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Kilianer in Altschermbeck mit Minizug in Coronazeiten

Kilianer mit Minizug in Coronazeiten : Auf Riesen-Tandem durch Altschermbeck

Auch in Zeiten von Corona wollten die Altschermbecker Kilianer im 143. Jahr der Schützengilde nicht komplett aufs Feiern verzichten. Und so bewiesen sie am Kilians-Sonntag viel Einfallsreichtum.

Der Umzug der Altschermbecker Kilianer durchs eigene Königreich mit einem Abstecher ins Königreich der Schermbecker Schwesterngilde gehört in normalen Jahren zu den farbenprächtigen Höhepunkten des dreitägigen Programms. Zwar hatten beide Gilden bereits im Frühjahr als Reaktion auf die Corona-Pandemie beschlossen, in diesem Jahr auf Festbälle und Festumzüge zu verzichten, aber mit einem völligen Rückzug ins stille Kämmerlein wollten sich die Kilian-Fans weder hüben noch drüben abfinden.

Während das Schermbecker Königspaar am Samstag nach der Schützeneintragung zu einer Fahrt im offenen Cabrio über die Mittelstraße startete, trieb es die Altschermbecker Majestäten Bernd Becker und Ulla Bienbeck mit ihren Ehrenpaaren Werner Besten/Petra Becker und Berthold Bienbeck/Petra Besten am Sonntag mit Macht zu den Untertanen. Um dabei größere Ansammlungen zu verhindern, hatten Vorstand und Thron beschlossen, die sonst üblichen Versammlungen des Schützenvolkes auf dem Festplatz oder am Antreteplatz neben dem Ehrenmal ausfallen zu lassen und stattdessen die Majestäten auf eine Rundreise durch ihr Königreich zu schicken.

An der Erler Straße wartete die Theatergruppe „Frauensache“ auf die Ankunft der Schützen. Foto: Helmut Scheffler

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Hotel-Restaurant „Zur Linde“ bestiegen die Majestäten gemeinsam mit dem Silberkönigspaar Kilian und Sandra Zens, dem Präsidenten Gregor Zens und dem Vizepräsidenten Stefan Fasselt ein Riesen-Tandem. Für die musikalische Begleitung sorgte jene 13-köpfige Bläsergruppe, die in den letzten Wochen vor Kilian auch regelmäßig als Vortrommler durchs Dorf gezogen war, um aufs nahende Fest aufmerksam zu machen. Mit Märschen wie „Preußens Gloria“, „Land Tirol“, „Gruß aus Würzburg“ und dem „Bozener Bergsteigermarsch“ lockten sie schon von Weitem die Anwohner der oberen Mittelstraße und der Erler Straße an die Fenster oder an den Straßenrand.

Mit Fahrrad-Pferden, wie sie von den Buschhausener Fähnchenschützen seit Jahren bei ihren Umzügen als Ersatz für wiehernde Pferde verwendet werden, „ritten“ die Offiziere Bernd Dieckhoff und Jürgen Kreienkamp zwischen Musikkapelle und Riesen-Tandem.

Kurz vor der Schlossstraße wurde der Mini-Zug zum ersten Mal von der Theatergruppe „Frauensache“ ausgebremst, die ihren beiden Mitspielerinnen Ulla Bienbeck und Petra Becker auf dem Tandem mit grün-weißen Fähnchen jubelnd zuwinkten und die Tandem-Radler mit flüssiger Kost verwöhnten. Noch mehrfach trafen die Zugteilnehmer die Theatergruppe im Verlauf des Tages an schattigen Plätzen entlang der Umzugsroute wieder.

„Haus Kilian grüßt die Kilianer“, stand auf einem Plakat, mit dem die Bewohner und Mitarbeiter die Altschermbecker Majestäten begrüßten und an ihren aufgebauten Tischen mit Getränken und Brezeln verwöhnten. Im Gegenzug gab es von der Königin und den beiden Ehrendamen 805 Euro als Geschenk. Der Betrag kam im Rahmen der Schützeneintragung durch den Verkauf von Ansteck-Fähnchen des aktuellen Throns zusammen, der von vielen Käufern noch durch eine Spende ergänzt wurde.

Unter den schattenspendenden Eichen an der Vogelrute bei Große-Ruiken wurde der Mini-Zug von einer Abordnung der Uefte-Overbecker Trachtenschützen erwartet. Ins Spalier der wartenden Gäste reihten sich die Majestäten Bernd Klevermann und Sabrina Ribbekamp ebenso ein wie der 1. Reckenmester Christoph Möllmann. Der zwei Monate junge Marlon wird eines Tages von seinen Eltern erfahren, dass er – von seinem Papa Heiko getragen – als jüngstes eingetragenes Mitglied der Kiliangilde Altschermbeck die Vorbeifahrt des Tandems buchstäblich verschlafen hat und auch nicht miterlebte, wie die Majestäten zweier Königreiche die Zuschauer mit einem Tänzchen erfreuten.

Auf dem weiteren Weg durchs Königreich passierte der Mini-Zug mehrfach am Straßenrand stehende Gruppen oder winkende Personen an den Fenstern. In der Schetterstraße freute sich die Goldkönigin Irmgard Hater, die Gäste im Garten bewirten zu können. Ein Stückchen weiter warteten einige Offiziere der Gilde, bevor die Radler dem Goldkönig Heinz Schulze einen Besuch abstatteten. Am Nachmittag fand am „Dicken Stein“ eine Begrüßung durch das Kinderschützen-Königspaar Jonas Ufermann und Tamina Hülsmann statt.

Wer genügend Ausdauer mitbrachte, um im 143. Jahr der Schützengilde Altschermbeck den sechs-stündigen Marsch durchs komplette Königreich mitzuerleben, der wurde beim abendlichen Empfang von Bürgermeister Mike Rexforth im Territorium der Schwesterngilde begrüßt und bewirtet.

(hs)