Kolumne zu Maria 2.0 von Pfarrer Stefan Sühling

Kolumne „Himmel & Erde“ : In Maria 2.0 steckt so viel Hoffnung

Ich finde Maria 2.0 gut. Ich freue mich, dass die vielen Frauen auch auf diese Weise zum Ausdruck bringen, wie viel ihnen am Glauben in der Kirche liegt. In dem Streik wird so viel Hoffnung für das Kirche-sein spürbar.

Bei nicht wirklich freundlichen Temperaturen saßen sie vor der Herz-Jesu-Kirche. Das Foto in der Rheinischen Post zeigte die zur Maiandacht versammelte Frauengemeinschaft vor dem mit weißem Tuch verdeckten Eingang der Kirche. Das gleiche Bild am Morgen vor der Flürener Marienkirche. Frauen – und auch Männer – unserer Gemeinden schließen sich mit Gottesdiensten vor den Kirchentüren der Protestaktion Maria 2.0 an. Mit dieser Aktion fordern sie Gleichberechtigung von Frauen und Männern auf allen Ebenen in der Kirche ein, genauso wie Aufklärung von Missbrauch und Vertuschung und endlich ein Ende des Klerikalismus.

Bei den Vorbereitungen in den letzten Tagen und Wochen sprachen mich eine Reihe der Frauen an und beteuerten: „Das ist ja nicht gegen unsere Pfarrei hier in Wesel.“ Und im gleichen Atemzug kam dann die Frage: „Wie finden Sie das denn, wenn wir ‚streiken‘?“ Ganz ehrlich: Ich finde Maria 2.0 gut.

Ich freue mich, dass die vielen Frauen auch auf diese Weise zum Ausdruck bringen, wie viel ihnen am Glauben in der Kirche liegt. In dem Streik wird so viel Hoffnung für das Kirche-sein spürbar – nicht für die aktuelle Form und Lebensweise. Für mich ist Maria 2.0 die in Protest gekleidete Hoffnung für und auf eine Kirche, die sich neu auf ihren Grundauftrag besinnt: dem Leben dienen und dafür sorgen, dass Leben gelingen kann.

Am vergangenen Sonntag, dem vierten Sonntag der Osterzeit, war traditionell in den Gottesdiensten von Jesus die Rede, der von sich selbst sagt, er sei der „gute Hirte“. Der gute Hirte sorgt sich um das Leben, das gute und gelingende Leben derer, die ihm anvertraut sind. Ich finde, die Proteste von Maria 2.0 sind gut dazu angetan, die Entscheidungsträger in unserer Kirche auf diese, ihre Aufgabe hinzuweisen: „Sorgt dafür, dass das Leben der Menschen in der Kirche weiterhin gelingen kann. Legt die Angst vor der Verantwortung ab und habt Mut zu Veränderungen.“ In der Tat: In Maria 2.0 steckt so viel Hoffnung. Meine größte Hoffnung ist, dass sie nicht enttäuscht wird.

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