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Kreis Wesel: Zu viele grundlose Notrufe

25.550 Mal im Kreis Wesel : Zu viele grundlose Notrufe

Anrufe ohne Einsatzfolge beschäftigen Feuerwehr und Polizei im Kreis Wesel. Was viele nicht wissen: „Wer absichtlich Notrufe missbraucht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft“, heißt es im Gesetzestext.

Ohne dringenden Grund wurde im vergangenen Jahr im Kreis Wesel etwa 25.550 Mal die Notrufnummer 112 gewählt. Dies sind durchschnittlich etwa 70 nicht gerechtfertigte Notrufe am Tag – von insgesamt etwa 900 bis 1000 Anrufen, die bei der Leitstelle des Rettungsdienstes Tag für Tag eingehen. Auch einige der täglich zwischen 400 und 450 Anrufer, die den Polizei-Notruf 110 wählen, haben dafür keinen vernünftigen Grund. Ganz ausdrücklich sagt jedoch die Polizei: „Im Zweifel lieber immer den Notruf absetzten. Wenn jemand zum Beispiel Personen beobachtet, die sich seltsam verhalten, etwa um die Häuser schleichen, sollte man vorsichtshalber immer sofort die 110 wählen. Wir sind ja auch auf solche Schilderungen angewiesen“, erklärt Polizei-Sprecher Björn Haubrok.

Wenn jemand allerdings den Notruf wählt, weil er eine tote Taube im Stadtpark gefunden hat, sei das kein Grund für die 110. Bewussten Missbrauch des Polizei-Notrufs gebe es auch, allerdings nicht so häufig wie bei der 112, berichtet Haubrok weiter – zudem sei die Zahl deutlich rückläufig. Wurden im Jahr 2017 noch 32 Anzeigen wegen missbräuchlicher Verwendung der 110 gestellt, waren im vergangenen Jahr nur noch 18 Anzeigen erforderlich. Erschreckender sind jedoch einige der ungerechtfertigten Anrufe bei der 112. „Vor ein paar Jahren hat mal eine Frau über mehrere Wochen hinweg rund 250 Mal am Tag angerufen und wirres Zeug erzählt“, schildert Volker Schulz, der Leiter der Rettungs-Leitstelle des Kreises. Er ergänzt, dass er und seine Kollegen mehrfach nicht nur „veräppelt“, sondern auch „beleidigt und bedroht“ werden. Auch dies sei aber schon mal viel schlimmer gewesen, trotzdem seien im Schnitt etwa 70 falsche 112-Anrufe natürlich sehr ärgerlich. Schulz berichtet von Leuten, die beispielsweise den Notruf wählen, weil das Treppenhaus nicht geputzt wurde oder die Straßenbeleuchtung ausgefallen ist – also von Situation, in denen es für jedermann offensichtlich nicht um Leib und Leben ging. Vor allem einer sogenannten „Chaosphase“, wenn hunderte Anrufe in kürzester Zeit eingehen – wie zuletzt beim Sturm Friederike vor rund einem Jahr – würden dann Scherzanrufe eventuell verhindern, dass die echten Notfälle schnell bearbeitet werden können. In der Regel werde Missbrauch zur Anzeige gebracht. Menschen wählen aber auch aus Angst oder Unwissenheit den Notruf.

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Bewusste Fehlalarmierungen gelten als Missbrauch: „Wer absichtlich Notrufe missbraucht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft“, heißt es im Gesetzestext. Dies gilt übrigens auch, wenn jemand „Notzeichen missbraucht oder vortäuscht, dass wegen eines Unglücks, Gefahr oder Not die Hilfe anderer erforderlich sei“. So musste sich kürzlich ein Weseler vor Gericht verantworten, weil er durch seinen Anruf bei der 112 (er meldete „Brandgeruch“) die Evakuierung eines Mehrfamilienhauses in Wesel ausgelöst hatte, in dem eine Feier stattfand, die ihn gestört hatte.

In der Rettungs-Leitstelle stehen acht Tische für Notrufe zur Verfügung, zudem sieben „Überlauftische“ (falls mehr als acht Notrufe gleichzeitig eingehen). Und selbst, wenn mehr als 15 Anrufer Notfälle melden möchten, können noch weitere Telefone zugeschaltet werden.

(jok)