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Krise im Stadtelternrat Wesel

Streit im Gremium : Krise im Stadtelternrat Wesel

Die Schulpflegschaft der Gesamtschule will nicht mehr dem Stadtelternrat angehören. Es soll internen Streit um „Verlautbarungen“ gegeben haben. Der Austritt ist auch eine Spätfolge des Konflikts um die neue Gesamtschulgründung.

Vor fast genau einem Jahr stritten Schulpolitiker und einige Eltern in einer denkwürdigen Ausschusssitzung um die Ausrichtung der Schulentwicklung in Wesel. Die Sitzung eskalierte, es kam auch zu Beschimpfungen der Politik aus dem Publikum. Fast ein Jahr später zeigt sich, dass der Stadtelternrat in wichtigen schulpolitischen Fragen nicht einheitlich agiert. Am Dienstag, kurz vor Mitternacht, teilte Daniela Krasch als Vorsitzende der Schulpflegschaft der Gesamtschule Lauerhaas mit, dass ihre Schulpflegschaft „mit sofortiger Wirkung“ nicht mehr Mitglied des Stadtelternrats sein werde. Von „andauernden Differenzen“ ist in der Stellungnahme die Rede. Entstanden seien diese Differenzen insbesondere aus den öffentlichen Mitteilungen des Stadtelternrates. Die sollen nicht immer im Interesse der Gesamtschuleltern gewesen sein.

Vorsitzende des Stadtelternrates ist Ulrike Freund, Vertreterin der Schulpflegschaft des Konrad-Duden-Gymnasiums. Sie reagierte am Mittwochnachmittag ebenfalls mit einer Pressemitteilung. Darin heißt es: „Der Vorstand des Stadtelternrats Wesel bedauert den Austritt der Elternschaft der Gesamtschule aus dem Stadtelternrat.“ Der Stadtelternrat sei der Interessensvertreter der Anliegen aller Eltern an den Schulen in städtischer Trägerschaft gegenüber Politik und Verwaltung. Die Interessen einer bestimmten Schule wiederum könnten nur von der einzelnen Schulpflegschaft vertreten werden.

Die Lage ist verfahren. Öffentlich wollte sich aber weder die Stadtelternratsvorsitzende Ulrike Freund noch Daniela Krasch zu den Hintergründen äußern. Aktuelle Stellungnahmen des Stadtelternrats auf dessen Internetseite gibt es seit November nicht mehr.

Tatsächlich hatte sich Ulrike Freund in der Vergangenheit häufiger als Kritikerin des Weseler Linksbündnisses gezeigt, das als Befürworter der Gesamtschule gilt. Indirekt hatte sich Freund damit auch nach Ansicht von Gesamtschuleltern der Vorgabe widersetzt, für alle Schulen zu sprechen. Freund hatte im Mai vergangenen Jahres etwa kritisch hinterfragt, wie sich die Gründung der zweiten Gesamt­schule auf die Weseler Schullandschaft auswirken würde. Vor einem Jahr hatte sie gemutmaßt, dass ein Gymnasium sterben werde, wenn eine weitere Gesamtschule gegründet wird. „Sie sollten sich schämen, wie Sie die Schullandschaft zugrunde richten“, hatte Freund damals in Richtung des Linksbündnisses gesagt. Diese Polarisierung hat schon damals manchem Elternteil der Gesamtschule nicht gefallen.

Und doch: Der jetzige Schritt der Gesamtschulpflegschaft überrascht: Die Weseler Elternschaft spricht in Schulfragen nun nicht mehr mit einer Stimme. Perspektivisch kann das Zerwürfnis auch zu Konflikten im Gremium führen. Daniela Krasch jedenfalls erklärte, dass ihre Schulpflegschaft zukünftig die Belange der Elternschaft eigenverantwortlich vertreten möchte. Der Stadtelternrat hat eigentlich einen Sitz im Schulausschuss, kann dort die Belange der Eltern vertreten. Ulrike Freund sieht es als großen Erfolg, dass dieser Sitz erreicht wurde. Kurios: Ausgerechnet in der nächsten Sitzung des Schulausschusses wird nun auch Daniela Krasch als Mitglied vereidigt. Allerdings auf dem Ticket der evangelischen Kirche als beratendes Mitglied. Stadtelternratschefin Ulrike Freund sagt: „Sie vertritt dort die Interessen der Kirche, nicht die der Gesamtschule.“

(sep)