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Wesel: Katholiken suchen Stadtpatron

Wesel : Katholiken suchen Stadtpatron

Am 19. Mai 2013 fusionieren die rechtsrheinischen katholischen Kirchengemeinden in Wesel zur Großpfarrei. Aus diesem Grunde wird ein neues Patrozinium gesucht. Sankt Dominikus und Sankt Nikolaus stehen jetzt zur Auswahl.

Am 19. Mai 2013, am Pfingstsonntag des nächsten Jahres, wird in Wesel Geschichte geschrieben. Da sind sich die Kirchenvorstände der rechtsrheinischen katholischen Kirchengemeinden einig. Denn an diesem Tag fusionieren die vier Pfarrgemeinden St. Martini, St. Mariä Himmelfahrt, St. Antonius und St. Johannes zu einer Großpfarrei. "Das Datum ist etwa gleichzustellen mit Ostern 1540. Damals führte der Rat der Stadt die Reformation ein. Mehr als 470 Jahre später führen wir den neuen Stadtpatron ein", sagt Stefan Sühling, leitender Pfarrer der künftigen Seelsorgeeinheit. Wie er heißen soll, das entscheiden nun die rund 23 000 Katholiken.

Zettel im Klingelbeutel

"Patron gesucht" — so lautet das Motto der Predigten in den nächsten zwei Wochen in den katholischen Kirchen in Wesel (siehe Info). Zur Auswahl stehen Sankt Dominikus und Sankt Nikolaus Wesel. Vorangegangen war ein langer Prozess. Genauer gesagt, suchten die 16 Männer und Frauen der Steuerungsgruppe, die für die Fusion verantwortlich (die RP berichtete) sind, seit der Fastenzeit Vorschläge. "Bis Pfingsten hatten wir 50 Ergebnisse beisammen — sei es per E-Mail oder per Zettel im Klingelbeutel", berichtet Pastoralreferent Marius Stelzer. Wichtig war, dass der künftige Patron zu Wesel passt. Das heißt, dass der Heilige einen Bezug zur Stadtgeschichte hat und auch künftig haben wird. "Lokalkolorit", so nennt es auch Sühling.

Und das haben der heilige Dominikus und der heilige Nikolaus. Dominikus, zu Deutsch: dem Herrn gehören, war Gründer des Predigerordens der Dominikaner. "Und diese haben mehr als 500 Jahre die Geschichte der Stadt Wesel geprägt. So war es ein Dominikaner, der 1407 nach Lübeck reiste und im Auftrag der Stadt die Aufnahme in den Hansebund beantragte", sagt Günter Warthuysen vom Kirchenvorstand St. Mariä Himmelfahrt. Auf dem Gelände der katholischen Kirche an der Pastor-Janßen-Straße stand von 1291 bis 1808 auch das Dominikanerkloster. Dabei unterscheidet Warthuysen zwischen der Zeit vor und nach der Reformation: "Danach hatten es die Mönche schwer, waren aber immer die erste Anlaufstelle der Katholiken in Wesel."

Der heilige Nikolaus, zu Deutsch: Sieger über das/aus dem Volk und Patron der Hanse, bedeutet, wieder eine katholische Kirchengemeinde in Wesel mit diesem Namenspatron zu gründen. "Im Jahr 1352 entstand nämlich auf dem Platz vor dem heutigen Kaufhof eine Kapelle, die dem heiligen Nikolaus geweiht wurde", berichtet Ludwig Maritzen, Kirchenvorstand St. Martini. 1429 wurde die Kapelle dann zur Pfarrkirche erhoben. Wiederum elf Jahre später begann man mit dem Bau einer spätgotischen Kirche — St. Nikolaus auf der Mathena, die während der Reformation evangelisch und während des Zweiten Weltkrieges komplett zerstört wurde.

(jul)