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Lehrerhaus in Dingden bekommt neues Dach nach alter Handwerks-Tradition

Altes Lehrerhaus in Dingden : Ein Dach nach alter Handwerks-Tradition

Für das alte Lehrerhaus lernen Heimatverein und Dorfentwicklungsgruppe Dingden das Handwerk der Poppenmacher. Wie Strohgebinde entstehen und damit das Dach des Denkmals ausgebaut wird, zeigt den Aktiven ein Fachmann.

Gemeinschaft wird im Dorf Dingden großgeschrieben. Das Projekt altes Lehrerhaus, ein Denkmal mit Potenzial, ist Beispiel dafür. Jetzt legten Aktive des Dorfentwicklungs- und des Heimatvereins Hand an, um den Aufbau des neuen Dachs vorzubereiten. Dafür lernten sie wie Strohdoggen, auch Docken genannt, gebunden werden. Sie dienen als Unterlage und Dichtung von Dachpfannen, die wiederum nach klassischem Muster gebrannt wurden. Vor dem Heimathaus türmten sich die Strohgarben, in der heißen Mittagssonne saßen die Helfer unter Sonnenschirmen, banden und schnitten die Doggen schon nach kurzer Zeit auf gekonnte Weise. Ihr Lehrmeister war von der linken Rheinseite, genau aus Körrenzig bei Jülich, an die niederrheinisch-westfälische Schnittstelle gekommen, um die alte Tradition vorzuführen.

 Stroh und Ziegel ergänzen sich, Fachmann Franz-Willi Sodekamp zeigte es der Gruppe.
Stroh und Ziegel ergänzen sich, Fachmann Franz-Willi Sodekamp zeigte es der Gruppe. Foto: Thomas Hesse

Franz-Willi Sodekamp hatte extra ein Gestell mit Dachpfannen und Doggen mitgebracht. Er setzte auf den Vorführeffekt, zeigte, wie der Strohunterbau dicht und fest zwischen Dachlatten und Hohlpfannen platziert wird. Zuvor hatte er die Doggen – das Material muss eine bestimmte langstielige Roggensorte sein – auf die gewünschte Länge gebracht. Dazu wird das „Böttchen“ in die Schneidelade, ein wie ein Brotschneider konstruiertes Gerät, gelegt, dann mit ganzer Körperkraft der lange Hebel mit der Klinge niedergedrückt und das Bündel auf Wunschformat gekappt. Die Klinge zeigt erst Wirkung, wenn die Halme fest zusammengepresst sind. Das klingt nach Anstrengung und Kraftakt, ist es auch, hat aber viel mit geübter Technik zu tun. Bevor es losging musste Roggenstroh in die Holzdreschmaschine. Der Schweiß in der Mittagssonne floss jedenfalls.

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Die anstrengende Arbeit dient nicht nur dem Erhalt handwerklicher Tradition, das Ergebnis zeigt auch, dass alte Methoden wirken. „Die Isolation durch das Stroh ist sehr gut. Die Deckung hält 30 bis 35 Jahre“, berichtete Franz-Willi Sodekamp. Hildegard Kösters und Agnes Küppers von den Dorfentwicklerinnen freuten sich über die Unterstützung des „Poppenmachers“. Sodekamp setzt damit im Nebenerwerb eine Familientradition fort. Das, was sein Großvater angefangen und sein Vater dann übernommen hat, führt er als altes Handwerk weiter.

Das ist übrigens nicht ganz so einfach, was das Rohmaterial betrifft. Stroh der langen Sorte, auch noch den langstieligen Roggen und dann auch noch zu dieser Jahreszeit zu bekommen, hat etwas Detektivisches an sich. Erst im Bremer Umland wurde man fündig und war froh, die Aktion starten zu können. 1800 Doggen werden nun gefertigt, entsprechend kommen 1800 Ziegel aufs historische Dach. Es ist wichtig, noch in diesem Jahr mit der Restaurierung des Lehrerhauses zu beginnen, weil das zu den Fördergeldbedingungen gehört. Insgesamt eine Million Euro werden in die Rettung des Hauses gesteckt. Auch der Landschaftsverband Rheinland als Geldgeber war bei der Strohdoggenaktion dabei.

Wie sieht es insgesamt mit dem Projekt altes Lehrerhaus aus? Die Fördergelder sind bewilligt, die Auftragsvergabe für die Handwerker läuft, die Architektenplanungen sind vorangeschritten.