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Kleines Knöllchen mit fatalen Folgen vor dem Amtsgericht wesel

Kurioser Prozess : Kleines Knöllchen mit fatalen Folgen

Ein Einspruch gegen ein Verwarngeld wegen zu schnellen Fahrens führte vor dem Weseler Amtsgericht zu einer satten Strafe.

Einen kuriosen Prozess gab es jetzt am Weseler Amtsgericht. Eine Weselerin, Mitte 50, war wegen „falscher Verdächtigung“ angeklagt. Klingt nicht besonders spannend – denkt man. Doch schon die Anklage hatte es in sich: Die Staatsanwaltschaft warf der Frau vor, einen Weseler zu unrecht zu beschuldigen. Die Kfz-Halterin wolle dem Mann – laut Anklage – ein Verkehrsdelikt in die Schuhe schieben, das sie selbst begangen habe.

Die Weselerin war mit ihrem Pkw Monate zuvor etwas zu schnell unterwegs und geblitzt worden. Ihr wurde ein Bußgeldbescheid in Höhe von 25 Euro zugestellt. Normalerweise wird eine derart geringe Summe auch umgehend bezahlt. Nicht in diesem Fall: Wenige Tage später erhielt das Straßenverkehrsamt den Anhörungsbogen zurück. Darin wurde angegeben, dass die Frau gar nicht am Steuer gesessen habe, sondern ein Weseler, der auch namentlich benannt wurde. Handschriftlich unterzeichnet war das Schreiben mit dem Namen der Kfz-Halterin.

Die Mitarbeiter des Straßenverkehrsamtes dürften sich über diese Stellungnahme vermutlich gewundert haben, denn auf dem Blitzer-Foto war eindeutig eine Frau zu erkennen – beschuldigt wurde nun aber ein Mann.

Also schaltete das Straßenverkehrsamt die Staatsanwaltschaft ein, die wegen falscher Verdächtigung der Kfz-Halterin dann einen Strafbefehl zukommen ließ. Auch diesen akzeptierte die Weselerin nicht, nahm sich einen Anwalt und ließ es auf eine Gerichtsverhandlung ankommen. Auf der Anklagebank sagte die Frau nun aus, sie wisse weder etwas von einem Knöllchen noch vom Anhörungsbogen.

Als ihr der Richter das Schreiben vorlegte, leugnete die Kfz-Halterin, dieses unterzeichnet zu haben. „Das ist nicht meine Unterschrift!“

Als der Richter sich den Anhörungsbogen nochmal genauer ansah, entdeckte er im Absender eine Fax-Nummer, von der das Schreiben offenbar verschickt worden war. Die Angeklagte gab – mittlerweile leicht irritiert – zu, dass dies die Fax-Nummer ihrer Familie sei.

„Wer hat denn überhaupt die Möglichkeit, Faxe von Ihrem Gerät zu versenden?“, wollte der Richter wissen. „Nur ich, mein Mann und meine 14-jährige Tochter“, antwortete die Beschuldigte. „Dann werden wir die beiden wohl mal in einem Fortsetzungstermin vorladen müssen – ebenso wie den beschuldigten Mann. Dann muss man allerdings schauen, ob wir uns nicht auch über Urkundenfälschung unterhalten müssen und die Strafe dadurch deutlich höher ausfallen könnte“, sagte der Richter.

Die Angeklagte blickte ratlos ihren Anwalt an – beide akzeptierten aber den Fortsetzungstermin. Dieser wurde Wochen später auch angesetzt, die drei Zeugen geladen. Unmittelbar vor der Verhandlung akzeptierte die Kfz-Halterin dann doch den Strafbefehl über 300 Euro. Dazu kommen für sie die Anwaltskosten – und das Knöllchen über 25 Euro wird sie ebenfalls bezahlen müssen.

Insgesamt wird es am Ende nun also deutlich teurer für die Weselerin.

(jok)