Kreis Wesel: Runder Tisch gegen häusliche Gewalt bedauert Ausstieg aus Täterarbeit

Im Kreis Wesel : Runder Tisch bedauert Ausstieg der Diakonie aus der Täterarbeit

Der Runde Tisch gegen Häusliche Gewalt an Frauen und Kindern im Kreis Wesel bedauert die Einstellung der Täterarbeit im Kreis Wesel und will sich auf Landeseben für eine Lösung starkmachen. Die Täterarbeit ist aufgrund einer Initiative des Runden Tisches gestartet und wurde vom Diakonischen Werk vor zwölf Jahren eingeführt.

Jetzt hat die Diakonie wegen neuer Bewirtschaftungsgrundsätze des Landes, die es den Trägern sowohl finanziell und personell, aber auch fachinhaltlich schwer machen, ihre Programme fortzusetzen, das Angebot eingestellt (wir berichteten).

Der Runde Tisch lobt Ulf Quandel, der das bisherige Niemandsland mit Leben gefüllt habe. Die Täterarbeit Häusliche Gewalt beziehungswesie das Anti-Aggressionstraining habe für Männer in Gruppen oder auch in Einzelberatungen unter therapeutischer Begleitung die Möglichkeit geboten, sich mit ihrem Verhalten auseinanderzusetzen. Das sei gleichzeitig Opferarbeit. Jetzt gehe er in Ruhestand. Damit ende nicht nur seine Tätigkeit bei der Diakonie, sondern auch seine Mitarbeit am Runden Tisch gegen Häusliche Gewalt an Frauen und Kindern im Kreis Wesel, wo er sich tatkräftig eingebracht habe.

Jede vierte Frau, so der Runde Tisch, erleide häusliche Gewalt in Deutschland, da nehme sich der Kreis Wesel nicht heraus. Die polizeilichen Einsatzzahlen seien konstant, mindestens einmal am Tag fahre die Polizei zu einem solchen Einsatz. „Die Frauenhäuser, die Frauen und Kindern vor häuslicher Gewalt Schutz bieten, sind überfüllt“, heißt es in der Mitteilung.

Die Mitglieder des Runden Tisches appellieren an die Landesregierung, die Bewirtschaftungsgrundsätze zu überdenken und so eine konstruktive Täterarbeit weiterleben zu lassen und bewährte Strukturen nicht ohne Not zu zerschlagen. „Der Runde Tisch betreibt mit seinen Aktionen und Netzwerken Präventivarbeit. Wir versuchen zu informieren und aufzuklären“, sagte Jeanette Romich, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Kreisverwaltung Wesel, für den Runden Tisch. Durch Programme wie die Anonyme Spurensicherung nach sexueller Gewalt oder auch die Täterarbeit würden Chancen nach Gewalttaten geschaffen – insbesondere für Opfer, aber eben auch für Täter. Damit diese in Zukunft auch eine Chance erhalten, Hilfe zu erfahren, sei die Fortführung der Täterarbeit im Kreis unverzichtbar. Romich: „Hilfe bei häuslicher Gewalt kann nicht bei den Opfern enden. Wir werden für den Runden Tisch einen Brief an das Justizministerium als auch an das Gleichstellungsministerium NRW verfassen, um auf diesen Missstand hinzuweisen.“

(RP )