Verleihung in Lackhausen Abdelkarim trägt nun den Weseler Eselorden

Wesel · Abdelkarim ist Wesels neuer Eselordenträger. Der deutsch-marokkanische Komiker nahm sich bei der Verleihung im voll besetzten Festzelt am Molkereiweg ordentlich selbst auf die Schippe. Auch darüber hinaus geizte die Veranstaltung nicht mit Höhepunkten.

Karneval Wesel 2024: Fotos von der Eselordenverleihung mit Abdelkarim
21 Bilder

Abdelkarim trägt nun den Weseler Eselorden

21 Bilder
Foto: dpa/Henning Kaiser

Das Timing hätte kaum besser sein können. Ausgerechnet in einer Zeit, in der die Menschen zu Tausenden auf die Straße gehen, um für die demokratischen Werte und gegen Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren, hat der neue Träger des Eselordens in Wesel einen Migrationshintergrund. Der Comedian Abdelkarim hat marokkanische Wurzeln und er kokettiert förmlich mit dieser Tatsache. Sie ist sogar Teil seines Erfolgs.

Natürlich hat Abdelkarim auch eine „Eselei“ begangen, denn kein neuer Ordensträger kommt ohne diese auf das Grautier. Er hatte bei einem Besuch in Wesel die Mutmaßung geäußert, er hätte bis dato gedacht, dass die Hansestadt nur eine Straße sei. Dafür hatte er sich den Eselorden wahrlich verdient. Die Laudatio hielt, so ist es Tradition bei der Eselordenverleihung, Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. Sie trat in diesem Jahr, imposant wie immer, als „Lady in Red“ auf, wagte während ihrer Ansprache sogar ein kleines Tänzchen auf der Bühne.

Neben der Würdigung von Abdelkarim vergaß sie nicht, auf die Vorzüge Wesels hinzuweisen. Der 42-Jährige, dessen Sorge, der Esel könne sein Gewicht womöglich nicht halten, unbegründet war, staunte nicht schlecht und sorgte bei seiner Erwiderung gleich für Lacher im Publikum: „Sie sind ja aktiver hier als Olaf Scholz in drei Jahren Regierung.“ Das Outfit der Bürgermeisterin kommentierte er mit „ein bisschen wenig Rot, aber sonst sehr schön“ und das Wesel über einen Ortsteil mit dem Namen Lackhausen verfügt fand er „sehr interessant“.

Nach der offiziellen Würdigung holte Ulla Hornemann, Vorsitzende des närrischen Parlaments, den neuen Ordensträger selbstverständlich ein weiteres Mal auf die Bühne. Und der glänzte mit seinem ganzen Repertoire. „Die ersten laufen schon weg, mein Gott, ein Araber“, nahm er sich selbst auf die Schippe. Die Narren im Festzelt am Molkereiweg trauten ihren Ohren nicht, als Abdelkarim vom „wunderschönen Bahnhof in Wesel“ sprach. Doch der in Duisburg lebende Comedian begründete diese Ansicht auch sogleich. „In Duisburg wird am Bahnhof seit zehn Jahren gebaut. Dort sagt man, wenn er mal so schön wird wie in Wesel, dann ist alles gut.“

Und dann bewies Abdelkarim abermals, wie souverän er mit dem Thema Rassismus umgeht. Er habe in dieser Hinsicht, so seine Aussage, sozusagen eine „Grundausbildung absolviert“. Er hätte seine Herkunft und die Vorurteile, die damit einhergehen, schon so sehr involviert, dass er sich nach einem Ladenbesuch schon selbst kontrolliere, ob er nicht etwas geklaut habe.

Auch an die vielen Kontrollen, die er aufgrund seines fremdländischen Aussehens über sich ergehen lassen müsse, habe er sich bereits gewöhnt. „Ich bin immer froh, wenn beispielsweise im Zug jemand in der Nähe ist, dessen Hautfarbe noch dunkler ist. Denn die werden noch schneller kontrolliert.“

Auch die manchmal „schwer zu begreifende deutsche Sprache nahm er aufs Korn und nannte hierfür die Floskel „jetzt beeil dich doch mal langsam“ als Beispiel. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie fügte er hinzu, dass er zu den wenigen Menschen gehöre, bei denen „Rennen noch langsamer aussieht als Gehen“. Und schließlich ging er auch noch in die Interaktion mit dem Publikum, genauer gesagt mit einem unmittelbar vor der Bühne sitzenden, 13-jährigen Mädchen. „Bist du freiwillig hier oder ist dein Handy kaputt?“.

Abdelkarims Auftritt war aber beileibe nicht der einzige Höhepunkt der Eselordenverleihung. Ein paar Tränchen musste Kinderprinzessin Marlene I. angesichts des nahenden Endes der Session verdrücken. Um den Nachwuchs muss sich Wesel ohnehin keine Sorgen machen, wie die Kindertanzgarde der Kolpingsfamilie oder die Vesalia Red Stars bewiesen. Sie zeigten, wie viel jeckes Blut auch in den Adern der jungen Bürger der Hansestadt fließt.

Wesel Marketing, das erneut die Organisation innehatte, war es jedoch auch gelungen, externe Programmpunkte nach Wesel zu locken. So wie die Karnevals-Coverband „So!Lala“ aus Wegberg. Die sechsköpfige Band brauchte nicht lange, um das närrische Publikum mit Evergreens auf die Beine zu bringen. Wenig später kochte das Zelt, als die „Kammerkätzchen und Kammerdiener“ aus Köln ihr tänzerisches und akrobatisches Können zeigten. Ohne Zugabe und ohne Rakete ließen Wesels Jecken die 30-köpfige Gruppe nicht von der Bühne. Wiederholungstäter bei der Eselordenverleihung war „Mr. Tomm“. Kaum eine Stimme, die er nicht gesanglich perfekt parodierte. Sein Repertoire reichte von Elvis über Joe Cocker bis hin zu Udo Lindenberg oder Eros Ramazotti.

Nach gut vier Stunden endete das kurzweilige Programm und wenn es überhaupt einen Kritikpunkt an der Veranstaltung gab, dann der, dass der Veranstaltungsort auch aus Sicht der Organisatoren keine optimale Lösung darstellt. Ulla Hornemann fasste es in Worte. „Wir müssen uns bei den Menschen bedanken, die dafür gesorgt haben, dass wir überhaupt trockenen Fusses ins Zelt gekommen sind. Wir brauchen endlich einen vernünftigen Ersatz für die Niederrheinhalle“, so ihre Forderung.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort