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Junge Weseler widmen sich dem Leiden der Kinder in Auschwitz

Erinnerungsarbeit :  Jugend widmet sich Kindern in Auschwitz

Der Holocaust-Gedenktag am Montag, 27. Januar, wird diesmal von der Gesamtschule Am Lauerhaas gestaltet. Im Willibrordi-Dom stellen die jungen Leute Schicksale von Altersgenossen unter dem NS-Regime in den Vordergrund.

Erinnerungsarbeit hört nie auf. Die Gedenken der Opfer der NS-Zeit sind eine Ewigkeitsaufgabe. Das Ergebnis einer bundesweiten Umfrage des Forschungsinstituts Forsa untermauert dies geradezu verstörend deutlich: Vier von sechs jungen Leuten ab 14 Jahren wissen nicht, was Auschwitz-Birkenau war. Das rückt den anstehenden Holocaust-Gedenktag am 27. Januar besonders ins Licht. In Wesel wird er seit 2007 begangen. Seit 2010 kümmern sich abwechselnd die weiterführenden Schulen um die Gestaltung. Eben weil die Erinnerungsarbeit damit in jüngeren Generationen verankert wird. Jetzt, da sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee zum 75. Male jährt, führen die Mädchen und Jungen der Gesamtschule Am Lauerhaas Regie. Am Montag, 27. Januar, 12 Uhr, stellen sie das Gedenken im Willibrordi-Dom unter das Thema „Das Leiden der Kinder in Auschwitz“.

Die Gedenkveranstaltung soll zwar bevorzugt die jüngere Generation sensibilisieren, ist aber natürlich offen für jedermann. Darauf wies Bürgermeisterin Ulrike Westkamp bei der Vorstellung des Programms in der Gesamtschule am Lauerhaas hin. Mit dabei waren Schulleiter Dirk Timmermann, seine Stellvertreterin Tanja Menninghaus, Thomas Pawlowski (Koordinator Gesellschaftslehre) und Lehrerin Ria Budde sowie Pfarrer Albrecht Holthuis für die Evangelische Kirchengemeinde Wesel, Stefan Sühling für die Katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus Wesel und Wolfgang Jung für den Jüdisch-christlichen Freundeskreis. „Wir müssen uns der Geschichte stellen“, sagte Holthuis. Er bekannte, überrascht gewesen zu sein, als ihm klar wurde, dass 1,5 Millionen Kinder unter unter de NS-Regime ums Leben gekommen waren.

Tanja Menninghaus, Albrecht Holthuis, Ria Budde, Thomas Pawlowski, Wolfgang Jung, Dirk Timmermann, Ulrike Westkamp und Stefan Sühling an der Gesamtschule Am Lauerhaas bei der Präsentation des Programms. Foto: Fritz Schubert

Gesamtschüler verschiedener Jahrgangsstufen haben Vorträge und Musikbeiträge für das Gedenken vorbereitet. So widmet sich der Geschichte-LK der Q1 den Opfern der Shoa.  Zehntklässler berichten über „Zwillingskinder in der Hölle von Auschwitz“. Anschließend wird Paul Glaser aus den Niederlanden, Autor des Buches „Die Tänzerin von Auschwitz“ erzählen, wie er zufällig auf drei Mädchen gestoßen ist, die seine Großtanten hätten werden können, wenn sie so lange hätten leben dürfen. „Vertrauen in die Zukunft“ heißt ein weiterer Schüler-Vortrag. Außerdem erhält die Gesamtschule vom Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ eine Urkunde. Das ist die Schule schon seit 2009, ihr Pate war die Weseler Erfolgsband Avid. Nachdem die Gruppe sich aufgelöst hat, hat nun der Jüdisch-christliche Freundeskreis die Patenschaft. Der fühlt sich, so Wolfgang Jung, „sehr geehrt“.

Jung findet den Ansatz, sich mit den Kindern von Auschwitz zu befassen, „sehr richtig und aufschlussreich“, verwies in diesem Zusmmenhang an die Erinnerungen von Ernest Kolmans Schwester, die Auschwitz überlebt hat.

Der heutige Weseler Ehrenbürger Ernest Kolman  hatte als Kind nach England in Sicherheit gebracht werden können. Er ist der letzte lebende Angehörige der ehemaligen jüdischen Gemeinde Wesels. 1933 gab es noch 152 Menschen jüdischen Glaubens in der Stadt, zehn Jahre später waren es null. Manche konnten auswandern oder fliehen, viele wurden ermordet.