Kreis Wesel: Kiesabbau ist den Grünen ein Dorn im Auge

Kreis Wesel: Grüne wettern gegen „Kiesbarone“

Die Grünen im Kreis machen sich Sorgen. Sorgen um das Insektensterben, das Klima, zu viel Nitrat im Grundwasser sowie den Kiesabbau in der Region. Und sie präsentieren Vorschläge, wie dauerhaft alles besser werden könnte.

Hubert Kück, der Sprecher der Grünen-Fraktion im Kreistag, gibt sich in diesen Tagen kampfeslustig. Er und seine Mitstreiter Ulrike Trick und Jürgen Bartsch haben keinerlei Probleme, sich mit den politischen Gegnern auf Kreis- und Landesebene anzulegen und haben am Montag vor Journalisten einmal aufgezählt, welche Themen sie derzeit besonders bewegen.

Kies Wenn Hubert Kück durch das Kreisgebiet fährt, und das tut er oft, sind ihm die vielen Baggerseen ein Graus. Da sei in den vergangenen Jahren wertvolle Acker­fläche verschwunden, sagt der Weseler. Die Landschaft sei verschandelt und präsentiere sich so löchrig „wie ein Schweizer Käse“. Kück bemängelt außerdem, dass die Landwirte auf immer weniger Fläche immer mehr produzieren müssten und dass durch den Abbau von Kies und Sand eine wichtige Filterfunktion für das Grundwasser verloren gehe. Die Schuld trägt nach Überzeugung der Grünen die FDP in der Landesregierung, die „als Steigbügelhalter der Kiesindustrie“ agiere. Und es sei zu befürchten, dass durch den neuen Landesentwicklungsplan (LEP) „künftig überall dort ausgekiest werden kann, wo Kies abbaubar ist. Das ist eine pure Unterstützung der Kiesbarone“, wettert Kück. Vor allem Bereiche im linksrheinischen Kreisgebiet (Moers, Kamp-Linfort, Alpen, Wesel-Ginderich) seien betroffen.

Seit es E-Bikes gibt, steigt die Zahl der Radnutzer. Geht es nach den Grünen, soll versträrkt in Radschnellwege investiert werden. Foto: dpa/Roland Weihrauch

Sollten die Nitratwerte weiter steigen, müsste das Grundwasser in der Region durch spezielle und kostenintensive Verfahren trinkbar gemacht werden. Kück sprach davon, dass Bürger künftig bis zu 60 Prozent mehr für ihr Trinkwasser zahlen müssten. Kollege Jürgen Bartsch fügte hinzu, dass man im Frühjahr 2017 den Antrag gestellt habe, dass der Kreis Modellregion grundwasserschonende Landwirtschaft werden sollte. Doch bislang gebe es darauf keine Resonanz.

Gärten nur aus Steinen sind den Grünen ein Graus. Foto: Helmut Scheffler

Insektensterben Dass es immer weniger Insekten gibt und damit unter anderem Vögel größte Probleme haben, ihren Nachwuchs aufzuziehen, bereitet den Grünen Kopfzerbrechen. Was tun? Sie plädieren unter anderem dafür, dass in Neubaugebieten Schottergärten untersagt werden und die Kommunen bei Neuanpflanzungen darauf achten, insektenfreundliche Bäume, Büsche und Stauden zu verwenden. Weil die SPD in Sachen Verzicht auf Pestizide in der politischen Auseinandersetzung „eingeknickt“ sei, käme sie als möglicher politischer Partner nicht in Frage. „An der SPD, die sich selbst nicht ganz grün ist und bei verschiedenen Themen zerrissen ist, kann man kein Tau festbinden“, so Kück.

Klimawandel Um aktiv etwas gegen den Klimawandel zu tun, betonte Jürgen Bartsch, müsse der Verkehr besser als bislang verzahnt und die Radwege attraktiver werden. Stichwort: Radschnellwege. In einem Arbeitskreis, der mit Vertretern der Kreistagsfraktionen, eines Planungsbüros sowie der Kreisverwaltung besetzt und auf Initiative der Grünen entstanden ist, werde über genau dieses Thema gesprochen. Ende des Monats soll über die Ergebnisse im Kreisausschuss berichtet werden.

An die Adresse der Niag gerichtet, an der auch der Kreis Wesel mit 43 Prozent beteiligt ist, appellierte Jürgen Bartsch, dass der Verkehrsbetrieb versuchen müsse, deutlich mehr Elektrobusse einzusetzen als bislang. Bei der Aufstellung eines kreisweiten Mobilitätskonzeptes müssten neben den Verkehrsbetrieben auch die Industrie- und Handelskammer und die Kommunen mit ins Boot geholt werden.

Hubert Kück fügte hinzu, dass vor allem die Kommunen Druck auf die Niag ausüben müssten, damit diese zu einem Anbieter von Mobilität werde. „Das ist wichtig für den Tourismus, der im Kreis immer weiter an Bedeutung gewinnt. Das ist für die Städte und Gemeinden bares Geld.“

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