Jäger legen Ökowiese in Ringenberg an

Projekt zum Naturschutz :  Jäger legen Ökowiese in Ringenberg an

Streuobstbäume und jede Menge Pflanzen für Insekten stehen hier – ein Naturparadies.

Die Sonnenblumen strahlen mit dem Klatschmohn und den Kornblumen um die Wette, in der Luft flattern drei Zitronenfalter, zwischen den Pflanzen kreucht und fleucht es. Nur das Rauschen der A 3 und der „Bocholter“, der ab und an zwischen Wesel und Bocholt auf den Schienen unterwegs ist, stört die Idylle. Aber man kann ja nicht alles haben. Und Ringenberg ist nun mal nicht aus der Welt.

Aber hier auf dieser Wiese, die Bodo Hasenwinkel vor Jahren von seiner Mutter bekam, um eine Jagd zu pachten, ist die Natur noch in Ordnung. Oder man sollte besser sagen: wieder in Ordnung. „Schuld“ daran sind einige aktive Ringenberger Schützen. Die hatten die Idee, eine Streuobstwiese anzulegen. Dort, wo Bodo Hasenwinkels Wiese liegt und wo noch ein Wäldchen dahinter dem Wild Schutz bietet.

Und so haben sie angepackt, die Wiese sozusagen entrümpelt, einen Grünwall aufgeschüttet und Wildblumen gesät. So wächst hier Klee, Sauerampfer und so manch anderes Gewächs. Dazwischen haben sie dann Streuobst gepflanzt. Den Apfel Malus Domestica beispielsweise, oder die Pflaume Ruth Gerstetter, die Apfelbirne Komoi Nashi und die späte Knorpelkirsche.

„Viele Landwirte denken doch heutzutage: Hauptsache, die Knete stimmt“, ärgert sich Bodo Hasenwinkel beim Besuch vor Ort. Dem wollten die Jäger etwas entgegensetzen mit ihrem kleinen Natur-Biotop. „Ist schön, dass sowas geschaffen wurde“, ist Grundstückseigentümer Hasenwinkel stolz auf seine Jägerkollegen, die sich hier so richtig ins Zeug gelegt haben. Deshalb gehöre ihnen auch das Lob: „Was haben die gewässert, als es so heiß war.“

Die, das sind neben Bodo Hasenwinkel sein Bruder Claus, sein Neffe Andre, Bernhard Bitters, Gregor Barenberg, Ralf Overkamp und Alfons Brömling. Sie setzen sich dort, am Rande von Ringenberg, für die natürliche Artenvielfalt ein. Das sei in Zeiten, in denen Jäger oft die Buhmänner seien, wichtig, findet der Ringenberger.

Und nein, die Jäger vor Ort schießen nicht alles, was ihnen vor die Flinte kommt. „Hier werden sie weit und breit keinen Hochsitz finden“, erklärt Hasenwinkel auf seiner Wiese. Hier sollen die Tiere ihre Heimat finden, Futter und Ruhe. Und die Pflanzen, die sollen einfach wachsen. „Das fehlt doch heute.“ Wenn die Bäume reif zum Ernten sind, werden die Jäger das Obst wohl sammeln und zur Obstkelterei van Nahmen in Hamminkeln bringen. 

Etwas mehr Natur hätten die Ringenberger Jäger auch auf einer weiteren Fläche auf dem Weg zur Streuobstwiese entwickelt, erklärt Hasenwinkel bei einem Zwischenstopp und zeigt auf eine zugewucherte Fläche am Wegesrand. Hier wollten die Jäger Wildkräuter anpflanzen. Doch die Bürokratie setzte dem einen Riegel vor. Die Fläche sei eine Ausgleichsfläche für den Straßenbau, hieß es beim Kreis, so Hasenwinkel. Jetzt wachsen dort Schilfrohre vor sich hin. Ob das besser ist als Wildkräuter? Bodo Hasenwinkel zuckt etwas resigniert mit den Achseln.

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