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Wesel: Katastrophen in der Mini-Welt der Wehr

Wesel : Katastrophen in der Mini-Welt der Wehr

Die Weseler Feuerwehr hat sich bei Erwin Schön bedankt. Denn der leidenschaftliche Modellbauer aus Ginderich hat in den vergangenen eineinhalb Jahren Planspielplatten geschaffen, die zu Weiterbildungszwecken genutzt werden.

Gelegentlich besuchen Kindergartengruppen die Feuerwehr am Kurfürstenring. Oder auch Ratsfraktionen. Schwer zu sagen, ob nun die Kleinen oder aber die Politiker entzückter reagieren beim Anblick der neuen Planspielplatten im Netzwerkraum der Wache. Denn diese Platten muss man sich vorstellen wie eine liebevoll gestaltete Modelleisenbahn-Landschaft - nur derzeit ohne Züge. Dafür aber mit Unfällen auf der Autobahn, einem brennenden Chemiewerk unweit eines Neubaugebiets, einem Gründerzeitviertel und einer bedauernswerten Person, die im Hafen unter einem Container liegt. An dem Planspiel werden Führungskräfte fit gemacht für Weiterbildungslehrgänge am Institut der Feuerwehr in Münster. Bislang wurden sie nur einem Provisorium geschult.

Die neue Mini-Welt im Maßstab 1:87, die allerdings keinerlei Ähnlichkeit mit dem realen Wesel hat, ist das Werk von Erwin Schön (69) aus Ginderich. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat der frühere Maschinenbautechniker der Oberhausener Stadtwerke im Auftrag der Weseler Feuerwehr rund 900 Stunden an den Platten gearbeitet. Als Vorlagen dienten ihm unter anderem Fotos einer ähnlichen Anlage, die bei der Feuerwehr in Hamminkeln zu bestaunen ist.

 Modellbauer Erwin Schön (r.) freut sich über den Esel, den er von Carsten Nienhaus (l.) und Thomas Verbeet bekommen hat.
Modellbauer Erwin Schön (r.) freut sich über den Esel, den er von Carsten Nienhaus (l.) und Thomas Verbeet bekommen hat. Foto: Klaus Nikolei

Gestern nun haben sich Wehrchef Thomas Verbeet und der stellvertretende Dienstgruppenleiter Carsten Nienhaus bei Erwin Schön herzlich für dessen ehrenamtliches Engagement bedankt und ihm einen von Roseni de Mello-Schauerte (Schau-Art-Galerie am Franz-Etzel-Platz) bemalten Mini-Wesel-Esel geschenkt. Die eine Hälfte des Grautiers steckt in einer Feuerwehruniform, die andere zeigt ein Modellflugzeug vor einem Alpenpanorama. "Das ist wirklich toll", freute sich Erwin Schön. Denn der Bau von bis zu sechs Meter langen Modellflugzeugen ist die große Leidenschaft des Gründungsmitglieds der Modell-Flug-Gruppe Wesel.

Den Kontakt zwischen der Feuerwehr und Schön hat Dr. Dirk Meintrup hergestellt. Er ist nicht nur Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Ginderich, sondern auch der Schwiegersohn des 69-Jährigen.

Wesel: Katastrophen in der Mini-Welt der Wehr
Foto: Klaus Nikolei

Zwar konnte Erwin Schön bei der Planung der beiden Haupt- und der insgesamt vier kleineren Anstellplatten eigene Ideen einbringen. Doch an einige Vorgaben musste er sich halten: "Wir brauchten eine Stadt mit angrenzendem Industriegebiet, ein Dorf, eine Autobahn sowie einen Hafen", erklärt Thomas Verbeet. Die Platte, die die dreigleisige Betuwelinie inklusive Lärmschutzwänden darstellen wird, befindet sich derzeit noch in Arbeit und damit noch im Wohnzimmer von Erwin Schön. "Wenn die fertig ist, dann dürfte ich auch die rund 1000 Stunden voll haben", sagt er. Für gut 3500 Euro, bereitgestellt vom Förderverein der Wehr, hat Schön Ware eingekauft. Das meiste Geld hat er bei Weseler Anbietern ausgegeben, teilweise auch Materialien und Modellbausätze im Internet bestellt.

Wie muss man sich eigentlich so eine Übung von Führungskräften an den Planspielplatten vorstellen? Veerbeet nimmt einen Mini-Tanklastzug, kippt ihn vor einer Häuserzeile um und steckt etwas Stahlwolle ans Führerhaus - als Rauchschwaden. Carsten Nienhaus hat nun die Aufgabe, einen Einsatzplatz zu entwerfen und dazu zahlreiche Fragen zu stellen, um sich ein Bild von der Schadenslage zu machen. "Was genau ist passiert? Droht eine Explosion? Müssen Anwohner evakuiert werden? Sind Personen schon verletzt?" - "Man kann sich alle möglichen Szenarien ausdenken", sagt Verbeet und nennt als Beispiele "einen Amoklauf an einer brennenden Schule oder einen Zusammenstoß von Binnenschiffen im Hafen." Ähnliche Aufgaben werden den Weiterbildungsteilnehmern auch in Münster gestellt. "Wie gesagt, wir bereiten unsere Leute auf die Prüfungen dort vor."

Übrigens: Erwin Schön hat sich nicht nur über den Mini-Esel und einen Restaurantgutschein der Wehr gefreut, sondern auch über ein kleines Schild, das Carsten Nienhaus auf den Marktplatz vor der Kirche gelegt hat: "Erwin-Schön-Platz" steht darauf. Wie nett.

(RP)