiterin. Ingrid Keiten nutzte die Gelegenheit, sich kurz vorzustellen.

Der Roman „Mädelsabend“ erzählt eine Familiengeschichte in der Nachkriegszeit, die eher Geschichten über Frauen sind, mal starke, mal gefügige, immer aber von ihrer Zeit geprägte Menschen. Von den 50er-Jahren bis ins Deutschland der Gegenwart reicht die Zeitspanne, der Drei-Generationen-Haushalt ist ein Ort, der grandios zur Form der episodenhaften Erzählung passt. Anne Gesthuysen entnimmt viel ihrer persönlichen Familiengeschichte, die sie romanhaft verarbeitet und teils an den Niederrhein adaptiert. Dazu freute in Hamminkeln, dass viele Handlungsorte gut bekannt sind. „Von Veen kann man nach Hamminkeln spucken“, kitzelte Anne Gesthuysen das Heimatgefühl.

Zum Beispiel, wenn sie die Großeltern Ruth und Walter, die im Seniorenheim Burg Winnenthal am Niederrhein leben, sowie die Enkelin Sarah und ihren Mann Lars ins Zentrum rückt. Zwischen den Senioren entwickelt sich eine späte Emanzipationsgeschichte. Walter möchte zurück in seine gewohnte Kate in Bönninghardt, Ruth lebt auf im frauendominierten Heim und nimmt alles wahr, was das Leben bereichert. Auch die Lebensprobleme der Enkelgeneration stellt Anne Gesthuysen in einer Welt großer Freiheiten und Möglichkeiten realistisch erzählend dar. Das alles ist auch stimmungsvoll, lustig bis schwarzhumorig, aber nicht wirklich bewegend. „Der Roman soll auch schön sein, sagt meine Lektorin. Deshalb gibt es darin auch Frauensolidarität“, erzählt die Autorin. Solch ein Buch ist schließlich auch ein Produkt, das erfolgreich sein soll. Anne Gesthuysen kann die unterhalterische Note spielen, zum Beispiel wenn sie dem Endivienuntereinander gewohnten Provinzler Walter ein paar Chilischoten unter die Kartoffeln mischt. Eine heiße Sache.

Und dann erzählt sie, wie sie zur Überraschungserfolgsautorin geworden ist. „Romanautorin war mir nicht in die Wiege gelegt.“ Sie habe einst einen Verlagsanruf bekommen, ihre Familiengeschichte aufzuschreiben. Und deshalb sei es so, dass sie ihre Geschichte „runterschreibt“, dann das Ringen mit der Lektorin beginnt. Viel wird nachgebessert und umerzählt, immer aber schreibt Anne Gesthuysen über das echte Leben, das sie kennt und zu dem sie generationenübergreifend recherchiert. Der Erfolg gibt der gebürtigen Niederrheinerin recht. Der führte sie bis auf Platz eins der Bestsellerliste. „Und jetzt mein drittes Buch, ich kann’s kaum glauben“, sagt sie.

(thh)
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