Hamminkeln/Wesel: Kampf ums Geld für Bahn-Elektrifizierung

Hamminkeln/Wesel: Kampf ums Geld für Bahn-Elektrifizierung

Ende 2019 soll die "Bocholter"-Strecke für den Strombetrieb ausgebaut werden. Doch die Stadt Hamminkeln steht wegen der Finanzierung auf der Leitung. Nun warnt der VRR vor Verzögerung.

Mit der Elektrifizierung der Bahnstrecke für den "Bocholter" sollen bessere Zeiten für Pendler und Bahnkunden anbrechen. Dann wird der neue Flügelzug, der schon bereitsteht, die Strecke ohne Umstieg bis nach Oberhausen, Duisburg und Düsseldorf verlängern und damit Hamminkeln und Bocholt direkt ans Rheinland anbinden. Bisher endet die Reise im Bahnhof Wesel, wo umgestiegen werden muss. Weil der Strombetrieb Tempo 100 zwischen Wesel und Hamminkeln möglich macht, müssen drei Bahnübergänge mit Schranken versehen werden. Deshalb herrscht Hochspannung zwischen Stadt, Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und Bahn. Die CDU macht nun neuen Druck.

Die Stadtverwaltung steht auf der Elektrifizierungsleitung, weil sie 127.000 Euro Anteil für die Beschrankung beisteuern soll, aber nicht will, weil sie mit rund 450.000 Euro freien Mitteln denkbar knapp finanziell dasteht. Ein Konsensversuch scheiterte gestern. Nun gibt es zwei Drohpositionen: Der VRR sagt, dass die Betriebsaufnahme Ende 2019 gefährdet sei. Bürgermeister Bernd Romanski wiederum will, dass die Stadt klagt. Dazwischen steckt die konsensgewöhnte Politik, der Rat steht deshalb vor einer Top-oder-Hop-Entscheidung. Das ist das Ergebnis des Dienstags-Termins vor Ort, den die Brüner Landtagsabgeordnete Charlotte Quik (CDU) mit Frank Heidenreich, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Verbandsversammlung des VRR, Bahnvertretern, Ratsmitgliedern von CDU, Grüne und FDP sowie Bürgermeister und Kämmerer Robert Graaf von der Stadt organisiert hatte.

Vor Ort schaute sich die Gruppe Bahnübergänge an, die Schranken erhalten sollen: Zum Weißenstein III, bekannt als Zuweg zum Cafe Weißenstein an der Hamminkelner B 473, sowie den ländlichen Anbindungen Zum Weißenstein II am Bruchweg und der Woyweg. Schotterwege, über die Landwirte ihre Flächen erreichen.

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Für 25,5 Millionen werden auf 22,5 Kilometer Länge moderne Stellwerke in Bocholt und Hamminkeln, ein Brückenneubau an der Issel in Hamminkeln, Gleisertüchtigung sowie Oberleitung komplett gebaut. Die Stationen an der Strecke werden ab 2020 barrierefrei ausgebaut sowie modernisiert, so die Haltepunkte Blumenkamp und Dingden. Komplett neu werden die Anlagen - nicht das alte Bahnhofsgebäude - in Hamminkeln. Dieser Halt fungiert als sogenannter Kreuzungsbahnhof. Fahren als RE 19 wird ein neu angeschaffter Flügelzug, den Steckenbetreiber Abellio nutzt. Der besteht aus zwei Teilen, die aus Bocholt und Arnheim kommen und sich in Wesel treffen. Dort werden beide gekoppelt und fahren dann zusammen weiter. Am 1. Dezember 2019 soll die neue Strecke eröffnet werden. Dann fährt der "Bocholter" bis Düsseldorf durch und braucht von Bocholt aus etwas mehr als eine Stunde bis zum Hauptbahnhof der Landeshauptstadt.

Die Sicherung der drei umstrittenen Bahnübergänge kostet 1,5 Millionen, je zu einem Drittel von Bahn, VRR und Stadt zu tragen. Letztere hat sich Fördermittel gesichert, muss 127.000 Euro selbst finanzieren. "Knapp 40.000 Euro pro Übergang", sagt Frank Heidenreich. Und: Wenn sich Hamminkeln sperrt, könne sich das gesamte Projekt verzögern. "Nach dem Gespräch heute kann ich keine Lösung sehen", sagt Bernd Romanski. Er will der Politik empfehlen, den Klageweg zu gehen. "Ich habe das Gefühl, allen ist an der Umsetzung des Projekts für die Bahnkunden gelegen. Wir brauchen einen Kompromiss", sagt Charlotte Quik.

CDU, FDP und Grüne waren gestern beim Ortstermin dabei, SPD und USD blieben trotz Einladung fern. Die anwesenden Politiker wollen sich den VRR-Vorstellungen anschließen und zahlen. Die drei Fraktionen hätten im Rat die Mehrheit - und sie werden sich öffentlich erklären müssen, wenn Romanski mit einem anderen Beschlussvorschlag eskaliert. Wie man den Verwaltungschef kennt, wird er nicht klein beigeben. Nebenbei geht es um die gesamte politische Linie Hamminkelns. Bei der Betuwe in Mehrhoog (Troglage) besteht noch der Hardliner-Kurs, beim "Bocholter" beugt man sich der Drohgebärde, dass sich das gesamte Projekt verzögern wird.

(RP)