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Kreis Wesel: Virus und deographischer Wandel belasten Lehrstellenmarkt

Ausbildungsinitiative Kreis Wesel : Virus und Wandel belasten Lehrstellenmarkt

Die Arbeitsagentur Wesel geht neue Wege, um dem verstärkten achkräftemangel entgegenzuwirken. Nie zuvor gab es zu einem so frühen Zeitpunkt so wenig Bewerber für so viele Lehrstetellen.

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist so komplex wie nie. Wesentliche Faktoren sind derzeit die Corona-Krise und der demografische Wandel. Während das Virus die Wirtschaft schwächt und für Zurückhaltung bei Lehrbetrieben sorgt, kommen parallel weniger potenzielle Auszubildende aus den Schulen. Dabei ist klar, dass auch nach der Krise Nachwuchs gefragt sein wird. Der in Vor-Corona-Zeiten schon spürbare Fachkräftemangel wird sich verstärken. Da sind sich Experten wie Markus Brandenbusch, Bereichsleiter bei der Agentur für Arbeit Wesel, sicher. Deren Bemühungen gegenzusteuern, sind vielfältig. Aber wegen Corona auch schwierig.

Ein Blick auf die April-Zahlen, so Brandenbusch, zeigt, wohin die Reise geht, doch sagen sie noch nicht alles. Ablesbar ist, dass noch nie zu so einem frühen Zeitpunkt so wenige Interessenten auf so viele Stellen trafen. Im Kreis Wesel meldeten sich 2221 Bewerber. Das sind 708 oder 24,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Demgegenüber gab es 2319 Ausbildungsplätze – 167 oder 6,7 Prozent weniger als 2019. Das Verhältnis lag bei 1:1,04, vor einem Jahr lautete es noch 1:0,85.

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„Der demografische Wandel hat jetzt alle Schulen erreicht“, sagt Markus Brandenbusch. Mit etwas Verzögerung sei er nun auch in den Berufskollegs angekommen. In der Zusammenschau sieht es so aus, dass es grundsätzlich weniger Schüler gibt. Wer noch in der Schule ist und eine Studienberechtigung anstrebt, schlägt nun auch verstärkt den Weg Richtung Uni ein. Gleichzeitig setzt sich der Trend eines weitergehenden Schulbesuchs fort – zum Beispiel an den Kollegs. Laut Brandenbusch stellen die Berufsberater der Agentur außerdem fest, dass potenzielle Kundschaft, die schon länger die Schule hinter sich gelassen hat und ohne Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt untergekommen ist, ebenfalls schrumpft.

Auf Unternehmerseite, besonders in der Gastronomie, herrscht Überlebenskampf. Viele seien aktuell mehr mit den Förderprogrammen gegen die Folgen die Krise befasst, als mit dem Thema Ausbildung, das erst im August/September dringlich wird, sagt Brandenbusch. Um ein Gespür zu bekommen, wie es um die Ausbildungsbereitschaft bestellt ist, hat die Agentur bei Anträgen auf Kurzarbeitergeld gleich nachgefragt. Von rund 400 Betrieben stornierten nur ein Prozent ihre Lehrstellenangebote. „Das war überraschend. Ich hatte mit mehr gerechnet“, sagt Brandenburg, der die Zahl aber auch nicht für repräsentativ hält. Man müsse das Schulende abwarten und gleichzeitig „das Geschäft wieder aufbauen“.

Das Geschäft ist Beratung und Vermittlung, was ebenfalls durch Corona erschwert wird. Von 37 Vollstellen für die Kreise Wesel und Kleve sind gut ein Drittel für die Bearbeitung der Kurzarbeit-Anträge abgestellt. „Damit diese Leistung schnell und gut rausgeht“, erklärt Brandenbusch. Überdies sind viele bewährte Instrumente derzeit wegen der Infektionsgefahren gar nicht nutzbar. Orientierungsveranstaltungen für ganze Klassen oder Schulen können nicht wie üblich durchgeführt werden.

Alternativ wird in der Agentur überlegt, dafür virtuelle Wege zu finden und den Schulen für ihre Abgänger telefonische Sprechzeiten anzubieten. Auch an Lehrstellen-Börsen oder Last-Minute-Aktionen ist derzeit nicht zu denken – und die Türen der Agentur sind geschlossen. Dennoch gehen ihre Bemühungen weiter. Die Agentur will Schulen offene Lehrstellen zumailen, damit sie ausgehängt werden können. Es wird auch bei den Unversorgten telefonische Abfrageaktionen geben. Das sind jene, die sich noch nicht entschieden haben beziehungsweise einen Ausbildungsplatz gefunden, aber der Agentur noch keine Rückmeldung gegeben haben.

Grundsätzlich gilt weiter, dass Suchende sich bei der Arbeitsagentur melden sollen. Telefonisch oder per Mail gehen Beratung und Vermittlung weiter.

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