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Kreis Wesel: Corona-Ausbrüche jetzt flächendeckender

Kreis Wesel : Corona-Ausbrüche jetzt flächendeckender

Im Kreis Wesel breitet sich das Coronavirus flächendeckender aus, nachdem zunächst vorwiegend der linksrheinische Teil betroffen war. Wesel kommt aktuell auf 49 Coronavirus-Fälle – ein deutlicher Anstieg. Leichte Entwarnung gilt für Ginderich.

Die Entwicklung der Corona-Fallzahlen im Kreis Wesel liegt weiter auf einem Niveau, das Sorgen bereiten muss. Nachdem es im Juni und Juli an mehreren Tagen sogar überhaupt keine Neuinfektionen im Kreis Wesel mehr gab, musste die Kreisverwaltung nun auch am Donnerstag wieder sieben neue Corona-Infektionen melden. Im Unterschied zu Großausbrüchen wie etwa im Moerser Dönerfleischbetrieb Öztas im Juli verbreitet sich das Virus nun flächendeckend.

Die Lage wird schwerer kontrollierbar, doch immerhin: Das Gindericher Corona-Cluster, wo sich ein Freundeskreis bei gemeinsamen Aktivitäten angesteckt hatte, scheint unter Kontrolle. Eine Kreissprecherin teilte auf Anfrage mit: „Es gibt keine Erkenntnisse weiterer Infektionen in Zusammenhang mit den Infektionen einer kleinen Gruppe in Ginderich.“

Wie stark sich das Virus wieder ausbreitet, sieht man an der Zahl der akut Erkrankten: Aktuell liegt sie bei 170 im Kreis Wesel, zwei Wochen zuvor waren es am 30. Juli noch nur 49 Personen. Die Ausbrüche geschehen jetzt auch über den Kreis verteilt, nicht nur vorwiegend linksrheinisch, wie in den Monaten zuvor. So gibt es in Wesel akut 28 Covid-19-Fälle, noch vor vier Wochen waren es nur elf. In Hamminkeln gibt es fünf Coronafälle, vor vier Wochen war es nur einer. Schermbeck wiederum bleibt coronafrei.

Der Kreis Wesel kommt laut Statistik des Robert-Koch-Instituts auf insgesamt nun 234,2 Fälle pro 100.000 Einwohner. Warnung muss aber die Entwicklung im Umkreis sein: Duisburg etwa kommt auf 433,6 Fälle pro 100.000 Einwohner insgesamt, die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 26,5. Die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Wesel liegt bei 19,1. Der Wert gibt an, wie viele Neuinfektionen innerhalb der letzten sieben Tage bezogen auf jeweils 100.000 Einwohner gemeldet wurden. 50 gilt dabei als kritischer Wert.

Wie bewertet die Kreisverwaltung die neue Entwicklung? „Die steigenden Fälle im Kreisgebiet sind auf private Feiern, nachlassendes Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln in der Bevölkerung sowie Reiserückkehrer zurückzuführen“, teilt ein Sprecher mit. Wie viele der Erkrankten Reiserückkehrer sind, kann der Kreis aus Zeitgründen nicht aufschlüsseln. Das Personal sei voll mit der Nachverfolgung von Kontaktpersonen ausgelastet. Der Kreis sieht seine Aufgabe darin, lokale Ausbrüche zu erkennen und zu bremsen, vor allem durch anlassbezogene Reihentestungen. Die Zahl solcher Testungen steige. „Die Abstrichzentren in Dinslaken und Rheinberg sind vorrangig für diese Aufgabe eingerichtet“, teilt der Kreis mit. Die Reiserückkehrer wiederum würden durch die Kassenärztliche Vereinigung betreut, so der Kreis.

Erster Ansprechpartner für alle Bürger bei Corona-Verdacht ist der Hausarzt. Corona-Tests für Reiserückkehrer werden von den Hausärzten genommen oder in den von der Kassenärztlichen Vereinigung eingerichteten Testzentren durchgeführt. Im Kreis Wesel ist dies das Testzentrum am Bethanien-Krankenhaus in Moers. Corona-Tests für das Personal von Schulen, Kindergärten und Kitas werden über die Kassenärztlichen Vereinigungen organisiert, die unter der Hotline 116117 erreichbar sind. Auch hier sind die Testmöglichkeiten bei den niedergelassenen Ärzten und dem Testzentrum am Bethanien Krankenhaus in Moers gegeben.

Für Verwirrung sorgen weiter Unterschiede in der statistischen Auswertung von Kreis Wesel und Robert-Koch-Institut (RKI). Während der Kreis die Zahl von insgesamt 27 Personen nennt, die im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben sind, gibt das RKI in seiner Auswertung die Zahl 28 Tote an. Wie kommt es zu dieser Differenz? Der Kreis Wesel geht davon aus, dass hier eine unterschiedliche Bewertung eines Wohnortes eine Rolle gespielt haben könnte.