Kreis Wesel In Wesel entsteht ein See wie vor 10.000 Jahren

Kreis Wesel · EU-Projekt "Bodensaure Eichenwälder": Um bedrohten Pflanzenarten bessere Bedingungen zu schaffen, werden am Ufer des Heideweiher Schwarzes Wassers Schlammzonen abgetragen.

 Wilhelm Itjeshorst (l.) und Heinz-Hermann Verholte von der Biostation in Wesel am Heideweiher.

Wilhelm Itjeshorst (l.) und Heinz-Hermann Verholte von der Biostation in Wesel am Heideweiher.

Foto: Bosmann

Der Wasserspiegel des Schwarzen Wassers in Wesel hat sich deutlich gesenkt. Im Uferbereich sind schlammige Zonen sichtbar. Erst vor einer Woche war im Auftrag der Biostation der alte Entwässerungsgraben auf der Westseite des Heideweihers geöffnet worden. Ziel war es, den Uferbereich für bevorstehende Entschlammung trockenzulegen.

"Der Niedrigwasserstand entspricht etwa dem von September", sagte Wilhelm Itjeshorst von der Biostation gestern beim Ortstermin. Mit seinem Kollegen Heinz-Hermann Verholte informierte er über die nun beginnenden Erdbewegungen. Die Maßnahmen sind Teil des auf fünf Jahre angelegten und von der EU geförderten Life+Projekts "Bodensaure Eichenwälder mit Mooren und Heiden". "Wir befinden uns hier in einer Dünenlandschaft mit von Natur aus nährstoffarmen Sandböden", erklärte Itjeshorst.

Um den an abwechselnd überschwemmte und trockenfallende Uferzone angepassten seltenen Pflanzenarten wie Wasserlobelie, Strandling und Froschkraut bessere Wachstumsbedingungen zu schaffen, werden Schlammzonen auf einer Länge von etwa 200 Metern zwischen zwei Seerosenbeständen abgetragen. Für die Verschlammung gibt es verschiedene Ursachen. "Ein Grund ist, dass die Heide in eine Waldlandschaft umgewandelt wurde", so Itjeshorst. Durch dichte Baumbestände sorge der Wind nicht für ausreichend Wasserbewegung. Zudem tragen herabgefallenes Laub und Nadeln zur Schlammbildung bei. Die Naturschützer hoffen, durch Abtragen der dünnen Oberflächenschicht im Boden enthaltene Pflanzensamen wieder zum Keimen zu bringen.

Von den bedrohten Arten kommt nur das Froschkraut am Schwarzen Wasser vor. Dass hier einst auch Wasserlobelie und Strandling gediehen, weiß man aus alten Aufzeichnungen. "Botaniker, die im 19. Jahrhundert hierher gepilgert sind, haben die Pflanzenwelt genau dokumentiert", so Itjeshorst.

Der genaue Termin für die Aktion stehe noch nicht. "Spätestens übernächste Woche geht's los", so Verholte. Die Zeit sei günstig, da sich viele im Uferbereich lebende Tiere noch nicht für den Winter eingerichtet haben. Der Rundwanderweg wird für mehrere Tage gesperrt.

Am Schwarzen Wasser sind im Rahmen des EU-Projektes weitere Maßnahmen geplant. Nördlich der Aussichtsdüne werden die Reste eines alten Moores abgetragen, um ein Gewässer zu schaffen, das es in ähnlicher Form vor 10 000 Jahren an dieser Stelle gab. Rund 2000 Tonnen Erde werden bewegt. Langfristig soll am südwestlichen Ende des Schwarzen Wassers wieder eine offene Heidelandschaft entstehen.

(RP)
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