Wesel: Krähen-Alarm in Büderich

Wesel: Krähen-Alarm in Büderich

Szenen wie aus Hitchcocks "Die Vögel": Rund um den Markt im Polderdorf veranstaltet ein nistender Krähenschwarm Höllenlärm und kleckert alles voll. Protest aussichtslos, denn die Tiere genießen Artenschutz.

Hitchcocks "Vögel" lassen grüßen. In Büderich haben Krähen die Lufthoheit übernommen. Und sie lassen allerlei fallen. Bürgersteige und parkende Autos sind regelmäßig weiß vor lauter Kot. Außerdem müllen die derzeit emsig mit dem Brutgeschäft beschäftigten schwarzen Krachschläger die Umgebung mit Baumaterial ihrer Nester zu. Apotheker Michael Jilek (59) sieht in ihnen außerdem gefährliche Krankheitsüberträger. Mit Nachbar Bernd Giesen (45) machte er gestern auf den Ärger aufmerksam. Im Polderdorf empfinden viele die Krähen mitten im Ort als Plage. So bestätigen auch Nachbarin Adelgunde Schülke (75) und Katrin Blume (50) vom nahen Kindergarten Regenbogenhaus, dass es Probleme mit den Vögeln gibt.

Kreis untersagt ASG den Schnitt

Der Heimtaverein hatte auf dem Markt schon zwei Ruhebänke abmontiert und den Betrieb ASG um Hilfe gebeten. Heinz-Georg Oberender und seine Leute reagierten, legten Hand an zwei Bäume auf der Pastor-Bergmann-Straße – und haben jetzt selbst ein Probleme. Die Untere Landschaftsbehörde, offensichtlich von aufmerksamen Vogelfreunden alarmiert, ließ die Arbeiten des ASG vor etwa zwei Monaten augenblicklich unterbinden. Krähen genießen Artenschutz. So sind nach nunmehr verschärftem Gesetz auch die Bäume tabu, in denen sie Nester bauen (siehe Info). Oberender ging fehl in der Annahme, man könne "im Winter ruhig dem Geäst zu Leibe rücken".

Ich will noch mal mit dem Kreis sprechen", sagte Oberender gestern auf RP-Anfrage. Doch die Haltung bei der Unteren Landschaftsbehörde im Kreishaus ist recht eindeutig. "Persönlich habe ich Verständnis, dass sich die Leute in Büderich ärgern. Aber das Bundesnaturschutzgesetz sagt nunmal, dass ich Lebensstätten von Krähen nicht ohne vernünftigen Grund beseitigen darf", sagte Wolfgang Sackenheim. "Ich hoffe, dass sich die Lage nach dem Brutgeschäft wieder beruhigt."

Lärm ist durchaus ein Thema. "Lauter als Kirchenglocken", schildert Apotheker Jilek morgendliches Krähen-Spektakel. Unterdessen weiß Giesen, der nebenberuflich als Hausmeister fürs katholische Pfarrheim fungiert, nicht mehr wohin mit den Astabfällen. Weil normaler, sprich grauer Straßenkehricht beim Zusammenfegen anfalle, würde ASG die Säcke nicht ohne weiteres annehmen. Unterm Krach der schwarzen Flieger litten besonders seine Kinder (sechs, 13 und 17), deren Zimmer zur Straße beziehungsweise unterm Dach lägen.

Seit dem Sommer sind Krähen, offenbar durch den Deichbau vertrieben, verstärkt in der Dorfmitte heimisch. Am Rhein durften die Horstbäume gefällt werden. Wegen übergeordneter Interessen . . .

(RP)