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Kommentar zur Bundestagswahl in Wesel: Zehn Kandidaten treten an

Bundestagswahl in Wesel : Die Qual mit der Wahl

Gleich zehn Kandidaten wollen bei der anstehenden Wahl im September im Wahlkreis Wesel ein Mandat für den Bundestag gewinnen. Was bedeutet das für ihre Chancen? Und warum können wohl die kleinen Parteien eine wichtige Rolle spielen?

Dass in nicht einmal zwei Monaten ein neuer Bundestag gewählt wird, könnte man im Alltag glatt vergessen. Kandidaten, Politiker und Parteien bemühen sich bislang eher zurückhaltend darum, an diesem Umstand etwas zu ändern. Eine Art von Wahlkampf findet bisher bloß im entfernten Berlin statt, wo eine Kandidatin und zwei Kandidaten intensiv versuchen, weitere Fehler zu vermeiden. Spannend ist das alles nicht. Aber das wird sich noch ändern.

Denn davon abgesehen, dass die Amtsinhaberin nicht mehr antritt und damit auf jeden Fall Bewegung in das seit 16 Jahren recht immobile Regierungsgeschäft kommt – auch vor der Haustür bleiben die Dinge nicht, wie sie sind. Im Wahlkreis Wesel 1, der weite Teile des Kreises abdeckt (bis auf Dinslaken, Moers und Neukirchen-Vluyn), ringen so viele Politiker um ein Direktmandat wie vermutlich noch nie. Eine Frau und neun Männer bewerben sich um einen Platz im Deutschen Bundestag. 2017 und 2009 waren es sieben Kandidaten, 2013 sechs. Zehn sind also ziemlich viel.

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Was aber bedeutet das? Neben den bisher im Bundestag vertretenen Parteien CDU, SPD, AfD, FDP, Linke und Grüne schickt auch die Satirepartei Die Partei, die der Querdenker-Bewegung nahestehende Partei Die Basis und – jüngst in das Rennen eingestiegen – die Freie Wählergemeinschaft sowie die MLPD Kandidaten ins Rennen. Das wird das Ergebnis der Wahl spürbar beeinflussen.

Wenn sich sechs Gäste einen Marmorkuchen teilen, bekommt jeder ein größeres Stück, als wenn zehn Gäste davon ihren Kuchenhunger stillen wollen. Das ist recht offensichtlich. Ähnliches wird passieren, wenn sich statt sechs oder sieben Kandidaten zehn um 100 Prozent der Stimmen bewerben.

Es ist daher recht wahrscheinlich, dass die kleineren und unbekannteren Politiker den Platzhirschen ein Stück vom Wahlkuchen abnehmen werden. Wer also das Direktmandat tatsächlich erringt, wird spannender. Die Plattform wahlkreisprognose.de berechnet über einen Algorithmus die Wahrscheinlichkeit, wer welchen Wahlkreis gewinnen könnte. Für Wesel 1 steht dort am Freitag: Der Vorsprung der CDU vor der SPD beträgt maximal drei Prozent. Die anderen Bewerber haben in dieser Auflistung keine Chance. Sie könnten aber, je nach ihrem Abschneiden, das Rennen dennoch entscheiden. Nehmen kleinere konservative Parteien mehr von der CDU weg oder kleinere linke von der SPD? Oder überraschen die Grünen? Die Wahl wird es zeigen.

(her)