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Kolumne aus Wesel: Gott schweigt nicht - trotz Corona und Flutkatastrophe

Wie der Glaube in der Krise besteht : Gott schweigt nicht

Lässt Gott Leid bewusst zu? Warum greift er nicht ein? Ist ihm seine Schöpfung egal? Diese Fragen treiben aktuell viele Menschen angesichts der Flutkatastrophe oder der Corona-Pandemie um. Doch klar ist auch: Gott zerbricht uns nicht.

Hat sich Gott aus dieser Welt verabschiedet? Angesichts der aktuellen Ereignisse taucht diese Frage immer wieder auf. Hochwasserkatastrophe, Corona-Pandemie, Explosion in einem Chemiepark. Wir müssen nicht in die weite Welt mit ihren Kriegen, Ungerechtigkeiten und Abgründen blicken, um die Frage nach der Gegenwart Gottes zu stellen. Auch bei uns erfahren Menschen Leid, sinnlose Zerstörung und die Vernichtung ihrer Lebensträume. Mag uns auch manches, was wir aus fernen Ländern erfahren, leider und viel zu oft abgestumpft haben, das, was bei uns geschieht, berührt dann doch.

Lässt Gott Leid bewusst zu? Warum greift er nicht ein? Ist ihm diese Welt, seine Schöpfung, egal? Zu allen Zeiten haben Menschen mit diesen Fragen gehadert. Manche haben darüber ihren Glauben verloren. Andere wiederum sind dadurch erst zu einem tiefen Glauben und einem starken Gottvertrauen gekommen. Hiob, dieser besondere Mensch in der Bibel, ist ein Beispiel für die Frage nach der Gegenwart Gottes im Elend und Leid. Innerhalb kürzester Zeit verliert er, der angesehen und wohlhabend war, alles, was ihm lieb und wichtig ist: Familie, Gesundheit, Reichtum.

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Hiob erfährt Gott als Unterdrücker, Zerstörer, Gewalttäter und unverständlich Grausamen. Mit seinen Freunden begibt er sich auf eine ungewisse und herausfordernde Reise nach dem Sinn des Lebens, den Fragen nach der Präsenz Gottes mitten in den schrecklichsten Erfahrungen und einem Vertrauen, das trotzdem trägt. Am Ende hält er allen Fragen und Zweifeln stand. Sein Glaube bewährt sich in den Prüfungen, die eigentlich über jede Kraft gehen.

Kann man mit diesen alten Glaubensgeschichten aus der Bibel Menschen begegnen, die alles verloren haben? Denen die Flut im Ahrtal und anderswo buchstäblich alles weggerissen hat, was ihnen lieb und wichtig war? Ich selber wäre immer zurückhaltend, aktuelle Leiderfahrungen einfach so ins Licht bewährter und herausragender Glaubenszeugen zu stellen. Wer könnte das denn aushalten?

Stattdessen würde ich von Gott erzählen, der sich selber ins Elend begibt und aushält, was wir zu tragen haben. Der in Jesus Mensch geworden ist und sich so klein und gering gemacht hat, wie wir es oft genug selber erfahren. Dieser Gott beugt sich für uns, aber er zerbricht nicht. Und er zerbricht uns nicht. Diese Erfahrung würde ich immer wieder mit Menschen teilen.