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Wesel: Kanalschleusen werden künftig ferngesteuert

Wesel : Kanalschleusen werden künftig ferngesteuert

Schleusenwärter am Kanal in Wesel wird es bald nicht mehr geben. Eine neue Leitzentrale regelt den Schiffsverkehr automatisch. Ursache ist die Reform beim Wasser- und Schifffahrtsamt. Start: frühstens 2014.

Wenn ein Schiff die Schleuse in Friedrichsfeld passiert, dann kassiert Turgay Ünver eine Gebühr. Denn Ünver ist dort Abgabeerheber — und das bereits seit zwölf Jahren. Ob es seinen Job in Zukunft noch geben wird, das ist ungewiss. Fest steht, die Arbeitsplätze, die derzeit an den Schleusen in Friedrichsfeld und Hünxe am Wesel-Datteln-Kanal bestehen — ein Abgabeerheber und ein Wärter pro Schleuse und Schicht — werden bald überflüssig. Stattdessen wird am Standort Dorsten, der wie Friedrichsfeld ein Außenbezirk des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Duisburg ist, eine neue Leitzentrale aufgebaut. "Von dort aus werden die Schiffe dann ferngesteuert", sagt auch Dirk Radermacher, Pressesprecher des WSA Duisburg.

Turgay Ünver arbeitet in der Hebestelle an der Schleuse Friedrichsfeld am Wesel-Datteln-Kanal. Seinen Posten wird es dort künftig nicht mehr geben. Foto: Malz, Ekkehart (ema)

Ursache dafür ist die Reform, die das Ministerium derzeit durchläuft. Radermacher formuliert es so: "Es gibt kein Geld mehr für Neueinstellungen, dafür wird auf verschiedenen Ebenen über Einsparpotenziale nachgedacht. Und das, obwohl die Schifffahrt für die Wirtschaft enorm wichtig ist." Wer alles davon betroffen sein wird, ist noch unklar. Man munkelt von insgesamt 2500 Stellenstreichungen. So sollen angeblich die Wasser- und Schifffahrtsdirektionen geschlossen werden. Zum Hintergrund: Das WSA Duisburg gehört wie Köln, Rheine und Meppen zur Direktion West mit Sitz in Münster.

Wie Radermacher auf Anfrage bestätigte, sind die neuen Leitzentralen — gleiches soll im Übrigen auch am Rhein-Herne-Kanal in Herne geschehen — aber bereits beschlossene Sache. Ende 2013, wahrscheinlich aber eher im Jahr 2014 soll mit dem Bau begonnen werden. Wie teuer das Ganze wird, ist noch nicht ausgerechnet. Radermacher geht aber davon aus, dass allein der Bau einer Leitzentrale eine Million Euro verschlingen wird. Hinzu kommen Gelder für die Reparatur- und Instandhaltung sowie für die Aufrüstung der einzelnen Schleusen. "Überall muss eine neue Elektronik und Videoanlage sowie Sicherheitstechnik installiert werden", sagt Radermacher. Schließlich passieren täglich 60 Schiffe den Kanal.

Wenn all das geschehen ist, werden die Arbeiten in Dorsten gebündelt und per Kameraüberwachung vollzogen. Zehn Monitore soll es dort geben, wobei ein Wärter maximal zwei Schleusen überwachen darf. Zum Vergleich: In Dorsten, Friedrichsfeld, Hünxe, Flaesheim und Datteln arbeiten bisher sechs Mitarbeiter pro Schleuse. "Es wird Stellenstreichungen geben, wie viele Mitarbeiter betroffen sind, steht noch nicht fest", sagt auch Radermacher. Entsprechende Gremien müssten darüber noch beraten.

Auch Ünvers Friedrichsfelder Arbeitsplatz gerät aufs Abstellgleis. Seine Aufgaben sollen automatisiert werden. "Allerdings hat man sich darüber noch keine Gedanken gemacht", sagt Rademacher. Im Falle einer Havarie sollen im Übrigen Servicemitarbeiter zur Stelle sein.

(RP/rl)