1. NRW
  2. Städte
  3. Wesel

Kreis Wesel: Berufsberatung leidet unter Corona-Bedingungen

Ausbildung : Berufsberater leiden unter Corona-Regeln

Barbara Sieg, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Wesel, vermisst den persönlichen Kontakt und findet es traurig, dass dem aktuellen Abgängerjahrgang vieles verwehrt bleibt. Gleichwohl geht die Betreuung weiter.

Was mache ich nach der Schule? Was will ich werden? Die Kernfragen für den Eintritt ins Erwerbsleben oder für weitere Bildungswege stellen sich früher oder später jedem jungen Menschen. Im Corona-Jahr 2020 sind Antworten darauf besonders schwer zu finden. Die Bedingungen des Zusammenlebens stellen alles bisher Dagewesene auf den Kopf. Nachfühlen können das die Experten der Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit Wesel. Barbara Sieg ist eine von ihnen. Sie leidet darunter, dass der persönliche Kontakt zum aktuellen Abgängerjahrgang fehlt und weiß, welche Sorgen und Ängste die Orientierung suchende Generation jetzt begleiten.

War bis vor Kurzem doch auch noch offen, ob und wenn ja, wie es in den Schulen weitergeht und überhaupt brauchbare Abschlüsse geschafft werden können. Ebenfalls im luftleeren Raum stehen zum Beispiel jene, die nach der Schule ein Jahr im Ausland mit Work and Travel verbringen oder ein Freiwilliges soziales Jahr wollen.

Helfen können die Berater der Agentur derzeit nur telefonisch oder per Mail. Denn noch stehen aus Datenschutzgründen keinen weiteren Plattformen zur Verfügung. „Es hat uns alle etwas überrannt“, schildert Barbara Sieg und berichtet von ersten Versuchen der Nürnberger Zentrale der Bundesagentur. „Unter dem Motto #Zukunftklarmachen gab es zunächst einmal eine Live-Kampagne der Berufsberatung“, sagt Sieg. „Unter diesem Hashtag konnten Jugendliche bei sozialen Netzwerken wie Instagram, Facebook oder Youtube Fragen stellen. Diese wurden dann in drei Live-Chats beantwortet. Die Beiträge sind unter youtube.com weiterhin abrufbar.“

Für eine erfolgreiche Beratung wesentlich ist der direkt Sichtkontakt. Nur so können Reaktionen des Gegenübers authentisch wahrgenommen werden. Stärken, Schwächen, Vorlieben erkunden: Das macht die Arbeit der Berater aus. Bis das wieder unter vier Augen geht, müssen andere Instrumente herhalten. Zum Beispiel das des Selbsttests. „Auf der Startseite unter www.arbeitsagentur.de befindet sich unter der Kachel Schule, Ausbildung und Studium als dritter Punkt das CheckYou-Erkundungstool“, erklärt Barbara Sieg. „Oder man nutzt den Link https://www.arbeitsagentur.de/bildung/welche-ausbildung-welches-studium-passt. Von der Startseite des Selbsterkundungstools aus kann man auch direkt mit der Berufsberatung Kontakt aufnehmen.“

Die Berufsberaterin appelliert an die Suchenden, dranzubleiben, die Zeit unklarer Verhältnisse zu nutzen und sich breiter aufzustellen. Und sie rät dazu, die Angebote der Agentur wahrzunehmen. So sollen junge Leute für eine telefonische Beratung einen Termin ausmachen und sich dann ausreichend Zeit für das Gespräch nehmen. Die Analysen der Berater führen laut Sieg oft zu einem Aha-Effekt. Mancher fühlt sich beziehungsweise seinen Berufswunsch bestätigt. Mancher ist aber auch überrascht, welche guten Alternativen er noch gar nicht in den Blick genommen hatte.

Die Palette der Möglichkeiten ist jedenfalls riesig. 2019 gab es 326 anerkannte oder als anerkannt geltende Ausbildungsberufe nach dem Berufsbildungsgesetz. Außerdem gibt es zurzeit 10.637 sogenannte grundständige Studienangebote, sprich Bacherlor-Studiengänge.

„Eigentlich ist alles zu finden, aber man braucht Hilfe für ein strukturiertes Vorgehen, um die richtige Auswahl treffen zu können“, sagt Barbara Sieg. Sie baut darauf, dass es bald eine technisch sichere Plattform gibt und man sich wenigstens gegenseitig sehen sowie ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann. Das wäre unter normalen Bedingungen genau jetzt das Hauptgeschäft der Berufsberater. Barbara Sieg zum Beispiel ist aktuell für das Konrad-Duden-Gymnasium Wesel und das Berufliche Gymnasium am Berufskolleg Wesel, ebenfalls in der Feldmark, mit dort einmal wöchentlicher Präsenz zuständig. Außerdem für Unversorgte, die schon länger nicht mehr in der Schule sind, sowie für Studienabbrecher. Die 54-jährige Expertin macht das schon seit dem Jahr 1999 mit Herzblut. Nie war es für sie so kompliziert wie heute.

Jeden Tag alle Nachrichten zur Corona-Krise in Ihrer Stadt – bestellen Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter „Total Lokal“ mit täglicher Corona-Sonderausgabe!