Kommentar Der Biergartenstreit und die Rolle der Politik in Wesel

Kommentar zur Woche : Der Biergartenstreit und die Rolle der Politik

Dem Pächter des Weseler Biergartens am Rhein wird ein Jahr vor Auslaufen des Pachtvertrages mitgeteilt, dass es nicht weitergeht. Es folgt ein Aufschrei der Empörung. Man könnte sagen: Wo ist das Problem? Wenn da nicht die kleinen Stilfragen wären.

Ein echtes Tresenthema: Kaum eine lokalpolitische Geschichte bewegt derzeit viele Weseler so wie der Biergarten am Rhein. Pächter Dirk Aberfeld erhält keine Vertragsverlängerung, ab 2020 soll ein neuer Betreiber den Biergarten führen. Der Weseler Politik wird jetzt pauschal der Vorwurf gemacht, einem Unternehmer den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Wer hinter die Kulissen oder tiefer ins Weizenbierglas blickt, der entdeckt aber wichtige Details: Man kann nämlich bei näherer Betrachtung zur Einsicht gelangen, dass hier zumindest rechtlich alles sauber gelaufen ist. Und wer mit Dirk Aberfeld redet, der erhält auch irgendwann die Antwort, dass Verwaltung und Politik rein sachlich keine Vorwürfe zu machen sind. Aber lief auch alles stilvoll?

Ohne Zweifel: Der Unternehmer Aberfeld hat etwas gemacht aus dieser Fläche direkt am Rhein, die einst brach lag. Zwar ist sein Biergarten kein Treffpunkt der Weseler High Society. Aber für die gibt es auch andere Hot Spots. Man kann auch mit Bier und Bratwurst einen sehr guten Tag verbringen. Im Rahmen seiner Möglichkeiten hat Aberfeld die Fläche also gut entwickelt. Andererseits gilt auch: Wenn man sich in anderen Städten umschaut, dann ist immer noch Luft nach oben.

Man staunt ohnehin, warum solch ein Filetstück der Stadt so lange unentwickelt bleiben konnte. Jetzt, wo die Geschäfte laufen, weckt das Areal natürlich Begehrlichkeiten. Zur Entlastung von Bäderchef Martin Christoph kann man sagen: Er handelt mit der Suche nach einem neuen Betreiber streng nach unternehmerischen Gesichtspunkten. Er handelt damit auch im Sinne der Bädergäste. Wenn ein Bäderchef schlecht wirtschaftet, zahlt das am Ende der Badegast. Auch was die Fragen der Kommunikation angeht, kann man das Prozedere nicht kritisieren. Aberfeld hat in diesem Jahr den Bescheid erhalten. Ein Jahr kann er sich darauf vorbereiten.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Denn natürlich schwingt die Frage mit, welche Rolle die Politik spielt. Zwar verweisen die Fraktionschefs von SPD und CDU auf den Bäderchef, in dessen Händen die Ausgestaltung der Verträge liege. Klar aber ist auch: Wenn CDU und SPD im Aufsichtsrat interveniert hätten, dann hätte Aberfeld noch eine Chance bekommen. Dass Aberfeld sich in seiner Ehre als Unternehmer gepackt fühlt, ist nur verständlich. Und einige wenige negative Kommentare bei Facebook sind natürlich allein kein Grund, seine Arbeit anzuzweifeln. Auch dass Aberfeld am Wochenende Spiele des FC Schalke 04 besuchte (als solcher war er zuletzt sowieso gebeutelt genug), wurde ihm vorgeworfen. Aberfeld beteuert auf Anfrage, dass dies auf die Öffnungszeiten seines Biergartens keinen Einfluss gehabt habe. Das Waschen schmutziger Wäsche muss im Sinne von Dirk Aberfeld nun unterbleiben. Da ist ein Unternehmer, der auch nach seiner Weseler Tätigkeit – und alle Anzeichen sprechen dafür, dass es hier nicht weitergeht – Geld verdienen will. Er beschäftigt Mitarbeiter, ist für sie verantwortlich.

Aberfelds Protestparty zwei Tage vor der Europawahl wird manchen Politiker verärgern. Sie werden es erdulden müssen. Der Unternehmer kann hier beweisen, wie viele treue Stammgäste er hat gewinnen können. Damit wird sein Wesel-Kapitel wohl enden.

Im Übrigen: Die Konsequenz, mit der hier ein auslaufendes Vertragsverhältnis zur (hoffentlich erfolgenden) Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und Qualität bei der Bäder GmbH genutzt wird, sollte die Benchmark für künftiges Handeln im Konzern Stadt sein.

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