Kreis Wesel: Weihbischof Lohmann spricht über Suizidprävention

Woche für das Leben : Weihbischof Lohmann spricht über Suizidprävention

Noch bis zum heutigen Samstag rückt die „Woche für das Leben“ unter dem Gedanken „Leben schützen. Menschen begleiten. Suizide verhindern.“ die Suizidprävention in den Blickpunkt. Für die Region Niederrhein lud Weihbischof Rolf Lohmann jetzt zum „Abendgebet für das Leben“ in den Xantener Dom ein, an dem auch Dirk Meyer teilnahm.

Der Pfarrer leitet die Telefonseelsorge Niederrhein/Westmünsterland in Wesel. Das Team besteht aus rund 100 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die speziell ausgebildet wurden.

Seit 25 Jahren setzen sich die katholische und evangelische Kirche gemeinsam für den Schutz und die Würde der Menschen ein. In diesem Jahr möchten sie die vielfältigen Beratungsangebote beider Kirchen für suizidgefährdete Menschen (darunter besonders die Telefonseelsorge) in der Öffentlichkeit stärker bekannt machen. „Alleine in Deutschland sterben jedes Jahr 10.000 Menschen durch einen Suizid“, berichtete der Weihbischof: „Das sind doppelt so viele wie durch Verkehrsunfälle. Und die Dunkelziffer ist noch höher. Deshalb müssen wir darüber sprechen.“

Dabei war das Thema auch in der Kirche lange Zeit ein Tabu. „Die meisten Betroffenen wollen gar nicht sterben“, sagte Lohmann weiter. „Sie können aber auch nicht weiterleben, sehen kein Licht am Ende des Tunnels.“ In dieser Situation müsse auch die Kirche Hilfestellungen geben. Um das Ziel der Enttabuisierung und Sensibilisierung zu erreichen, sei die Beteiligung möglichst vieler gesellschaftlicher und kirchlicher Institutionen notwendig. Eine Anlaufstelle sei die Telefonseelsorge. „Als Anwälte des Lebens sitzen bei uns seit 37 Jahren Ehrenamtliche rund um die Uhr am Telefon“, versicherte Dirk Meyer, der gemeinsam mit dem Weihbischof das Abendgebet gestaltet.

Mehr als 200 Besucher, darunter auch Sanitäter und Rettungskräfte, füllten beim Abendgebet den Dom. Die Gruppe „Horizonte“ aus Kevelaer begleitet das Abendgebet musikalisch. Weihbischof Lehmann mahnte in seiner Predigt, offen über den Freitod zu sprechen: „Von jedem Suizid sind im Durchschnitt sechs Personen betroffen. Das Warum macht sie alle fassungslos. Da wird der Glaube auf eine harte Probe gestellt.“ Die Suche nach einer Antwort würde sich oft als schwierig erweisen. Aber der Weihbischof macht auch Mut: „Wir können nicht tiefer fallen als in die ausgestreckten Arme des Herrn. Er fängt uns auch in schwierigen Situationen auf. Gott steht für das Leben.“

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei unter Tel. 0800 1110-111 bzw. -222 zu erreichen.

(pbm)
Mehr von RP ONLINE