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Kolumne Himmel & Erde aus Wesel: Rote Karte für Tod und Teufel an Ostern

Kolumne Himmel & Erde : Rote Karte für Tod und Teufel

Die Sehnsucht nach dem Ende der Pandemie ist übergroß. Thomas Brödenfeld, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises, fragt: Auf wen richten wir in diesen Zeiten unsere Hoffnung? Spielt Jesus noch eine Rolle?

Am kommenden Sonntag wird’s noch einmal richtig laut. Palmsonntag mit Pauken und Trompeten. Keine Spur von der Stille der anbrechenden Karwoche. Jesus zieht in Jerusalem ein. So erzählt es die Bibel. Alles ist auf den Beinen, die Straßen quellen über von Menschen. Das mehrtägige Passahfest hat unzählige Pilger nach Jerusalem gelockt.

Zur Zeit von Jesus war das Passafest das Hauptfest des Judentums. Als Feier der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten gewann es damals noch einen zusätzlichen Aspekt hinzu: Man feierte nicht nur die vor langer Zeit geschehene Befreiung des Volkes Israel, sondern verband mit dem Fest auch die Hoffnung auf die zukünftige, endgültige Befreiung: die Hoffnung auf das Kommen des Messias.

Viele Menschen waren es leid, zu warten. Immer neue Vertröstungen auf eine bessere Zeit, irgendwann. Die Sehnsucht nach einem neuen Leben, einer glücklichen Zukunft, einem Ende der römischen Besatzung war übergroß. Wer, wenn nicht Jesus, könnte die Erfüllung dieser Sehnsucht sein? Wundertäter und Prophet, Heiler und Revolutionär.

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So euphorisch die Menge damals beim Einzug Jesu in Jerusalem war, so enttäuscht war sie wenige Tage später. Nichts war scheinbar übriggeblieben von den Hoffnungen und Sehnsüchten, die die Menge am Palmsonntag hinausgerufen hatte: „Hosianna! Du bist der König von Israel!“

Szenenwechsel. Palmsonntag 2021 in Deutschland. Wieder einmal kommt in unserem Land vieles zum Stillstand. Dritte Welle, dritter Lockdown. Die Menschen sind es leid, zu warten. Immer neue Vertröstungen auf eine bessere Zeit, mehr Tests, mehr Impfstoff, irgendwann. Die Sehnsucht nach dem alten Leben, einer unbeschwerten Zukunft, einem Ende der Pandemie ist übergroß. Auf wen richten wir in diesen Zeiten unsere Hoffnung? Spielt Jesus noch eine Rolle?

Manche flüchten ins Leugnen oder in Verschwörungstheorien, andere nach Mallorca. Damals wie heute ist es gar nicht so einfach, den Weg mit Jesus weiterzugehen, auszuhalten, gegen den Augenschein zu hoffen. Mit Jesus bis zum Ende unterwegs sein, kann einsam machen. Am Ende war die Schar der Jüngerinnen und Freunde unter seinem Kreuz recht überschaubar. Der Paukenschlag kam, als niemand mehr damit rechnete: Auferstehung, rote Karte für Tod und Teufel. Die Tage des Virus sind gezählt, das ist unsere Befreiungsbotschaft zu Ostern 2021.