Kreis Wesel: Warum ein Praktiker es schaffen soll

Kreis Wesel: Warum ein Praktiker es schaffen soll

In unserer Serie über die Ausbildungsinitiative im Kreis Wesel, präsentiert von Altana, geht es um den Betrieb Fahrräder Buschmann, der nun erstmals ausbildet. Das wollte das Unternehmen unbedingt, damit aus Nico Tiemann mehr wird.

Fahrräder sind sein Leben. Immer schon hat er gerne an ihnen herumgeschraubt, berichtet der 22-jährige Nico Tiemann aus Voerde-Möllen. Die Familie erkannte das Talent. Wenn es was zu reparieren gab, kamen alle immer zu ihm. Mittlerweile sieht es so aus, dass er seine Leidenschaft zum Beruf machen kann. Diese schöne Perspektive gab es lange Zeit nicht. Denn Schule beziehungsweise Theorie war nie sein Ding. Sein Werdegang war recht holprig.

Von der Janusz-Korczak Voerde ging es über das Berufskolleg Dinslaken in eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) zum Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) in Wesel. Das CJD-Berufsförderungszentrum verschaffte ihm 2016 dann auch eine Praktikumsstelle bei Fahrräder Buschmann in Wesel-Lackhausen. Ein Glücksfall. Hier haben sich zwei gefunden, wenngleich allerlei Hürden zu überwinden waren und immer noch sind.

Die Schmiede Buschmann wird 2019 stolze 100 Jahre alt. Als Metallgestalter genießt Meister Bernd Buschmann einen guten Ruf. Zwei Mitarbeiter und eine Aushilfe stehen ihm in der Werkstatt zur Seite. Ebenfalls zum Betrieb gehört ein Fahrradgeschäft. Früher wurden in der Lackhausener Institution auch Haushalts- und Eisenwaren sowie Gartengeräte vertrieben. Heute konzentriert sich das Geschäft um Bernds Frau Heike, die seit 1985 mit an Bord ist, auf Fahrräder. Die dazugehörige Werkstatt ist das Reich von Zweiradmechatroniker Jeffrey Fondermann. Ausgebildet wurde hier nie, denn niemand hatte die Befähigung dazu. Doch dann kam Nico Tiemann.

„Wir hatten schon viele Praktikanten hier“, sagt der 32-jährige Fondermann und macht eine vielsagende Pause. „Er war genau der Richtige. Den wollten wir irgendwie behalten.“ Die Familie Buschmann sah es genauso und versuchte das Ausbildungsmanko zu lösen. „Eine Bombe“, sagt Uwe Dähnenkamp, Fallmanager beim Jobcenter Kreis Wesel, der heute noch von dem Entschluss beeindruckt ist. „Wann sagt ein Betrieb schon mal, dass jetzt einer die Ausbilderausbildung machen muss.“

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Jeffrey Fondermann ging unmittelbar ans Werk. Mit einer Ausnahmegenehmigung gelang es, dass er Nico schon ab dem 1. September 2016 ausbilden konnte, während er selbst gerade mit der Fortbildung zum Ausbilder begonnen hatte. Damit das Kunststück am Ende auch vollends gelingt, unterstützt das Jobcenter die Lehre mit dem segensreichen Instrument „abH“. Das Kürzel steht für ausbildungsbegleitende Hilfen. Sie sind dazu da, schulische und andere Defizite auszugleichen. Speziell ausgebildete Lehrer geben benachteiligten Auszubildenden Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe und Prüfungsvorbereitung in der Jugendberufsagentur Dinslaken in Zusammenarbeit mit dem Diakoniewerk Duisburg.

In besonderen Fällen kann ein Lehrer seinen Schützling auch bis in die Prüfung hinein begleiten. Das heißt nicht, dass er ihm die Lösungsarbeit abnimmt. Aber er leistet zum Beispiel Übersetzungshilfe bei der Aufgabenstellung, wenn der aufgeregte Prüfling plötzlich eine Blockade hat. „Er ist der, der immer da ist. auch mit Krankenschein“, lobt Dähnenkamp den Einsatz Tiemanns bei den „abH“-Stunden.

Für Nico Tiemann wird es schwer, aber er ist wild entschlossen. „Ich will es schaffen“, sagt der Praktiker. Nach zwei Jahren Lehre zum Fahrradmonteur steht für ihn nun bald die Prüfung auf dem Programm. Wenn die gelingt, kann er noch weitere Stufen nehmen. Alles Elektrische fasziniert schon jetzt am Rad. Fast überflüssig zu erwähnen ist, dass der 22-Jährige mit der Fiets die 16 Kilometer von Möllen nach Lackhausen zurücklegt. Anfangs noch strampelnd, heute mit dem E-Bike. „Damit ich nicht so verschwitzt ankomme“, sagt er. Fahrräder sind eben sein Leben.

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