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Kreis Wesel: Landwirte wollen dem Kiebitz helfen

Kreis Wesel : Landwirte wollen dem Kiebitz helfen

Vor acht Jahren gab es noch rund 20.000 der Feldvögel in NRW - die Zahl hat sich bis heute halbiert. Der Kreis Wesel und die Biostation haben unter den Windrädern in Veen nun "Insellösungen" zum Schutz der Kiebitze vorgestellt.

"Kiju-wit" - zwei Klänge vom Himmel übertönen die Gruppe am Boden. Die Blicke gehen hoch, wo der Sender der Rufe, ein kleiner Feldvogel, in die Ferne abdreht. Das glänzend dunkle Federkleid, die paddelförmigen Schwingen und der schwarz-weiße Bauch lassen keine Zweifel: Der Kiebitz ist auf der Balz. Der aus dem Süden heimgekehrte Vogel fühlt sich wohl im Schatten der drei Veener Windräder an der Dickstraße, wo Bernd Finke, Biologe bei der Unteren Landschaftsbehörde Kreis Wesel, und Thomas Traill von der Biologischen Station mit Landwirten das frisch aufgelegte Schutzprogramm für vom Aussterben bedrohte Feldvögel erörtern.

Der markante Haubenkopf ist eine der bekanntesten Arten aus der Gattung der Bodenbrüter, die auf Äckern brüten und deren Gelege leicht unter die Räder gelangen, wenn der Bauer im März seine Felder bestellt. Wenn's dem Kiebitz gut geht, gilt das auch für die Feldlerche oder die Schafstelze. Doch weit größere Gefahr droht in der Nacht von Füchsen und tagsüber aus der Luft von der räuberischen Saatkrähe, sagen die Landwirte.

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Die Zeit drängt. Spätestens Anfang April beginnt der Kiebitz zu brüten. Gerne auf noch unbestellten Mais- oder Rübenäckern. Der Raum Veen gilt im Kreis Wesel als sein bevorzugter Aufenthaltsort. Daher hat Bernd Finke unter die Windräder geladen, um das zunächst für ein Jahr aufgelegte Landesprogramm zum Schutz der Feldvögel vorzustellen, das mit den Landwirtschaftsverbänden abgestimmt worden ist.

Ziel der Naturschützer ist es, im Schulterschluss mit den Landwirten den landesweit stark dezimierten Bestand an Feldvögeln wieder auf einen verträglichen Stand zu bringen. Noch vor acht Jahren habe es der Kiebitz in Nordrhein-Westfalen auf rund 20.000 Brutpaare gebracht. Die Zahl habe sich inzwischen halbiert. Die Intensivierung der Landwirtschaft, so Traill, und die veränderten Landschaftsstrukturen seien Gründe für den signifikanten Rückgang. Vor allem Jungvögel litten unter dem geringen Nahrungsangebot aufgrund eines eklatanten Mangels an Insekten. Aber weil brütende Kiebitze von den feuchten Wiesen auf oft ungeschützte, offene Äcker ausgewichen seien, drohen die größten Gefahren von der Natur selbst.

Die Bauern, so Kreislandwirt Wilhelm Neu, seien weiter bereit, ihren Beitrag zu leisten, das Brutgeschäft der Kiebitze zu erleichtern, um die Verluste so gering wie möglich zu halten. Grundlage einer gedeihlichen Kooperation müsse aber "die Freiwilligkeit" sein. Das sieht auch das Landesprogramm vor. Landwirte, die daran teilnehmen möchten, müssen sich vertraglich verpflichten, die Bewirtschaftung von Teilflächen von 0,5 bis zwei Hektar, auf denen mindestens drei Brutpaare ausgemacht worden sind, ruhen zu lassen. Das wird mit bis zu 1437 Euro pro Hektar entschädigt. Bislang habe im Kreis Wesel ein Landwirt in Hamminkeln-Dingden einen Vertrag unterzeichnet, so Finke. Aber das Programm sei auch gerade erst angelaufen. "Die Vertragsvordrucke sind noch druckfrisch", so Finke.

Auch ohne Vertrag geht's. "Insellösungen" versprechen ein verträgliches Nebeneinader von Natur und Landbau. Bauern, die Kiebitz-Gelege entdecken, werden gebeten, diese fünf Meter vor und hinterm Nest mit Bambusstangen, die oben möglichst farbig sein sollen, zu markieren. So könnten die Gelege bei der Feldbearbeitung leicht ausgespart werden. "Die Stangen dürfen nur fingerdick sein", so Traill, "so dass sie sich nicht als Startrampen für Zugriffsvögel anbieten."

Da greifen die erfahrenen Landwirte vor Ort ein. "Krähen sind das Hauptübel", sagt Alpens Ortslandwirt Alfred Holland. Der muss genau so wenig wie seine Berufskollegen unter den Windriesen nicht erst für den Kiebitz-Schutz gewonnen werden. "Mir hat mein Vater schon von Kindesbeinen an beigebracht, bei der Feldarbeit auf Kiebitz-Gelege zu achten", so Holland. Wie Senior-Landwirt Heinz van Beek und Anwohner Dieter Dames ist aber der Ortslandwirt skeptisch gegenüber allen bürokratischen Versuchen, die Natur zu schützen.

Van Beek plädiert: "Es geht nur im Miteinander. Sprechen Sie uns direkt an, das funktioniert am besten." www.kreis-wesel.de/de/themen/kiebitz-und-feldvogelschutz/

(RP)