Hamminkeln: Klasse gereift an der Meyers-Realschule

Hamminkeln: Klasse gereift an der Meyers-Realschule

105 Schüler haben die Heinrich-Meyers-Realschule mit "Mittlerer Reife" verlassen. Die vier besten von ihnen sind Jungs.

Die nackten Zahlen waren wieder mal beeindruckend. Dafür garantiert die Heinrich-Meyers-Realschule Jahr für Jahr. 105 Schüler standen gestern in festlicher Robe auf der Bühne des Forums und nahmen ihr Zeugnis der "Mittleren Reife" in Empfang, wie der Zugang zur Fachhochschule mal hieß. Zwei Drittel von ihnen — in absoluter Zahl 69 — gehen mit Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe. Wahrlich ein "hervorragender Jahrgang", der da in zehn Schuljahren gereift war, wie's das Motto der Schüler selbstbewusst auf den Punkt bringt.

Manfred Niespor hat die Realschule vor 18 Jahren aus der Taufe gehoben. Foto: Malz, Ekkehart (ema)

Aber ein Quartett ist es, was diesen Jahrgang zu einem außergewöhnlichen macht: Die vier Besten sind allesamt Jungs. Das ließ selbst Rektor Manfred Niespor frohlocken: "Ihr habt die Ehre wieder hergestellt." Alexander Happe (Notenschnitt 1,5), Steffen Berning (1,7), Lukas Drießen und Justin Wellmann (beide 1,4) genossen sichtlich den anerkennenden Beifall für ihre reife Leistungen.

Die Rede des Schulleiters war von einigen mit Spannung erwartet worden. Vor allem von denen, die einen Hinweis erwartet hatten, ob es seine letzte als Chef der Heinrich-Meyers-Realschule sein würde. Er kam nicht. Trotzdem. Es gibt ernstzunehmende, offiziell aber nicht bestätigte Hinweise, dass auch für den 62-Jährigen schon bald ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Das aber spielte gestern bei der Feier keine Rolle. Und das war sicherlich gut so. Niespor verfiel in seiner Ansprache nur kurz der reizvollen Verführung, rhetorisch in den Weinberg zu steigen, der an "Knochenarbeit des Winzers" erfordert, der "wuchernde Triebe entfernt", damit der Stock wachsen kann. So kam er elegant zum pädagogischen Leitbild der Schule: "wirken und wachsen". Am Ende aber stehe der Verzehr, so Niespor bei der Ausfahrt aus dem sprachlichen Bild. Er rief seinen nun ehemaligen Schülern zu: "Euch gibt es weiter. Ihr werdet noch reifen." Das Ende an der Realschule bedeute "die Ankunft woanders". Da stand er in seiner Rede beim neuen Lebensabschnitt, "vor einer neuen Tür raus aus dem Raum der organisierten Freiheitsberaubung hinein in einen großen offenen Raum". Für den seien die Schüler bestens gerüstet. Der Rektor endete mit einer Order: "Nun geht, das Leben wartet!"

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"Respekt" , begann Bürgermeister Holger Schlierf mit Blick auf die Leistungen seine launige Ansprache, die weit mehr als ein Grußwort war. Er wolle das Sprachbild mit dem Wein nicht "ausschlierfen" kalauerte Schlierf in Anspielung auf seinen Namen, um den jungen Leuten dann ernsthaft Mut zu machen, auf die Zukunft in einer globalisierten Welt: "Jeder Einzelne wird dringend gebraucht. Sie haben gute Chancen."

"Werdet glücklich mit dem was Ihr macht", wünschte Schulpflegschaftsvorsitzende Silke Tomio, die bis zuletzt so vehement für den Erhalt der Realschule gestritten hatte. Dafür wiederum dankte ihr Schülersprecherin Aylin Klisura ganz besonders. "Wir sind der Anfang vom Ende dieser Schule", sagte die Schülersprecherin, als sie die unverwechselbaren Eigenschaften dieses Jahrgangs aufzählte. Den berührt die Perspektive nun nicht mehr.

Der Super-Jahrgang feierte Abschlussball im Deichhaus in Flüren. Mit einem guten Tropfen. Den hatten sich alle redlich verdient.

(RP)
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