Land verstärkt Suche nach Niederrhein-Wolf

SCHERMBECK/HÜNXE : Land verstärkt Suche nach Wolf

Bei den Rissen von Schafen in der Region Schermbeck/Hünxe handelt es sich längst nicht mehr um Einzelfälle. Eine Züchterin berichtet jetzt von rund 20 Fällen seit April im Raum Gahlen und Hünxe.

Treibt ein Wolf oder ein bissiger Hund im Raum Schermbeck / Hünxe sein Unwesen? Diese Frage treibt Schafzüchter und Behörden um. Seit Mitte April gab es hier 20 Vorfälle, bei denen Schafe gerissen wurden. Die Fälle sind verschieden gelagert. Das Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) geht aber inzwischen davon aus, dass es in Schermbeck einen so genannten standorttreuen Wolf gibt. Also einen Wolf, der sich dort niedergelassen hat. Daher werden Mitarbeiter des Lanuv hier jetzt Wildkameras aufgestellt. Zudem will man Kontakt zu Schäfern und Jägern aufnehmen und bitten, möglichst viele Proben zu sichern, die auf einen Wolf hindeuten. Wichtig seien gute DNA-Spuren, um einen Individualisierung des Wolfes zu bekommen. Im Klartext: Um festzustellen, ob es sich um ein Exemplar handelt und vielleicht schon an anderen Orten registriert wurde.

Klar ist, dass die Schafhalter beunruhigt sind. „Man fährt morgens schon mit einem komischen Gefühl raus zur Weide und zählt erst einmal die Tiere nach“, berichtet Christiane Rittmann. Die Hobbyzüchterin hält ihre Schafe auf einer Weide in Gahlen. Dort fand sie am 28. August fünf tote Tiere und zwei schwer verletzte Schafe (wir berichteten). Die Tiere hätten einen Kehlriss gehabt. Mitarbeiter des Lanuv seien auch vor Ort gewesen und hätten DNA-Proben genommen. Bis die Ergebnisse vorliegen, werde es aber etwas dauern. Selbst per Eilprobe sollen die Ergebnisse erst in zwei bis drei Wochen vorliegen.

In ihrer Umgebung sind in den vergangenen Tagen mehrere Fälle bekannt geworden. Erst am Sonntag war noch in Hünxe, nur sieben Kilometer entfernt, ein Lammbock gerissen worden.

Auch wenn die DNA-Analyse noch nicht vorliegt, gibt es bereits eine pathologische Untersuchung der Kadaver. „Danach gehen wir davon aus, dass ein Hund dafür verantwortlich ist“, sagt Lanuv-Sprecher Wilhelm Deitermann. Darauf würde auch hindeuten, dass so viele Schafe gerissen wurden. „Ein Wolf tötet immer nur so viele Tiere wie er zum Fressen braucht“, sagt Deitermann. In Schermbeck-Hünxe gebe es eher Hinweise darauf, dass hier ein Hund im Blutrausch unterwegs ist.

Bei Christiane Rittmann ist auch im Juli ein Schaf gerissen worden. Das Tier sei komplett ausgeweidet gewesen, ein Hinterlauf sei abgerissen, es habe wie auf einem Schlachtfeld ausgesehen. Auch den Vorfall meldete sie, der Wolfsberater kam auch raus. Weil es allerdings so heiß war, hätte man keine taugliche DNA sichern können. Vom Lanuv habe es damals die Auskunft gegeben, dass das Tier von einem Hund gerissen wurde. Ende April war bei ihr auch ein Lamm verschwunden, zurück blieb nur ein Bein. „Damals haben wir das gar nicht gemeldet“, berichtet Christiane Rittmann.

Bei einem Fall ganz in ihrer Nachbarschaft steht seit Mittwoch aber auch offiziell fest, dass ein Wolf für die Tötung verantwortlich ist. Per Pressemitteilung teilte das Lanuv mit, dass eine Speichelprobe, die am 8. August von einem gerissenen Kamerunschaf genommen wurde, eindeutig von einem Wolf stammt.“Angaben zur Herkunft des Wolfs, zum Alter oder Geschlecht können aufgrund der bisher vorliegenden Laborergebnisse noch nicht gemacht werden. Weitere Analysen sind derzeit beim Senckenberg Institut in Bearbeitung“, heißt es. Der Schafhalter wurde informiert, er kann jetzt eine Entschädigung bekommen.

Die Schafhalter versuchen, sich gegen das wilde Tier zu schützen. Christiane Rittmann holt nachts einen Teil der Schafe rein, zur Sicherung auf der Weide hat sie einen zusätzlichen zweiten Zaun aufgestellt. Schafhalter kritisieren, dass das Lanuv sich bei Auskünften zurückhalte. Auch Christiane Rittmann würde sich wünschen, dass der Informationsfluss zwischen der Behörde und den Betroffen verbessert würde.

(zel)
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